Narrenleben

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2015, Titel: 'Narrenleben', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Eindrucksvolles Porträt zwei unterschiedlicher Narren

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2015

Joseph Fröhlich macht Karriere. Geboren 1694 in der Steiermark, lebt er dreißig Jahre später als gelernter Müller mit Frau und zwei Kindern in Bayreuth und verdient sich mit ein paar Taschenspielertricks auf Jahrmärkten Geld dazu. Er wird entdeckt und zum Hof-taschenspieler bei Markgraf Georg Wilhelm bestallt. Nun hat er sein regelmäßiges Einkommen und kann gut davon leben. Seine Spielereien machen ihn schnell beliebt, und so darf er mit dem Markgraf zu dessen Schwager fahren, dem Kurfürsten August dem Starken in Dresden.

Auch August ist begeistert und nimmt Fröhlich in seine Dienste auf. 1727 zieht er mit seiner zweiten Frau und den Kindern endgültig nach Dresden über und bleibt auch nach dem Tod Augusts in Diensten von dessen Sohn Friedrich August II. 1754 erhält er für sich und seine Familie sogar eine königliche Familie auf Lebenszeit und hat somit ausgesorgt.

Fröhlich stirbt 1757, und siebzehn Jahre später erhält seine Witwe Post. Es sind die Memoiren des Narren Peter Prosch, der gleichwohl einen völlig anderen Werdegang hinter sich hat als Joseph Fröhlich: Ungewollt zum Narren gemacht und immer auf seine Kosten von den Fürsten teilweise auf übelste Art und Weise hereingelegt, zieht er ohne feste Anstellung von Hof zu Hof, verkauft seine Handschuhe und führt ein unstetes Leben.

Knapper Erzählstil

Nach Sire, ich eile, seinem kleinen aber feinen Roman über Voltaire und Friedrich dem Großen, porträtiert Hans Joachim Schädlich mit seinem neuen kleinen Roman Narrenleben zwei Narren, die völlig gegensätzlich waren und sich auch nie kennen gelernt haben, wenngleich Joseph Fröhlich seinerzeit recht bekannt war und Prosch von ihm gehört hat, ihn aber nie traf.

Schädlich widmet Joseph Fröhlich gut zwei Drittel seines nur 176 Seiten langen Romans und verwebt wechselnd Ich-Perspektive mit Erzählteilen, was ein stimmiges Gesamtbild ergibt und die steile Karriere Fröhlichs aus mehreren Perspektiven beleuchtet. Im Grunde ist Fröhlich lebenslang vom Glück verfolgt und hat Erfolg und Ruhm, was ihm durch seine fröhliche Art beinahe in den Schoß fällt. Als einziger Rückschlag kann der Tod seiner ersten Frau gewertet werden, doch schon bald heiratet er erneut, und auch hier hat er wieder das Glück, eine schöne und kluge Frau zu bekommen, die seine Kinder aus erster Ehe akzeptiert und umgekehrt, was seinerzeit keineswegs selbstverständlich war.

Da August der Starke viel auf Reisen war, nahm er seinen Narren auch des Öfteren mit und Fröhlich hat viel von der Welt gesehen. Der Autor zeichnet so ein stimmiges Bild der Zeit, wenngleich er sprachlich sehr knapp und nüchtern bleibt. Grosse empathische Dialoge darf der Leser nicht erwarten. So berichtet Fröhlich zur Taufe seines Sohnes Franz:

 

Ich hatte August den Starken in unsere Behausung eingeladen, und August kam.

Ich ließ Kuchen und Wein auftragen.

August hob sein Glas und sagte:

"Für die Zukunft des Kleinen soll gesorgt sein. Ich übernehme hiermit das Leutnantspatent für Franz Fröhlich."

 

Im gleichen Stil schreibt er auch über den anderen Narren, Peter Prosch. Dieser zieht in Österreich und Süddeutschland von Hof zu Hof und ist mehr ein Depp denn ein Narr, denn alle machen mit ihm, was sie wollen und spielen die derbsten und übelsten Streiche mit ihm. Zwar entlohnen sie ihn dafür auch entsprechend, aber letztlich ist es ein würdeloses Dasein, das ihn zum Spielball der Fürsten macht, die ihn wohl gerne als sprichwörtliches Opfer ihrer Scherze weitergeben.

Zwei Biografien mit unterschiedlichem Erfolg

Zwar amüsiert Prosch dadurch auch die Herrschaften, doch gelingt es ihm nicht, eine feste Anstellung zu ergattern. Vielleicht ist das auch besser so, aber es zeigt, wie unterschiedlich die Karrieren von Narren sein können. Gewollt und ungewollt, Autor Schädlich zeigt hier zwei Beispiele, wie man Ruhm im selben Genre erwerben, der eine zurecht, der andere eher zweifelhaft.

Neben den Kontrasten der beiden äußerst interessanten und teilweise recht amüsanten Biografien zeigt der Autor auch auf, wie das Leben in fürstlichen Kreisen vor sich ging und wie das Leben in der Zeit lebbar war. Zwei Beispiele, wie es wohl für etliche andere Menschen war. Und die Lebensarten dazwischen lassen Raum für viele andere Lebensmodelle. Wie unterschiedlich der selbe Beruf doch aufgefasst werden kann.

Warum Prosch das alles über sich ergehen lässt, sagt er mit dem Satz:

 

Je mehr ich ertrage, desto größer ist mein Ertrag.

 

Ob es das wert ist, klärt sich nicht. Am Ende gibt Fröhlichs Witwe Eva ihrem Sohn Franz das Manuskript und der schickt es zurück mit dem Vermerk, dass Joseph Fröhlich es nicht lesen könne, da er vor siebzehn verstorben sei. Hier zeigt sich die Tragik in Proschs Leben: Zum einen hat er siebzehn Jahre lang nicht mitbekommen, dass sein vermeintlich gleichgesinnter Narrenkollege verstorben ist, zum andern ist sein Leben für Franz nicht von Interesse.

Schädlich beschreibt zwei Narrenleben, die nur wenig miteinander gemeinsam haben und die sich nicht einmal gekreuzt haben. Sein knapper Erzählstil ist beinahe protokollarisch gehalten, reduziert aber hiermit die Handlung auf das Wesentliche und es gibt nichts störendes, was dem, was er zu sagen und zu erzählen hat, im Weg steht. Der Band, vom Rowohlt-Verlag liebevoll als Hardcover mit Lesebändchen gestaltet und vom Cover her deutlich mit dessen Vorgänger Sire, ich eile verwandt, wird durch zwei Seiten Quellenangaben ergänzt und bezeugen so, dass Schädlich sich nah an die biografischen Angaben hält. Ein beeindruckendes und streckenweise amüsantes Bild der Zeit, das Freunde der Aufklärung und auch alle anderen historische interessierten Leser unbedingt im Regal haben sollten. 

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