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Annette Gloser
Das größte Abenteuer dieser Epoche

Buch-Rezension von Annette Gloser Feb 2015

Das Jahr 1840 führt in Paris drei junge Menschen zusammen: Den preußischen Adeligen Alvin von Briest, den Münchener Paul Baermann und die hübsche Französin Louise Ferrand. Die beiden Deutschen sind auf Einladung des französischen Eisenbahnenthusiasten Stéphane Flachat nach Frankreich gekommen. Stéphane und sein Bruder Eugène träumen davon, die Länder Europas durch die Eisenbahn miteinander zu verbinden und so einen Beitrag zu Frieden und Verständigung zwischen den Völkern zu leisten. Alvin, als preußischer Offizier, träumt vor allem von seiner Karriere und von Louise. Paul teilt den Traum der Brüder Flachat, aber auch er hat sich in Louise verliebt. Und Louise? Sie liebt beide, muss sich aber für einen von ihnen entscheiden.

Recht schnell kehrt Alvin nach Berlin zurück und bemüht sich, für seine Ehe mit Louise eine finanzielle Grundlage zu schaffen. Da er vom väterlichen Vermögen nichts geerbt hat, ist er auf sein Fortkommen beim Militär angewiesen. Wie gut, dass man ihm einen ansprechend dotierten Posten anbietet, auf dem er die Möglichkeiten prüfen soll, welche die Eisenbahn für eine militärische Nutzung bietet. Auch seine Freundschaft zu Otto von Bismarck ist dabei nicht von Schaden. Paul dagegen spürt nach zwei Jahren in Paris immer deutlicher die Abneigung der Franzosen gegen die Deutschen. Darum beschließt er nach dem Tod seines Vaters, nach München zurückzukehren. Dort allerdings will ihn, den Fachmann für Eisenbahnstreckenbau, niemand einstellen. Eine Jugendsünde hat ihn zur persona non grata in Bayern gemacht. Ihm bleibt nur die Möglichkeit, nach Preußen, nach Berlin, zu gehen. Und hier trifft er auch Louise wieder, denn Alvin und Louise heiraten. Niemand von ihnen ahnt, welche dramatischen Jahre ihnen bevor stehen und welchen Weg Deutschland in den nächsten Jahrzehnten gehen wird. Und einer spielt dabei eine ganz besondere Rolle: Otto von Bismarck, Nachbar und Freund der Familie von Briest.

Deutsche Geschichte vom Feinsten

Mit Der Jahrhundertsturm widmet sich Richard Dübell der Entwicklung Deutschlands im 19. Jahrhundert. Dabei nimmt der Bau der Eisenbahn eine besondere Stelle im Roman ein und wird, nicht zu Unrecht, als das größte Abenteuer dieser Epoche bezeichnet. Letztendlich ist dem Autor damit ein Kabinettstückchen geglückt, denn die Industrialisierung, die Beseitigung von Ländergrenzen, die Entwicklung einer völlig neuen Art zu leben, das alles war in Deutschland eng verknüpft mit dem Bau der Eisenbahn. Indem man den Aufbau der Eisenbahn mit verfolgt, erfährt man sehr viel darüber, wie sich das Leben der Menschen ebenso veränderte wie die Politik in Deutschland.

In diesem Rahmen tauchen auch immer wieder andere große Erfindungen des 19. Jahrhunderts auf. Die Geschichte der Protagonisten spiegelt das gesamte Spektrum der Veränderungen wider. Otto von Bismarck gehört dabei nicht zu den Hauptfiguren im Roman, greift aber immer wieder an den entscheidenden Stellen ein und lenkt das Leben seiner Bekannten ebenso, wie er ab 1851 beginnt, die Weichen der preußischen Politik zu stellen. Aus dieser Perspektive erlebt man als Leser seinen Aufstieg und seine Entscheidungen mit. Auch andere wichtige Persönlichkeiten dieser Zeit bekommen in Der Jahrhundertsturm ihre Auftritte, so dass man als Leser viele Informationen erhält, ohne aber dabei das Gefühl zu haben, eine Schulstunde zu absolvieren. Im Gegenteil! Wäre doch Geschichtsunterricht immer so spannend und unterhaltsam wie dieser Roman!

Liebe zu dritt

Die Romanhandlung führt über dreißig Jahre bis zum Epilog im Jahr 1871 und zeichnet dabei nicht nur das Schicksal der Protagonisten nach, sondern auch die Entwicklung Deutschlands vom Flickenteppich der Kleinstaaterei bis zum geeinten Kaiserreich. Richard Dübell bietet dem Leser dabei zwar sehr detaillierte Informationen über die politische Entwicklung, jedoch stehen seine Protagonisten mit ihren Sorgen und ihren Erlebnissen immer im Mittelpunkt des Geschehens. Daraus entwickelt sich ein regelrechtes Epos, voller Spannung und Dramatik, lebendig und packend erzählt. Als Leser findet man schnell den Einstieg in die Geschichte, kann sich von den geschilderten Ereignissen mitreißen lassen und stellt schnell fest, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Der Konflikt, der aus der Tatsache heraus entsteht, dass zwei Männer die gleiche Frau lieben und auch beide von ihr geliebt werden, zieht sich durch die gesamte Romanhandlung bis zum hochexplosiven Schluss. Immer wieder auch bestimmt er das Handeln der drei Hauptfiguren, denen das Kunststück gelingt, trotz der schwierigen Konstellation Freunde zu bleiben. Es ist Richard Dübell gelungen, den Spannungsbogen über mehr als tausend Seiten Romanlänge zu halten. Nur selten flacht er etwas ab, um dann aber sehr schnell wieder anzusteigen und den Leser gefangen zu nehmen. Insbesondere Louise, Paul und Alvin werden sehr intensiv gezeichnet und sind ausgesprochen vielschichtige Charaktere. Aber auch in den Nebenrollen tummeln sich interessante Persönlichkeiten, fiktive ebenso wie historisch belegte. Deutlich ist zu spüren, mit welcher Detailfreude der Autor hier zu Werke ging. Damit ist es ihm gelungen, glaubhafte Protagonisten zu schaffen und selbst die ganz fiesen Gestalten wirken dabei nicht überzogen.

Ein großartiger Roman

Der Jahrhundertsturm hat viel zu bieten: Spannung, lebendig erzählte Geschichte und Protagonisten, mit denen man sich als Leser identifizieren kann. Ein großartiger Roman, der umfassend recherchiert und enthusiastisch erzählt wird. Die wichtigsten Orte der Handlung findet man auf einer Karte auf der hinteren Umschlagseite, dazu kommt ein ausführliches Nachwort des Autors, in welchem auch einige wichtige Fakten noch einmal kurz beleuchtet werden. Der Ullstein Verlag ist offenbar mit diesem Roman sehr sorgsam umgegangen, dafür spricht auch das Cover, welches nicht nur zur Romanhandlung passt, sondern auch die Phantasie des Betrachters anregt. Alles in allem ein Roman, den man nur empfehlen kann und mit dem vor allem jene Leser Freude haben werden, die sich für die Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert interessieren.

Der Jahrhundertsturm

Der Jahrhundertsturm

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Letzte Kommentare:
22.06.2018 16:20:48
Venatrix

Richard Dübell siedelt seinen opulenten historischen Roman im Zeitalter des Eisenbahnbaus an. Er verknüpft geschickt die Schicksale mehrerer Menschen wie die Schienenstränge.

Da ist zum einen der pflichtbewußte Alvin von Briest, zweitgeborener Sohn eines preußischen Junkers, der aus mangel an Alternativen zum Militär geht und dort auf den jungen Otto voon Bismarck trifft. Zum anderen treffen wir auf die Geschwister Baermann. Auch Paul ist ein Zweitgeborener. Doch im Gegensatz zu Alvin, wird er dem älteren Kind vorgezogen, weil Lily ja NUR eine Frau ist. Diese Benachteiligung lässt jahrelang Hass und Wut in Lily aufbauen, der sich, nach einer Kränkung durch Otto von Bismarck, den sie durch Alvin kennenlernt, letztlich katastrophal entlädt.

