Das Wunder von Frauenchiemsee

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Rosenheimer, 2015, Titel: 'Das Wunder von Frauenchiemsee', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Ein Mittelalterroman fernab jeder Mittelalterromantik

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Feb 2015

Inmitten des malerischen Chiemsees in Bayern steht auf der winzig kleinen Fraueninsel noch heute das Kloster Frauenwörth. In diesem abgeschiedenen Mikrokosmos herrscht im Jahre 1003 die warmherzige Äbtissin Tuta mit weiser Hand über die Nonnen und die dem Kloster zur Erziehung anvertrauten Mädchen. Eine dieser Klosterschülerinnen ist Sophia, Schwester des Markgrafen Heinrich "Hezilo" von Schweinfurt, deren sehnlichster Wunsch es ist, Nonne zu werden. Die klösterliche Idylle wird jäh gestört, als eines Tages Albrecht von Almau, der Bruder Tutas, mit einer Horde Männer vor der Klosterpforte erscheint und unter Androhung, das Kloster ansonsten in Brand zu stecken, die Herausgabe von Sophia verlangt, die ihm von ihrem Bruder Hezilo als Braut versprochen wurde. Um die Mitschwestern zu schützen, willigt Sophia ein. Trotzdem steckt der rachsüchtige Albert das Kloster in Brand.

Während die Nonnen den Flammen wie durch ein Wunder entkommen und ein augenscheinlich vom Himmel geschickter sintflutartiger Regen verhindert, dass das Kloster in Flammen versinkt, gelingt Sophia in dem allgemeinen Durcheinander die Flucht. Kurz danach wird sie von einer italienischen Söldnertruppe aufgegriffen, deren Anführer Azo de Casale fortan über ihr weiteres Schicksal bestimmt und eigene Pläne mit ihr verfolgt. Sophia bleibt nichts anderes übrig als sich zu fügen und während sie mit Azo und seinen Kumpanen den beschwerlichen Weg nach Italien antritt, sieht sich Tuta mit einem weiteren Problem konfrontiert, als Abt Gerhard von Seeon als Abgesandter König Heinrichs II. im Kloster Frauenwörth auftaucht, um im Auftrag des Königs eine Untersuchung über die Einhaltung der Ordensregeln des Heiligen Benedikt durchzuführen. Gleichzeitig soll er die Öffnung des sich im Kloster befindenden Grabes der seligen Irmengard vorbereiten, die in Anwesenheit des Königs stattfinden soll. Mit Tuta und Gerhard treffen zwei starke Charaktere aufeinander, die sich so manches verbale Gefecht liefern, bis sie sich in einer Situation wiederfinden, die beide zum Umdenken zwingt. 

Nah an der Realität

Während die Handlung des Romans hauptsächlich zwischen den beiden Erzählsträngen um Tuta und Sophia wechselt, betritt der Leser auch immer wieder Nebenschauplätze mit den wichtigsten historischen Ereignissen jener Zeit. So nimmt der Leser teil am Aufstand Hezilos gegen König Heinrich II. und wird Zeuge von Heinrichs Italienfeldzug und der Belagerung der Stadt Pavia. Die Autorin verwebt gekonnt Historie und Fiktion und lässt den Leser in eine Welt fernab heutiger Mittelalterromantik eintauchen. 

Das Mittelalter war eine Männerwelt, in der Frauen nicht viel galten und kaum Rechte hatten. Das bekommt hier besonders Sophia zu spüren. Sie kann zwar einer ungewollten Ehe entfliehen, ihr weiteres Schicksal wird aber fortan von ihrem Entführer bestimmt. Sophias Denken und Handeln sind ihrer Zeit und den für eine Frau damals kaum vorhandenen Möglichkeiten geschuldet. So mögen ihre Denkweisen für heutige Leser befremdlich und ihre Entscheidungen schwer nachvollziehbar sein. Um sie zu verstehen, darf man sie nicht aus heutiger Sicht beurteilen, sondern muss sie im Kontext ihrer Zeit sehen. Sophia ist keine taffe, unfehlbare Heldin des 21. Jahrhunderts, die von der Autorin vor eine mittelalterliche Kulisse gestellt wird, sondern sie ist eine Frau ihrer Zeit, für die es in erster Linie ums Überleben geht.

Gelungene Figurenzeichnung

Neben Sophia überzeugen auch die anderen Hauptcharaktere durch ihre Vielschichtigkeit, gleichgültig ob es sich hierbei um fiktive oder historisch belegte Personen handelt. Sie werden von der Autorin nicht in die Schubladen Gut und Böse eingeordnet, sondern jede Figur wird mit Ecken und Kanten gezeichnet, darf der größte Bösewicht auch menschliche Züge haben und der Integre charakterliche Schwächen zeigen. 

Gelungen ist auch die Darstellung König Heinrichs II., der von der Autorin als sehr komplexer Charakter gezeichnet wird und dessen überlieferte Wesenszüge sie in die Romanfigur mit einfließen lässt. Einerseits war Heinrich ein tiefgläubiger Mensch, andererseits aber gnadenlos gegenüber seinen Feinden und für seinen Jähzorn bekannt. Ihm zur Seite steht seine Gattin Kunigunde, deren besonnene und ausgleichende Art der Gegenpol zu Heinrichs Jähzorn ist.

Spiritualität und Heiligenverehrung

Eine nicht unwesentliche Rolle im Roman spielt auch die selige Irmengard. Die Urenkelin Karls des Großen war im 9. Jahrhundert Äbtissin von Frauenwörth und wurde schon früh als Heilige verehrt, ihre offizielle Seligsprechung erfolgte allerdings erst 1928.

Die Erscheinungen der seligen Irmengard und ihr direktes Eingreifen in die persönlichen Schicksale der Protagonisten stehen hier sinnbildlich für die ausgeprägte Spiritualität jener Zeit, in der Religion und Heiligenverehrung eine große Rolle gespielt haben und sogenannte Wunder nicht hinterfragt wurden. Die spirituellen Aspekte der Handlung mögen heutigen Lesern eher suspekt erscheinen, vor allem wenn sie Glaubensdingen eher kritisch gegenüber stehen. Sie sind aber ein Spiegelbild dieser Zeit und geben dem Roman ein hohes Maß an Authentizität.

Das Wunder von Frauenchiemsee ist ein gelungener historischer Roman, der dieses Label auch verdient. Er vermittelt dem geschichtlich interessierten Leser auf spannende und unterhaltsame Weise ein Stück deutscher Geschichte und hebt sich damit aus der breiten Masse historisierender Unterhaltungsliteratur heraus. Das Nachwort der Autorin geht dann abschließend nochmals auf Historie und Fiktion ein. 

Das Wunder von Frauenchiemsee

Das Wunder von Frauenchiemsee

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