April in Stein

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • , 2015, Titel: 'April in Stein', Originalausgabe

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Annette Gloser
Chronik eines Verbrechens 

Buch-Rezension von Annette Gloser Mär 2015

Im Januar 1945 ist auch für die Häftlinge des Zuchthauses KremsStein deutlich spürbar, dass der Krieg und damit auch die Herrschaft der Nationalsozialisten zu Ende gehen. Aber können die Gefangenen auf Freiheit hoffen? Sie wissen, dass die Nazis auf ihrem Rückzug immer wieder Gefängnisse geräumt und die Häftlinge erschossen haben, dass Häftlinge aus Konzentrationslagern über die Straßen getrieben wurden, in andere Lager. Wen die Nazis in ihren Klauen haben, den geben sie so schnell nicht wieder her.

Die Gefangenen von Stein kommen aus vielen Ländern und sie haben viele unterschiedliche Geschichten. Da sind griechische Widerstandskämpfer zusammen mit dem Bibelforscher in einer Zelle, ein schwuler Sexualverbrecher neben führenden Kadern der kommunistischen Partei. Und die vielen anderen, die wegen so schwerwiegender Straftaten wie Feindsender hören oder Schwarzschlachten im Zuchthaus Stein gelandet sind. Sie alle hoffen auf die Freiheit, bewacht von Wärtern, die genauso unterschiedlich sind wie die Häftlinge. Es gibt die überzeugten Anhänger des Führers ebenso wie die Mitläufer, und neben ihnen die wenigen, die menschlich mit den Gefangenen umgehen.

Als sich am 6. April 1945 plötzlich die Zuchthaustore öffnen und die Gefangenen entlassen werden, scheint sich ein Traum zu erfüllen. Aber noch sind die Befreier nicht da. Nicht alle Wärter können die Entlassung der Häftlinge akzeptieren, und in Krems warten SS, Volkssturm und SA auf ihren Einsatz.

Dokumentarisch und bewegend

Der Roman beginnt im Januar 1945 und führt mit seiner letzten Lebensgeschichte bis in das Jahr 1994. In einem ausführlichen Vorwort schildert Autor Robert Streibel die Entstehungsgeschichte. Er hat sich über viele Jahre als Historiker mit den Geschehnissen im April 1945 beschäftigt, hat sich um das Gedenken für die Opfer bemüht und immer wieder aufgewühlt, was man in Krems gerne vergessen hätte und was als Kremser Hasenjagd in die grausame Geschichte des Dritten Reiches eingegangen ist. Robert Streibel hat Dokumente gesichtet und zahlreiche Interviews mit Zeugen und Überlebenden geführt. Als Historiker wollte er zunächst seine Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit tragen und hat sich letztendlich dafür entschieden, seine Recherchen auch in einem dokumentarisch angelegten Roman zu verarbeiten. Der glückliche Zufall will es, dass sich in Robert Streibel offenbar der akribische Rechercheur mit dem talentierten Schreiber vereint.

Dieser Roman erzählt nicht nur die Ereignisse des 6. April 1945 in Stein, sondern auch Lebensgeschichten von Häftlingen und Aufsehern. So bringt der Autor seinen Lesern jene Menschen nahe, ihre Träume, Wünsche, Hoffnungen. Die Personen in diesem Roman als bloße Protagonisten zu bezeichnen, erscheint nicht angemessen, denn hinter jedem der fiktiven Namen verbirgt sich ein realer Mensch mit seinem Schicksal. Das Wissen um diese Realität lässt beim Lesen des Romans viele bange und beklemmende Momente entstehen, bezieht den Leser mit ein in Hoffnung und Verzweiflung. Es entsteht eine Atmosphäre, die an Authentizität kaum zu überbieten ist.

Bangen und Fassungslosigkeit

Robert Streibel schreibt eher nüchtern und zurückhaltend. Er wechselt in seiner Erzählung von einem Häftling zum nächsten, wendet sich Aufsehern und Menschen außerhalb des Zuchthauses zu. So hat man als Leser die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Dem Autor ist es gelungen, dabei sehr dicht bei den einzelnen Personen zu bleiben, ihre Charaktere ausführlich zu gestalten und Stimmungen einzufangen, die der Leser deutlich mitempfinden kann. Auch wenn der Erzählstrang immer wieder wechselt, so führt doch ein roter Faden durch jedes Kapitel und es entsteht ein umfassendes Bild des Geschehens. Ist es anfangs auch schwierig, sich im Gewirr der vielen Namen zurecht zu finden, hat man dennoch sehr schnell eine Beziehung zu den geschilderten Personen aufgebaut. Und auch wenn man schon weiß, was nach der Entlassung der Häftlinge in Stein passierte, so bleibt die Spannung doch erhalten, denn man möchte wissen, was mit all den Menschen geschah, die man in den ersten Kapiteln des Buches kennenlernte. Das Wissen darum, dass es sich um reale Personen handelt, lässt den Leser mit bangen, mit hoffen und löst Fassungslosigkeit aus, wenn über das Verhalten einzelner Kremser Bürger berichtet wird. Die Ruhe und Gelassenheit der Sprache steht in starkem, beeindruckenden Gegensatz zu den geschilderten Ereignissen. Und letztendlich bleibt man als Leser mit der Frage zurück, ob man sich wirklich anders verhalten hätte als die meisten Kremser Bürger, damals, in jener Zeit.

Ein unbequemer Roman

Mit April in Stein hat der Residenz Verlag ein unbequemes und beeindruckendes Buch heraus gebracht. Auf den dokumentarischen Charakter des Romans verweist auch die Covergestaltung mit Fotos, auf denen jedoch keine Gesichter zu erkennen sind so wie es im Roman keine realen Namen gibt. Das bereits erwähnte Vorwort sei hier unbedingt noch einmal zur Lektüre empfohlen. Ein Personenverzeichnis erleichtert dem Leser die Orientierung in der Vielzahl der Personen und ein Glossar kann sich insbesondere für jüngere Leser als hilfreich erweisen.

Auch wenn dieser Roman nichts für gemütliche, stimmungsaufhellende Leseabende ist, so bietet er sich für die Auseinandersetzung mit unserer noch immer nicht allzu fernen Geschichte an, wirft Fragen auf und lässt den Leser nach Antworten suchen. Ein Roman mit nachhaltiger Wirkung.

April in Stein

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