Bella Clara

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • List, 2015, Titel: 'Bella Clara', Originalausgabe

Couch-Wertung:

78
Wertung wird geladen
Rita Dell'Agnese
Nun findet die dritte Freundin ihre Bestimmung

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2015

Die Autorin Petra Durst-Benning hat drei Frauenschicksale ins Zentrum ihrer Jahrhundertwind-Trilogie gestellt. Im Abschlussband geht es nun um Clara Berg, die in Meersburg versucht, das Ende ihrer unglücklichen Ehe mit dem angesehenen Frauenarzt Gropius in Berlin zu verkraften. Um sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen, musste Clara eine Affäre inszenieren. Im Jahr 1906 ist die Scheidung ein Skandal, der sich schnell herum spricht. Trotz aller Bemühungen will es Clara nicht gelingen, in Berlin ein Auskommen als Angestellte einer Apotheke zu finden. Schlimmer noch: Es gelingt Gropius, Clara ihre beiden Kinder zu entziehen und jeden Kontakt zu verhindern. Verzweifelt macht sich Clara auf den Weg zu Lilo an den Bodensee. Die Freundin betreibt dort ein erfolgreiches Hotel und sucht händeringend nach Hilfe. In der lieblichen Bodenseestadt Meersburg kann die unglückliche Berlinerin nicht nur durchatmen, sie findet auch eine Aufgabe, die sie zunehmend in Beschlag nimmt: Sie entwickelt Pflegeprodukte für Frauen. Obwohl sie einige Hürden zu bewältigen hat, kann sie sich damit einen Namen schaffen. Auch ein neuer Mann tritt in ihr Leben und Claras Glück scheint perfekt. Erst nach und nach merkt sie, dass Stefano nicht der Mann ist, für den sie ihn gehalten hat. Clara droht erneut den Boden unter den Füssen zu verlieren.

Vom Mut, sich etwas aufzubauen

Petra Durst-Benning versteht es, Frauenschicksale darzustellen und ihren Protagonistinnen genau die richtige Mischung aus Mut und Zweifeln mitzugeben, um sie glaubwürdig wirken zu lassen. Das ist auch bei Clara Berg der Fall. Die von ihrem Ehemann jahrelang misshandelte und unterdrückte Frau entdeckt nach und nach ihre Stärke, bleibt aber in einigen Belangen die mutlose und verzagte Frau, die sich nach einer starken Schulter sehnt. Sehr eindrücklich beschreibt die Autorin, wie Clara durch ihren wachsenden Erfolg an ihre physischen und psychischen Grenzen kommt. Die Arbeit wächst ihr über den Kopf, allerdings hilft sie ihr auch, zu vergessen. Der Neuanfang am anderen Ende von Deutschland geht zwar etwas gar problemlos vor sich, doch mag man dies der Autorin verzeihen. Sie bemüht den Zufall nicht zu stark, sondern hat schlüssige Erklärungen dafür, wieso sich Clara einige Türen so problemlos öffnen. Leider bleibt jedoch vieles etwas an der Oberfläche, man wünschte sich da und dort mehr Tiefgang bei den Charakteren.

Epoche gut dargestellt

Auf jeden Fall hat Petra Durst-Benning einmal mehr viel Geschick darin bewiesen, die Epoche, in der ihr Roman angesiedelt ist, gut darzustellen. Sie führt die Leserinnen in die feine Gesellschaft ein, die ihre Sommermonate am Bodensee verbrachte und dort ein mondänes Leben führte. Zudem nimmt die Autorin ihr Publikum mit nach Baden-Baden, ebenfalls ein Ort, dem die Schönen und Reichen jener Zeit zugetan sind. Ein Ausflug in die französische Welt des Parfums und einige wenige Szenen aus der ehemaligen Heimat Claras, Berlin, runden das Bild ab. Nach und nach fließen Erklärungen über die Kosmetikbranche ein und gibt es einen Einblick in die gesellschaftlichen Gepflogenheiten mit rauschenden Festen.

Es fließt viel Champagner

Gerade die rauschenden Feste aber bringen auch eine etwas überbetonte Note in den Roman hinein: Den fließenden Champagner. Während der ganzen Geschichte ist immer wieder die Rede vom ausgeschenkten Champagner dies auf eine Weise, die den Verdacht nahe legt, dass hier unbedingt die Verbindung zum zweiten Teil der Jahrhundertwind-Trilogie hergestellt werden sollte. Mit ihren Verweisen auf das Radfahren zeigt die Autorin jedoch, dass das auch etwas dezenter möglich ist. Auch ohne diese stetigen Querverweise wird die Leserin die Trilogie als Gesamtwerk wahrnehmen, auch wenn es ohne weiteres möglich ist, nur einen der Teile zu lesen. Dass mit Claras Schicksal die Trilogie nun zu Ende ist, ist bedauerlich. Die Serie hat viel Potenzial und mit der zweiten Frau Gropius oder den Töchtern von Clara und Josefine gibt es gleich mehrere Frauen, deren Schicksal Stoff für weitere Romane geben könnte.

Die Jahrhundertwind-Trilogie ist eine unterhaltsame Lektüre, die auf eine spielerische Art viel Atmosphäre aus den Jahren um die Jahrhundertwende und die ersten Jahre im 20. Jahrhundert zu bieten hat. Autorin Petra Durst-Benning erweist sich einmal mehr als gute Erzählerin und scharfe Beobachterin.

Bella Clara

Bella Clara

Deine Meinung zu »Bella Clara«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren