Der Tod ist mein Beruf

Erschienen: Januar 1957

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 1952, Titel: 'La mort est mon métier', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Vom Massenmörder aus Gewissenhaftigkeit

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Mär 2015

16. April 1947, im polnischen O[wicim. An diesem Tag wird an einem alten Galgen ein Mann gehängt. Er wurde zum Tode verurteilt für die Taten, die er an eben diesem Ort begangen hatte. Der kleine Ort O[wicim, der ohne die Zeit des Nationalsozialismus, ohne die Shoa, den Holocaust, wohl nie ins Bewusstsein der Menschheit Einzug gehalten hätte, heißt im Deutschen Auschwitz. Der Mann, der im April 1947 gehängt wird, ist der ehemalige Lagerkommandant.

Im Roman ist der Name dieses Mannes Rudolf Lang. Er ist der Ich-Erzähler dieser Geschichte, doch der Leser erblickt nicht das Leben einer fiktiven Figur, sondern das von Rudolf Höß. Robert Merle schreibt unter Verwendung des Fluchtnamens von Rudolf Höß die Lebensgeschichte des Mannes nieder, der Auschwitz zur zentralen und größten Stätte des nationalsozialistischen Massenmordes an den europäischen Juden machte. Er erzählt von einem Leben, das geprägt war von Disziplin, von Fügsamkeit und von Gehorsam. Von Gehorsam, der Rudolf Lange wie geschaffen für diese Aufgabe machte.

Ein Ich-Erzähler, dem man nicht nahe kommen will

Robert Merle, der dieses aufsehenerregende Buch in den 50er Jahren veröffentlichte zu einer Zeit also, als die Aufarbeitung der Gewaltverbrechen der Nazis noch in den Kinderschuhen steckte oder gar nicht stattfand hat sich dafür entschieden, seinen Protagonisten Rudolf Lang als Ich-Erzähler auftreten zu lassen. Er macht ihn nicht nur zur zentralen Figur der Geschichte, er lässt sie ihn erzählen. Das ermöglicht es dem Leser oder zwingt ihn , sich intensiv mit der Psyche dieses Menschen auseinanderzusetzen.

Der Psychologe Gustave Gilbert, der im Rahmen der Nürnberger Prozesse psychologische Untersuchungen durchführte, machte bei diesen auch die Bekanntschaft von Rudolf Höß. Dieser trat als Zeuge in diesen Verfahren auf. Gilbert beschrieb Höß als geduldig, sachlich und leidenschaftslos. Sadistische Neigungen konnte er nicht feststellen, eher fehlendes Einfühlungsvermögen. Eben diese psychischen Komponenten zeigt der Autor dem Leser auf. Damit begegnet der Leser einem Massenmörder, der nicht aus Bosheit oder aus Sadismus mordete, sondern seine Taten alleine damit rechtfertigte, dass sie ihm befohlen wurden. Und auf gewisse Weise ist dies unerträglicher als alles andere.

Ein Roman mit Sogwirkung und beeindruckendem Nachhall

Robert Merle bedient sich einer schnörkellosen, ruhigen Sprache, die zu seinem Protagonisten passt. Lang alias Höß ist niemand, der große Worte macht um Dinge, die mit wenigen Worten gesagt und dann umso versierter getan werden müssen. So sehr der Autor sich in seinem Romanzyklus Fortune de France einer blumigen, farbenfrohen und leidenschaftlichen Sprache bedient, so kalt und nüchtern lässt er hier den Massenmörder Rudolf Höß erzählen.

Der Tod ist mein Beruf ist eine bedrückende Lektüre, eine schwierige Lektüre, die dem Leser einiges abverlangt. Er muss sich mit einem Menschen beschäftigen, für den der Gehorsam von so hoher Bedeutung war, das er zum völligen Fehlen moralischer Wertvorstellungen führte. Es erscheint dem Leser so fremd, so unverständlich, so unglaubwürdig. Und doch ist diese Geschichte bitterste Realität gewesen, vor nicht einmal 80 Jahren. Und das ist letzten Endes wie so oft bei Lektüre mit dieser Thematik das wahrhaft entsetzliche an diesem Roman.

Eine äußerst empfehlenswerte Lektüre, mit der sich jeder beschäftigen sollte, der sich für das Thema interessiert und vielleicht auch jeder andere.

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