Die Entführung der Delia Wright

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2013, Titel: 'Seven for a Secret', Originalausgabe

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Eva Schuster
Packender und dramatischer zweiter Fall für Timothy Wilde

Buch-Rezension von Eva Schuster Mär 2015

New York 1846: Ein halbes Jahr ist es her, dass die Polizei von New York gegründet wurde. Der ehemalige Barkeeper Timothy Wilde hat sich damals nur widerstrebend anwerben lassen. Entgegen seiner Erwartungen hat er sich jedoch als sehr talentiert für die Polizeiarbeit erwiesen und fühlt sich inzwischen für diese Aufgabe berufen.

Als Sonderermittler sitzt Timothy inzwischen im Hauptquartier, in den Tombs. Am Valentinstag erscheint die aufgelöste Blumenverkäuferin Mrs. Lucy Adams in seinem Dienstzimmer - ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entführt worden. Der Fall ist besonders brisant, weil Lucys Familie schwarze Wurzeln besitzt. Daher besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie einer Verbrecherbande in die Hände gefallen sind. Diese Menschen entführen freie Schwarze aus dem Norden und geben sie als entflohene Sklaven aus, um sie offiziell in die Südstaaten zurückzubringen und dort schließlich zu verkaufen. Zudem sind bei Gerichtsverfahren, in denen es um flüchtige Sklaven geht, schwarze Zeugen nicht zugelassen.

Timothy bittet seinen älteren Bruder um Hilfe, den schillernden Polizei-Captain, Feuerwehrmann, überzeugten Demokraten und Lebemann Valentine Wilde. Zunächst scheint sich der Fall zum Guten zu wenden - doch dann wird in Valentines Bett eine Leiche gefunden. Timothy ist überzeugt davon, dass jemand seinen Bruder ruinieren möchte und versucht alles, um Valentine vor dem Mordverdacht zu bewahren und gerät dabei selbst in höchste Gefahr ...

Packende und dramatische Fortsetzung

Nach dem fulminanten Auftakt der Reihe Der Teufel von New York legt Lyndsay Faye nun die lang ersehnte Fortsetzung um den jungen New Yorker Polizeiermittler Timothy Wilde vor, die ihrem Vorgänger in Sachen Spannung, Atmosphäre und Unterhaltung in nichts nachsteht.

 

"Ich brauche einen Polizisten", sagte sie.

Das war nicht ganz korrekt. Was sie brauchte, war ein Wunder.

 

Die Entführung einer Frau und eines kleinen Jungen wäre für sich genommen bereits dramatisch; dieser Fall stellt Timothy aber zunehmend vor immer größere und schwerere Aufgaben und gefährdet sowohl sein Leben als auch das seines Bruders. Natürlich kennt Timothy die Probleme der Schwarzen, die sie auch im freien Norden haben - sie sind hier zwar keine Sklaven, doch gleiche Rechte wie die Weißen besitzen sie nicht einmal auf dem Papier. Trotzdem erfährt Timothy erst durch diesen Fall, wie prekär es um das Leben der Schwarzen tatsächlich bestellt ist. Die Entführung der Delia Wright und ihrem Neffen konfrontiert ihn mit der Not der schwarzen Bevölkerung, mit hungernden irischen Einwanderern, mit unbarmherzigen Politikern, korrupten Polizeikollegen und mit brutalen Sklavenjägern. Zwar wird es noch knapp 15 Jahre dauern, ehe der Sezessionskrieg ausbricht, doch die schwelenden Konflikte der USA über die Sklavenfrage sind bereits hier deutlich zu spüren.

Wie schon im ersten Band wird Timothy auch hier wieder mit der ebenso schönen wie grausamen Bordellbesitzerin Silky Marsh konfrontiert, die sich wie die Schlange im Paradies um Timothy windet. Nach wie vor hat Silky die Zurückweisung durch Valentine nicht verwunden; sie ist die Nemesis der beiden Wilde-Brüder, die keine Gnade kennt und erneut irgendwie in die Ereignisse verwickelt zu sein scheint.

Eine große Stärke des Romans ist sein perfektes Verhältnis zwischen fesselnder Spannung, Melancholie und leisem Humor, der immer wieder in angemessener Dosierung aufblitzt. Ich-Erzähler Timothy schildert die Geschichte in nüchterner Klarheit, ergänzt durch manch trocken-ironische Bemerkung und traurig-poetische Einflechtungen, die den Leser berühren, ohne ihn in Pathos zu ertränken.