Dann haben wir noch Louise, eine hübsche Französin, die mit ihrer Mutter in Armut in Paris lebt. Alvin und Paul lernen Louise kennen und lieben. Louise heiratet Alvin und kommt dennoch nicht von Paul los.

Rund um diese dramatische Dreeicksgeschichte webt Richard Dübell die politischen Ränkespiele Ottos.

Obwohl das Buch mit 1.056 Seiten zu den opulenten seines Genres zählt, wird dem Leser niemals langweilig. Dazu ist es viel zu spannend.

Über einene Zeitraum von mehr als 30 Jahren begleiten wir die Protagonniasten. Wir nehmen Anteil an der bedrückenden Hoffnungslosigkeit der Arbeiter, die in den Fabriken schuften. Wir erklettern mit ihnen die Barrikaden in Berlin. Wir werden in das Schlachtgetümmel verschiedner Kriege, die Otto von Bismarck vom Zaun bricht, verwickelt. Immer verknüpft durch das Schienennetz, das die Stäste innerhalb Europas verbindet. Wir nehmen teil an der rasanten technischen Entwicklung.

Viele interessante Episoden sind, wie der Autor im Nachwort berichtet, "vom Tisch gefallen". Es gäbe noch viel mehr aus dem 19. Jahrhundert zu erzählen.

Fazit:

Wer sich gerne mit längst vergangenen Zeiten beschäftigt und die Länge des Buches nicht scheut, ist hier bestens aufgehoben. Ich freue mich schon auf den Nachfolger "Jahrhunderttraum". Gerne vergebe ich fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

29.08.2016 13:29:56
Hannes

Nachdem meine Vorkommentatoren alle eine Inhaltsangabe zusätzlich zur Rezension abgegeben haben, verzichte ich darauf.
Der Roman -ein etwas anderer Dübell- besticht einmal durch die bisher nicht dübellartige Zeit des Geschehens, sondern auch durch die Art, den großen Bismarck einmal anders darzustellen. Die Kriminalhandlung erscheint mir manchmal zu sehr konstruiert, der geschichliche Ablauf aber wiederum großartig recherchiert, egal, ob es das technische Zeitalter betrifft, oder die Politik. Als Jugendlicher hatte ich nie begriffen, was die Emser Depesche aussagte. Später habe ich den Begriff aus den Augen verloren. Jetzt bin ich wieder darauf gestoßen worden und kann nur die bismarcksche Schlitzohrigkeit bewundern.

17.07.2016 19:41:19
speedy208

...die Bismarck-Ära faszinierend, aber es ist schwierig, eine plausible Story darumherum zu kreieren... Der Spin-off dazu, der "Jahrhundertwinter" ist/war ein Spoiler, erfährt man doch im Klappentext, wie's weitergeht... Schade. Aber noch eins: Vielleicht bin ich altmodisch - ich habe den gleichen Jahrhundert wie der Autor Richard Dübell - , aber ein historischer Roman sollte nicht "modern" daherkommen. Allein das schon, also die Sprache, ist ein Spoiler.
Als ich den Klappentext las, kam mir "Jauche und Levkojen" in den Sinn, also "Nirgendwo ist Pönichen", aus den 1970ern, wurde ja auch verfilmt... Leider artete der "Sturm" nicht so emotional aus. Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen. Was mir aber noch auffiel, ist, dass der "Sturm" einem das Gefühl gibt, als befände er sich auf der Histo-Autobahn, ohne Geschwindigkeitsbeschränkung. Nicht einmal bei den Reitszenen kann der Leser entspannen oder am Kamin. Dieser Schinken von Story ist zu langfädelig, verschwindet irgendwie im Nebel, kommt's mir vor. Wenn ich das mit Micheners "Colorado" oder ähnlichem vergleiche, dann frage ich mich, wie um Gottes Willen, so eine ärmliche Handlung auf so vielen Seiten Platz finden kann. Aber am meisten habe ich mich eben über die "moderne" Sprache.

