Der Sand der Namib

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Brockmeyer, 2014, Titel: 'Der Sand der Namib', Originalausgabe

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Annette Gloser
Wurzeln schlagen in einem anderen Land

Buch-Rezension von Annette Gloser Apr 2015

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Karl Skär stammt aus der Nordpfalz. Sein Vater ist Forstarbeiter, er selbst beginnt eine Lehre als Schneider. Durch eine schwere Krankheit findet er seinen Weg zu Gott und will nun auch andere Menschen zu seinem Gott führen. Er wird Missionsgeistlicher und arbeitet in Deutsch-Südwestafrika. Hier versucht er, den Ovambo die Lehre von Jesus und seiner Liebe zu allen Menschen näher zu bringen. Als seine erste Frau stirbt, bleibt er mit drei kleinen Kindern allein. Er muss nach Deutschland zurückkehren. Die Kinder werden bei fremden Menschen untergebracht und Karl sucht sich eine neue Frau, denn ohne eine Frau darf er nicht nach Deutsch-Südwest zurück. Er findet Wilhelmine, die er heiratet und mit der er erneut aufbricht in das ferne Land mit den schwarzen Menschen und den seltsamen Bräuchen. Karl kann sich dafür begeistern, aber für Wilhelmine birgt die neue Heimat viele Schrecken. Die Bräuche der Schwarzen kommen ihr abscheulich vor, sie verträgt das Klima nicht und sie erträumt sich vieles mehr, als Karl ihr geben kann und geben will. Aber sie ist seine Frau, sie bringt seine Kinder zur Welt, und als die Ovambo nach Süden in die Diamantenminen abwandern, folgt sie ihrem Mann dorthin, wo er die Menschen findet, die er zu einem neuen Glauben bekehren will.

Leben voller Pflichten und Verzicht

Hellmut Lemmer schreibt über das Leben seiner Familie. Karl Skär, der Großvater, starb bereits, als der Autor noch ein kleines Kind war. Viele Jahre später jedoch, nach dem Tod der Großmutter, beginnt Hellmut Lemmer, sich mit seiner Familiengeschichte auseinander zu setzen und die Lebenswege von Großvater, Großmutter, Mutter und Tanten zu erforschen. So ist dieses Buch vor allem auch eine Chronik. Das ist beim Lesen auch deutlich zu spüren. Dabei ist der Sprachduktus ruhig und unaufgeregt. Hellmut Lemmer nähert sich den Menschen in seinem Buch sensibel und mit viel Fingerspitzengefühl, gewährt den Lesern Einblick in das Seelenleben dieser Menschen, die ja zugleich auch die Verwandten des Autors sind.

Hier wird deutlich klargestellt, dass das Leben eines Missionars und seiner Familie Anfang des 20. Jahrhunderts weitaus mehr von Pflichten und von Verzicht bestimmt wurde als von Abenteuer. Karge Lebensbedingungen, ungewohntes Klima, in Deutschland unbekannte Krankheiten und jene Wilden mit ihren heidnischen Riten, ja, mit Hexerei! Das machte vor allem den Missionarsfrauen das Leben schwer. Dazu kam, dass die Kinder nicht bei den Eltern aufwachsen konnten, sondern in einem Heim in Deutschland leben mussten. Karl Skär wird als Mensch gezeigt, der mit solchen Widrigkeiten umgehen konnte. Seiner Frau Wilhelmine dagegen fiel die Anpassung an das Leben im fremden Land weitaus schwerer.

Fakten und Details

In Der Sand der Namib erfährt der Leser viel über die ehemalige deutsche Kolonie Südwestafrika, die man heute unter dem Namen Namibia auf der Landkarte findet. Dabei neigt der Autor keineswegs zum Beschönigen oder zur Verklärung. Sehr deutlich wird in diesem Roman auch die Brutalität geschildert, mit der deutsches Militär gegen die Bewohner des Landes vorging. Aber auch das Bemühen der Missionare um jene Eingeborenen, bei denen sie lebten und denen sie den Weg zum Christentum zeigen wollten, wird ausführlich geschildert. Dabei spielt vor allem der aufgeschlossene Karl Skär eine wichtige Rolle.

Auch das Alltagsleben deutscher Einwanderer in diesem Land wird für den Leser nacherlebbar. Immer jedoch bleibt auch ein gewisser Abstand. Es ist wie das Blättern in einem jener alten, vergilbten Fotoalben. Der Sand der Namib ist kein Thriller oder Actionroman. Wer zu diesem Buch greift, bekommt nicht nur die Geschichte des Missionarsehepaars Skär, sondern die Geschichte der Kolonie Deutsch Südwestafrika präsentiert. Ein ausgesprochen seltenes und darum vielleicht umso interessanteres Sujet. Man liest über viele interessante Dinge, aber der Autor hat sich dankenswerter Weise keinen Plot mit Knalleffekten zusammengebastelt. Er erzählt einfach die Geschichte seiner Familie, ungeschönt, teilweise traurig, gelegentlich dramatisch und sehr wahrhaftig.

Über ein besonderes Stück Geschichte

Der Brockmeyer Verlag hat mit Der Sand der Namib ein ausgesprochenes Liebhaberstück im Programm. Die Thematik und die erzählte Geschichte sind ausgesprochen selten in der Welt des historischen Romans. Ob es sich hier tatsächlich im literarischen Sinne um einen Roman handelt, das sei dahingestellt. Aber dies ist ein Buch, das sich mit einem wenig beachteten Teil deutscher Geschichte auseinander setzt und uns jene Menschen näher bringt, die daran Anteil hatten. Schade allerdings, dass es weder Vor- noch Nachwort gibt. Es wäre schön gewesen, mehr über den Autor zu erfahren und auch darüber, wie weit sich hier Fakten und Fiktion mischen. Auch eine Karte des ehemaligen Deutsch-Südwestafrika wäre hilfreich.

Ein Buch für Menschen, die sich gerne an die reale Geschichte halten, die gerne dokumentarische Romane lesen, und ein Buch für alle, die sich mit dem Thema Deutsche Kolonien auseinandersetzen wollen. Hier werden sie Reibefläche finden.

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