Die Königin der Orchard Street

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Insel, 2014, Titel: 'The Ice Cream Queen of Orchard Street', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
 Die Eiskönigin von Amerika

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Mär 2015

Sommer, Sonne und Eiskrem. Für viele gehören sie untrennbar zusammen, doch wer macht sich heute noch Gedanken über die Geschichte dieser beliebten sommerlichen Schleckerei. In Susan Jane Gilmans Debütroman Die Königin der Orchard Street wird die Eiskrem zum heimlichen Star. Die Lebensgeschichte von Lillian Dunkle, die vom armen Immigrantenkind zur Eiskönigin von Amerika aufsteigt, ist eine typische vom Tellerwäscher zum Millionär-Geschichte.  

Doch bevor es soweit ist, hat Lillian einen weiten und steinigen Weg vor sich. Als Malka Treynovsky kommt sie 1913 mit ihrer jüdischen Familie aus Russland nach Amerika und landet in den überfüllten Mietskasernen des New Yorker Einwandererviertels auf der Lower East Side. Hier herrscht bittere Armut und die Menschen haben kaum das Nötigste zum Leben. Der Vater lässt die Familie bald im Stich und verschwindet spurlos und die Mutter scheitert an der großen Verantwortung, ihre Familie allein durchbringen zu müssen. Sie verachtet Malka, die nicht ganz unschuldig an der Situation ist, dass die Familie nicht wie geplant in Südafrika, sondern in Amerika gelandet ist. Als Malka von einem Pferd überrannt und zum Krüppel wird, wendet sich ihre Mutter ganz von ihr ab. Doch Malka hat Glück. Der Besitzer eben jenes Pferdes nimmt sie als Wiedergutmachung in seine Familie auf und aus Malka Treynovsky wird Lillian Maria Dinello. Die Dinellos betreiben einen kleinen Handel mit Speiseeis und Malka betritt die faszinierende Welt der Eiskrem, die sie nie wieder loslassen wird.

Wenn der Leser Lillian zu Beginn des Buches das erste Mal begegnet, ist sie bereits eine alte Dame in den Achtzigern mit einigen Problemen. Sie wurde wegen Steuerhinterziehung verhaftet, steht kurz vor einem Gerichtsprozess und wird von der Presse verfolgt, nachdem sie in einer TV-Show ein Kind geohrfeigt hat. Während sie auf ihren Gerichtsprozess wartet, erzählt Lillian dem Leser ihre Lebensgeschichte. Man sieht diese Matriarchin beim Lesen deutlich vor sich, wie sie da in ihrem Sessel thront und erzählt und dabei ihre Zuhörer gerne mal mit "Schätzchen" anspricht. Doch wie immer, wenn jemand seine Lebensgeschichte erzählt, erfolgt dies nicht chronologisch. Der Erzählende springt durch die Zeit und so folgt auch die Handlung dieses Romans keiner Chronologie, sondern ist von Zeitsprüngen geprägt. Mal bewegt sich die Handlung länger in einem bestimmten Zeitrahmen, dann springt sie wieder innerhalb weniger Sätze zeitlich hin und her. Der große Vorteil dieser Erzählform liegt hier aber darin, dass sie für Abwechslung in einer Geschichte sorgt, die hin und wieder zu versanden droht.

Die Autorin verrennt sich gerne mal in unwichtigen Details und verliert dabei das Wesentliche aus dem Auge. Geduld ist beim Leser auch dann gefragt, wenn sehr detailfreudig über die Entwicklung und Modernisierung der Eisherstellung parliert wird. Aus dem historischen Blickwinkel betrachtet ist das durchaus interessant und die Autorin hat hier offensichtlich akribisch recherchiert. In ihrem Bestreben, möglichst viel Wissen an den Leser zu bringen, schießt sie aber über das Ziel hinaus. Ob hier jede neue Eismaschine bis ins kleinste technische Detail zerlegt werden oder jede neue Eiskreation ausführlich beschrieben werden muss, mag dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall geht diese Informationsflut zulasten des Handlungsaufbaus und der Charakterzeichnung.  

Sperrige Protagonistin

Für Susan Jane Gilman ist Lillian eine Mischung aus Scarlett O´Hara und Leona Helmsley. Sie ist eine starke Figur mit einer ereignisreichen Lebensgeschichte und trotzdem springt der Funke irgendwie nicht über, was zum Teil auch an den hier und da auftretenden Längen und damit einhergehenden Spannungseinbrüchen liegt. Auch mit Lillian selbst dürften einige Leser so ihre Probleme haben, denn Lillian ist keine Heldin, mit der man sich als Leser identifizieren mag und mit der man mitleiden und mitfiebern will. Ganz im Gegenteil: Lillians Entwicklung vom liebenswürdigen kleinen Mädchen zur arroganten Matriarchin eines Familienimperiums wird beim Leser kaum Sympathien wecken. Dabei ist diese charakterliche Entwicklung durchaus nachvollziehbar, denn eine Frau, die zu dieser Zeit in einer Männerwelt bestehen wollte, musste hart sein und buchstäblich über Leichen gehen und eine gehbehinderte Frau wie Lillian erst recht.  

Die Königin der Orchard Street ist keine romantisierende Auswanderergeschichte, sondern die Geschichte einer jungen Immigrantin, die zur mächtigen Eiskönigin von Amerika wird. Sie überwindet mit Mut und Einfallsreichtum jede Hürde, pariert jeden Knüppel, den man ihr vor die Füße wirft, sie lässt sich von Rückschlagen nicht entmutigen und räumt Konkurrenz gnadenlos aus dem Weg. "Verklagt mich doch, was schert es mich!" - das ist das Lebensmotto dieser unbeugsamen Frau.

Die Königin der Orchard Street

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