17.07.2016 19:27:19
speedy208

Zunächst wurde ich von der Bismarck-Ära angezogen, dann vom Umfang abgeschreckt. Die Story fand ich gut konstruiert, aber irgendwie schimmerte da die Neuzeit durch. Die handelnden Personen schienen mir etwas zu wenig Fleisch am Knochen zu haben, also ohne prägnantes Profil. Das schreibe ich dem Umstand zu, dass offensichtlich männliche Autoren technikorientiert bzw. - verliebt sind, und den Figuren weniger Bedeutung beimessen. Mag sein, dass das Zufall ist, mag sein, dass nur ich so empfinde. Ich finde die Bismarck-Ä

20.01.2016 11:28:37
Lerchie

Alvin von Briest muss nach dem Tod seines Vaters erkennen, dass dieser alles seinem älteren Bruder Levin vermacht hat. Er selbst bekommt nichts! Und das obwohl das Erbe aus zwei Gütern besteht. Natürlich ist er enttäuscht, denn jetzt ist er auf die Gnade seines Bruders angewiesen oder er muss zum Militär gehen, wie ihm Otto von Bismarck den er zufällig trifft, sagt.
Paul Baermann will bei Stevenson in England eine Ausbildung beginnen. Seine Eltern haben alles was sie hatten für ihn zusammengekratzt und sogar noch ein Darlehen aufgenommen, damit er diese Stelle bekäme. Doch Paul will bei einem Abstecher nach Nürnberg den ‚Adler‘ sehen, jene legendäre Lok, die die Strecke von Nürnberg nach Fürth gefahren ist. Doch in Nürnberg ist schon Feierabend. Was soll er tun? Da ihm seine Zeit nicht reicht um bis zum nächsten Tag zu warten, versucht er über das Tor zu klettern. Das endet in einer Katastrophe…
Lily Baermann ist Pauls Schwester und wütend, weil ihr Erbteil für Pauls Leichtsinn draufgegangen ist. Sie hasst ihrem Bruder, weil er immer an erster Stelle stand. Und sie will ihn dafür Büßen lassen…
Louise Ferrand wohnt mit ihrer Mutter in Paris. Ihr Vater hat alles verspielt und nun versucht ihre Mutter sich und ihre Tochter von einem Adligen aushalten zu lassen. Es geht auch einige Zeit gut, bis Louise mit ansehen muss, wie dieser ihre Mutter verlässt. Zwar gibt er ihr noch Geld, mit dem sie ein paar Monate überleben können, aber was dann. Louise lernt Pierre kennen und denkt er meint es ehrlich mit ihr…. Und dann retten zwei Deutsche, zwei Alboche wie sie in Frankreich genannt werden, Louise aus Pierres Händen: Alvin von Briest und Paul Baermann. Beide verlieben sich in das Mädchen, und das Louise verliebt sich in beide! Paul beschützt sie, denn er arbeitet in Paris bei einem Eisenbahnbauer, Alvin muss zurück nach Berlin und hofft, Louise bald nachholen zu können. Zwar wissen das beide, Louise und Paul und doch schlafen sie miteinander…
Paul erhält aufgrund der Ereignisser in Nürnberg in Bayern keine Anstellung und zieht nach Berlin, wo Alvin seinen Freund bittet, sein Trauzeuge zu sein. Die beiden halten es nicht aus, und schlafen nochmal miteinander in der Nacht vor der Hochzeit Louises mit Alvin…
Es geht in diesem Buch um die Liebe der drei Menschen, aber auch um Otto von Bismarck wie er zu dem geworden ist, der er letztendlich war. Und um die Kriege, die in der Zeit von 1840 – 1871 stattfanden. Und natürlich um die Beteiligung Alvins und Pauls an denselben.
Wer wissen will, ob Alvin je herausgefunden hat, dass Louise etwas mit Paul hatte, was Lilly getan hat um ihrem Bruder zu töten und wer letztendlich das ganze Drama überlebt hat, sollte dieses Buch lesen.
Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen. Zu Anfang war es etwas langatmig, bis dann endlich etwas Schwung hineinkam. Es war durchaus auch am Anfang interessant, aber halt ein bisschen gezogen. Aber trotzdem kam ich sofort in die Geschichte hinein konnte mich in die Protagonisten hineinversetzen. Ich konnte Lilys Wut verstehen, allerdings nicht ihre Wut auf ihren Bruder, denn der konnte schließlich am wenigsten dafür, dass eine Eltern ihn vorzogen. Doch damals hatten halt Frauen noch nichts oder nur wenig zu sagen. Und dann kam die Spannung auf, und sie blieb bis zum Ende des Buches. Auf jeden Fall hat es mich gefesselt und ich konnte mich fast nicht davon lösen, musste weiterlesen, wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht. Es hat mir, trotz des etwas schleichenden Anfangs sehr gut gefallen und es war mir ein Vergnügen, es zu lesen.

