Karl der Große - Roman seines Lebens

Erschienen: Januar 1992

Bibliographische Angaben

  • Emons, 1992, Titel: 'Karl der Große - Roman seines Lebens', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88
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Annette Gloser
Die Geschichte eines großen Königs

Buch-Rezension von Annette Gloser Jan 2007

Die Handlung des Romans setzt in der Mitte des 8. Jahrhunderts ein, als Karl, der Sohn Pippins des Kurzen, etwa zwölf Jahre alt ist. Schwierig ist sein Verhältnis zum Vater, liebevoll und trotzdem ebenso schwierig das zur Mutter Bertrada. Karl erlebt, wie sein Vater Pippin einen schutzsuchenden Papst nördlich der Alpen empfängt und mit diesem Verhandlungen führt, denn Stephan II. will die Unterstützung des Frankenkönigs gegen die Langobarden. Karl erkennt, wie weitreichend die Vereinbarungen sind, die zwischen dem Papst und dem Frankenkönig geschlossen werden. In späteren Jahren werden viele dieser Vereinbarungen auch sein eigenes Handeln bestimmen.

Er erlernt das Handwerk eines Königs bei seinem Vater, ein kriegerisches Handwerk, und eines, das politischen Weitblick, Wissen und fähige Berater verlangt. Schnell kann der Sohn des Pippin zeigen, was in ihm steckt. Aber immer wieder überschatten Konflikte mit seinem Bruder Karlmann auch Karls Verhältnis zu Vater und Mutter. Als Pippin stirbt, teilt er das Reich zwischen seinen Söhnen. Bertrada entwickelt emsige Bemühungen, um sowohl ihre Söhne als auch den zwar unbotmäßigen, aber nahe verwandten Bayernherzog Tassilo mit einer Langobardenprinzessin zu verheiraten. Karl aber erkennt sehr schnell, daß seine Ehe mit der ungeliebten Desiderata ihn politisch fesselt und ihm die Möglichkeit nimmt, gegen die Langobarden vorzugehen. In Schande schickt er seine Frau zu ihrem Vater zurück. Dann aber stirbt Karlmann und Karl übergeht dessen Söhne: Er eignet sich Karlmanns Krone und Reich an, schickt seine Mutter in die Verbannung und sucht seinen eigenen Weg - in der Politik wie in der Liebe.

Karl der Unbekannte

Eigentlich ist es kaum zu glauben, wie viel Thomas R. P. Mielke über Karl den Großen herausgefunden hat. Was dieser Roman bietet, ist weitaus mehr als das, was uns im Geschichtsunterricht so serviert wurde. Sicher, man weiß so ungefähr Bescheid: Schöpfer Europas, Karolinger, Bildungsreform, Kaiserkrönung, Aachener Dom, Karlspreis ... Zur Not kann man heutzutage ja googeln.

Aber dieser Roman über den Frankenkaiser Karl ist etwas ganz anderes als so ein endloser, trockener Wikipedia-Text. Mielke hat einen lebendigen, kraftvollen Karl portraitiert, einen Menschen voller Konflikte und Gefühle, klug, liebevoll und unglaublich hart, wenn er es für notwendig erachtete. So zeigt dieser Roman auch jene menschlichen Seiten des Herrschers, die gewöhnlich keine Beachtung finden: Den Vater, den Liebhaber, den Träumer. Ganz sicher ist nicht alles so gewesen, wie der Autor es beschreibt. Die Jahrhunderte, die zwischen uns und Karl dem Großen liegen, haben vieles vergessen lassen. Aber so, wie dieser Roman ihn beschreibt, wird Karl zu einem Menschen, der uns nahe sein könnte, würde er heute leben. Mielke ist es gelungen, diesem Mann einen Charakter zu geben, ihn aus dem Staub der altbekannten Fakten heraus zu holen.                                                    

Karl der Große ist ein Roman, keine Biographie, sondern eine fiktive Geschichte, die sich an Bekanntem entlanghangelt und die der Autor mit seiner Phantasie geschaffen hat. Aber diese Geschichte ist glaubwürdig und vielleicht geeignet, den einen oder anderen Geschichtsmuffel doch noch zu begeistern.

Mit Hindernissen

Thomas R. P. Mielke hat sich bemüht, uns heutigen Lesern entgegen zu kommen. Er hat Ortsnamen so verwendet, daß man ungefähr weiß, was gemeint ist, oder er hat gleich den heute üblichen Namen genommen. Trotzdem ist die Orientierung nicht immer einfach. Noch schwieriger allerdings ist es, sich durch die Namen der vielen Persönlichkeiten zu arbeiten, die am Hof Karls des Großen gewirkt haben oder anderweitig mit ihm in Verbindung zu bringen sind. Da kann einem schon mal der Kopf schwirren und da hilft dann auch das Namensverzeichnis am Ende des Buches nicht mehr.

Dies sind wohl die beiden größten Hindernisse auf dem Weg zu einer engeren Bekanntschaft mit einem der größten Kaiser der europäischen Geschichte. Denn der Roman selbst ist gut zu lesen, immer wieder voller Spannung und auch mit berührenden Momenten. Die Sprache ist unkompliziert und es gibt keine verwirrenden Rückblenden oder Träume. Oft bekommt das Buch die Züge eines Abenteuerromans. Dies ist wohl dem durchaus abenteuerlichen Leben Karls geschuldet. Aber das macht auch Spaß, zieht Leser in den Bann und lässt vergessen, wie umfangreich und gewichtig der Roman eigentlich ist.

Mit Übergewicht

Zwar ist das Buch unhandlich, dick und ziemlich schwer, also nichts, was man gerne unterwegs dabei hat. Aber hat man erst mal dran geschnuppert, dann lässt es einen nicht mehr so ohne weiteres los und man schleppt es dann doch in der S-Bahn mit, einfach, weil man unbedingt weiter lesen möchte. Der Emons-Verlag hat in der Neuauflage das Cover mit dem Signum Karls gestalten lassen, sehr zurückhaltend und angenehm. Im Buch finden sich eine Karte, in der die europäischen Völker im 9. Jahrhundert verzeichnet sind. Im Anhang gibt es eine ausgesprochen umfangreiche (und dringend benötigte) Personenliste, dazu einen Stammbaum Karls und ein Nachwort des Autors. So wird der Roman sinnvoll ergänzt.

Dieses Buch kann man nur empfehlen, auch wenn zum Lesen der fast 700 Seiten ein wenig Durchhaltevermögen gebraucht wird. Wer sich für Geschichte interessiert, sollte Karl der Große im Regal haben.

Karl der Große - Roman seines Lebens

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