Berlin Feuerland

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Blessing, 2015, Titel: 'Berlin Feuerland', Originalausgabe

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Bettina Weiß
Hunger haben sie heute - das Sterben kommt erst später

Buch-Rezension von Bettina Weiß Feb 2015

Berlin, März 1848, das Zeitalter der  Industrialisierung hat begonnen, die Arbeitsverhältnisse haben sich massiv verändert. Die alten Handwerksberufe wie Tischler, Weber, Schlosser haben ausgedient, gebraucht werden wortlose Arbeiter, die sich ausbeuten lassen. Die Arbeit ist hart, schwer und schmutzig, der Lohn zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel. Die Arbeiter beginnen aufzubegehren. In dieser aufgeheizten Stimmung treffen zwei Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Hannes Böhm, ein cleverer Bewohner des Berliner Feuerlandes, benannt nach den rauchenden Schloten der Fabriken, und Alice Gauer, die Tochter des Kastellans des Berliner Stadtschlosses. Hannes arbeitet als Stadtführer für reiche junge Frauen, die sich das Elend der Arbeiter in den Familienhäusern als schauerlichen Zeitvertreib inklusive Bestohlenwerdens anschauen wollen. Alice, die im Stadtschloss mit allem Prunk und Luxus des königlichen Haushalts lebt, ist entsetzt über dieses Elend. Hannes öffnet ihr die Augen und zeigt ihr, dass es im Berlin des Jahres 1848 viele Wirklichkeiten gibt. Die Lage in der Stadt spitzt sich zu, da es viele Vorteile, Positionen und Interessen zu verteidigen gilt. Schon bald werden die ersten Barrikaden gebaut und das Militär wird gegen das eigene Volk geführt. Können die aufkeimenden Gefühle zwischen Hannes und Alice in dieser Situation bestehen?

Feuerland trifft Stadtschloss

Die unterschiedlichen Pole der Stadt werden an den beiden sympathischen Hauptfiguren eindrucksvoll gezeigt: Einerseits Hannes, der im Elend des Feuerlandes aufgewachsen und alle Aspekte der Not am eigenen Leib erfahren hat. Er hat sich mit Phantasie und Gewitztheit eine eigene Nische des Überlebens geschaffen. Auf der anderen Seite Alice, die Tochter des bürgerlichen Kastellans im Stadtschloss zu Berlin, die im Luxus aufgewachsen ist und von einem adligen Premierleutnant umworben wird, ihr Lebensweg scheint vorgezeichnet. Sie freunden sich an und zeigen einander ihre Welt und beginnen das eigene Leben in Frage zu stellen. Dabei erwachsen Gefühle, die für Alices Eltern undenkbar sind. Dies vor dem Hintergrund des wachsenden Zorns der Arbeiter, die sich Freiheiten und Möglichkeiten wünschen und notfalls mit Gewalt erkämpfen wollen.

Streben nach Freiheit trifft auf reaktionäres Festhalten 

Neben den beiden fiktiven Hauptpersonen treten auch reale Persönlichkeiten auf den Plan und machen den Roman dadurch umso authentischer. Neben dem Polizeipräsidenten Julius von Minutoli und General von Pfuehl, die den neuen Gedanken von Freiheit und Demokratie durchaus nahe stehen, obgleich sie dem preußischen König verpflichtet sind, kommen auch Alexander von Humboldt und König Friedrich Wilhelm IV. selbst zu Wort. Letzterer verkennt die Lage seiner Stadt komplett und lässt sich von den Kriegstreibern in den eigenen Reihen schlecht beraten. Aber auch die Revolutionäre sind uneins, mit wie viel Gewalt sie die Freiheitsrechte erkämpfen wollen. Als das Militär auf die eigenen Landsleute schießt, scheint die Lage ausweglos zu werden. 

Beeindruckender Roman

Die Erzählweise des Autors ist mitfühlend, eindrücklich, ruhig aber auch deutlich, wo es notwendig ist. Er zeigt, wie durch Ignoranz, Missverständnisse und Fehleinschätzungen die Tage im März 1848 möglich, aber auch notwendig geworden sind. Die zarte Liebesgeschichte zwischen Alice und Hannes nimmt in dem Roman keinen überragenden Raum ein, sondern wird stimmig in die Schilderung der historischen Ereignisse eingebettet. Der Fokus liegt auf dem Aufstand der Bevölkerung. Abgerundet wird der Roman durch ein ausführliches und sehr informatives Nachwort des Autors, der einzelnen Aspekte des Romans beleuchtet und Hintergrundinformationen liefert.

Insgesamt ein absolut lesenswerter Roman, der in den Bann zieht und ein Stück deutsche Geschichte lebendig macht, die nicht oft Gegenstand der Betrachtung ist. So wird Geschichte greifbar und spannend erzählt. Es ist kein Roman, der nach dem Lesen sofort ins Regal gestellt wird, sondern er macht nachdenklich und lenkt den Blick auf das von den Aufständischen erkämpfte und macht es heute umso wertvoller. 

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