Komplexe Charaktere

Timothy Wilde hat seinen Platz gefunden in der Polizeitruppe. Er erweist sich als guter Ermittler, der moralische Grundsätze verfolgt und von einem hohen Gerechtigkeitssinn getrieben wird. Trotz der bitteren Erfahrungen, die ihn das Leben bislang schon gelehrt hat, muss er allerdings noch lernen, sich in der oft korrupten Welt von Justiz und Polizeiarbeit zurechtzufinden. Mercy Underhill, Timothys Jugendliebe, taucht in diesem Band zwar nicht persönlich auf, spielt aber dennoch indirekt mit und zieht immer wieder seine Gedanken auf sich.

Wie schon im ersten Band fasziniert vor allem der Gegensatz zwischen den beiden Brüdern, die ungleicher kaum sein könnten. Timothy war sechs, Valentine zwölf Jahre alt, als ihre Eltern bei einem Hausbrand ums Leben kamen. Val ist nicht nur Tims großer Bruder, sondern auch sein Lebensretter. Doch für den ruhigen Timothy, der in seiner Freizeit gerne zeichnet und der sich seit dem schweren New Yorker Brand von 1845 für seine Gesichtsnarben schämt, ist es nicht leicht, der kleine Bruder von Valentine Wilde zu sein. Val ist ein trinkfreudiger Frauen- (und gelegentlich auch Männer-)held, der allerlei Kontakte zur zwielichtigen Halbwelt pflegt, sich leidenschaftlich für die Demokraten engagiert und Korruption mitunter nicht abgeneigt ist. Ungeachtet seiner schillernden Fassade besitzt Valentine ein gutes Herz und setzt sich für Schwache und Arme ein, bleibt indessen jedoch unberechenbar. Timothy liebt seinen Bruder, lässt sich von ihm aber auch immer wieder zur Weißglut bringen. Die Hass-Liebe zu Val wird in diesem zweiten Band auf die Spitze getrieben, da sich Timothy für seinen Bruder in große Gefahr begibt; gerade dieser Rollentausch und die emotionale Verwirrung, die sich daraus für Tim ergibt, haben ihren Reiz.

Von den Nebenfiguren fällt vor allem George Higgins auf, ein Mitglied des New Yorker Bürgerschutzkomitees. Higgins ist ein wohlhabender Schwarzer, der aus Timothy zunächst unbekannten Gründen eine besondere Betroffenheit für den Fall mitbringt und ihm anfangs distanziert, beinahe misstrauisch begegnet. Im weiteren Verlauf der Handlung lernen sowohl Timothy als auch der Leser Higgins näher kennen und ganz allmählich entwickelt er sich von einer undurchschaubaren Figur zu einem Sympathieträger, dessen Schicksal sich nachhaltig einprägt. Eine rührende Rolle hat der sechsjährige stumme Schornsteinfegerjunge, den Timothy Jean-Baptiste tauft. Seine erfrischende Begeisterungsfähigkeit trotz seiner elenden Situation geht dem Polizisten zu Herzen und man wünscht dem liebenswerten kleinen Kerl inständig eine positive Wende in seinem Leben.

Nahezu frei von Schwächen

Es ist nicht zwingend notwendig, den Vorgängerband gelesen zu haben. Nach und nach liefert die Autorin die wichtigsten Informationen zu den Charakteren und zu den Ereignissen des vergangenen Jahres, sodass sich auch neue Leser recht schnell zurechtfinden werden. Allerdings geht Faye dabei so weit ins Detail, dass sie entscheidende Entwicklungen und Ergebnisse aus dem ersten Band preisgibt. Wer sich nicht die Spannung verderben will, tut gut daran, sich zunächst den Teufel von New York vorzunehmen - nach der Lektüre der Entführung der Delia Wright ist der Unterhaltungswert des Erstlings aufgrund der vielen Infos erheblich gemindert.

Der historische Hintergrund um die Sklavenfrage mag für in dieser Thematik unbewanderte Leser ein wenig zu kurz gefasst sein. Zweifellos handelt es sich bei dem Werk um einen Historienkrimi, der Kriminalteil überwiegt jedoch gegenüber den Schilderungen der politischen Verhältnisse.

Unterm Strich liegt mit Die Entführung der Delia Wright eine hervorragende Fortsetzung der Reihe um den ersten Ermittler der New Yorker Polizei vor, die erneut die Abgründe New Yorks beleuchtet und facettenreiche Charaktere präsentiert, auf deren Wiedersehen man sich freut. 

Die Entführung der Delia Wright

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