Die verbotene Zeit

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2015, Titel: 'Die verbotene Zeit', Originalausgabe

Couch-Wertung:

91
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Rita Dell'Agnese
Ein Roman über Krieg, Freundschaft und die Folgen eines düsteren Geheimnisses

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2015

Ein Autounfall. Carla hat seither Gedächtnislücken. Vor allem die jüngste Vergangenheit ist im Dunkeln verschwunden. Seit sie wieder zuhause ist, plagt Carla das diffuse Gefühl, dass ihr Ehemann und ihr Vater etwas vor ihr versuchen zu verbergen. Um wieder sie selber zu werden, beginnt Carla zu recherchieren. Diese führen sie tief in die Vergangenheit ihrer inzwischen dementen Mutter Dora, zurück ins Jahr 1922 in Berlin. Damals war Doras Mutter Dienstmädchen bei einer reichen Familie, deren gleichaltrige Tochter Edith trotz der Klassenschranken Doras beste Freundin wird. Die beiden Mädchen wachsen in einer schwierigen Zeit heran. Sie fühlen sich der wachsenden Macht der Braunhemden ausgeliefert und erleben, wie sich nach und nach die Hetze gegen Juden, Kommunisten und andere Außenseiter entwickelt. Sowohl Dora als auch Edith heiraten, ihre Freundschaft bleibt dabei aber bestehen. Doch dann verschlimmert sich die Lage die mit einem jüdischen Musiker verheiratete Edith sieht sich zunehmender Gefahr ausgesetzt. In ihrer Not bittet Edith Dora um einen Gefallen. Dora will ihre Freundin nicht im Stich lassen, ahnt aber nicht, dass ihre Hilfe weitreichende Folgen haben wird, die sich bis ins Leben der nachstehenden Generationen weiterzieht.

Bedrückende Schilderungen

Romane, die sich der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und dem zunehmenden Machteinfluss der Nazis widmen, gibt es viele. Wenige vermögen es aber, die Situation so klar aufzuzeigen, wie die Autorin Claire Winter. Sie braucht dafür nicht viele Worte. Vielmehr arbeitet sie mit einzelnen sprachlichen Bildern, die sich zu einem Gesamtbild fügen und besser, als jede ausufernde Beschreibung zu dokumentieren vermögen, wie sich die Gesellschaft langsam veränderte und eine Atmosphäre von Angst, Unterdrückung und Verfolgung entstehen konnte. Hier ist auch die eigentliche Kraft und Tiefe des Romans zu finden die Geschichte, die auf mehreren Zeitebenen spielt, ist nicht in allen Bereichen so tiefgründig wie gerade in dieser Vorkriegs-Zeit. Hier merkt man die Affinität der Autorin zum Thema und ihr Bemühen, es auch für Genrationen von Leserinnen und Lesern aufzubereiten, die bereits weit von den damaligen Ereignissen entfernt sind. Claire Winter schildert unaufgeregt und präzise, was diesen Bereich des Romans zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis macht.

Deutliche Unterschiede

Weniger prägnant und eindrücklich ist die Zeitebene von 1975 geraten, auf der sich Carla bewegt. Die Protagonistin wirkt manchmal hölzern und gestelzt. Das mag auf den ersten Blick mit ihrer schwierigen Geschichte zusammenhängen dem Unfall und dem damit verbundenen Gedächtnisverlust. Aber beim genaueren Hinsehen ist es wohl eher die Diskrepanz zwischen der intensiven Geschichte der Vorkriegsjahre und der etwas bemühten Story der Siebzigerjahre, die hier zutage tritt. Es will nicht so recht gelingen, sich mit Carla zu identifizieren. Zum einen nimmt man sie als gehetzte Frau wahr, die unbedingt ergründen will, was um den Unfallzeitpunkt herum mit ihr passiert ist, zum anderen ist sie eine taffe und überlegte Journalistin, die einem Geheimnis nachspürt, das zwar Einfluss auf ihre Familie hat, aber sehr lange kein Teil von Carla selber wird. Dieses Gefüge will nicht so richtig passen, es braucht von Seiten der Autorin immer mal wieder ein wenig Drücken und Schieben, um das Ganze passend zu machen. Das ist bedauerlich, denn damit entsteht ein Gefälle zwischen den beiden Erzählebenen.

Spannend erzählt

Dass die Autorin Claire Winter mit der Sprache vertraut ist, kommt in diesem ihrem zweiten Roman erneut deutlich zum Ausdruck. Sie ermöglicht es den Leserinnen und Lesern, ganz in die Geschichte einzutauchen und sich auf den Inhalt einzulassen. Claire Winter erzählt in einem angenehmen Tempo, ihre Zeitsprünge sind gut zu bewältigen und die Leser wissen immer, in welcher Epoche sie sich gerade aufhalten.

Der positive Eindruck des Inhalts wird durch die schöne Aufmachung des Hardcovers bestärkt. Eine Karte vom geteilten Deutschland, ein ansprechendes Cover und eine angenehme Schriftgröße zeichnen das Buch aus. So knüpft die Autorin Claire Winter mit Die verbotene Zeit als einem rundum gelungenen Roman an ihren Debüterfolg an.

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