26.08.2015 21:21:52
Jana68

Mit diesem sehr gut recherchierten Buch "Der Jahrhundertsturm" bringt uns Richard Dübell das 19. Jahrhundert vornehmlich aus preußischem Blickwinkel nahe. Wir haben es nicht nur mit politischen Umwälzungen im Herzen Europas und der Wegbereitung zur Gründung des Deutschen Reiches zu tun, sondern auch mit einer Art technischer Revolution, die hier vornehmlich mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und dem Lokomotiven-Bau sowie der Telegrafie beschrieben wird. Das Ringen zwischen technischem Fortschritt zum Wohle der Menschen und dem Einsatz dieser Technik für militärische Zwecke spielt eine wichtige Rolle.
Die Hauptprotagonisten sind 4 junge Menschen, deren Wege sich zufällig kreuzen und die einen gemeinsamen Bekannten haben - Otto von Bismarck.
Da wäre zunächst der lebenshungrige und Lokomotiven-begeisterte Paul. Er verkörpert den klassischen Ingenieur - genial bei der Arbeit aber recht chaotisch im täglichen Leben. In seinem jugendlichen Übereifer "verspielt" er das ohnehin nicht üppige Vermögen seiner Eltern und verbaut damit gewissermaßen seiner Schwester Lily die Zukunft. Die sieht sich selbst als Daueropfer ihres Umfeldes und will Rache. Dieses Ansinnen radikalisiert sich zunehmend und wird hochgradig (selbst-)zerstörerisch.
Und da ist Alvin, zweiter Sohn des Gutsbesitzers von Briest, der nach dem Tod seines Vaters ohne jeden Penny dasteht, da das gesamte Erbe an seinen Bruder geht. Die einzige Möglichkeit, die sich ihm bietet, ist das Militär. Alvin ist der preußisch-korrekte und sehr pflichtbewusste Typ.
Die vierte im Reigen ist Louise, eine junge Französin, die nach dem Selbstmord ihres Vaters ebenfalls völlig mittellos ist und in die Fänge eines Verbrechers gerät, aus dem Alvin und Paul sie befreien. Es entwickelt sich eine klassische Dreiecksbeziehung, zwischen ihr, Alvin und Paul, deren Freundschaft dadurch auf eine sehr harte Probe gestellt wird.
Auf all ihren Wegen quer durch Deutschland und nach Frankreich begegnen wir vielen historisch belegten Personen und dürfen immer mal wieder auch hinter die Kulissen der politischen Bühne Preußens schauen, deren cleverster und herausragendster Darsteller Otto von Bismarck ist. So wie Bismarck "im Kleinen" die Lebenswege der Protagonisten beeinflusst, so lenkt er auch die Geschicke des zersplitterten Deutschlands hin zur Einigung mit der Gründung des Deutschen Reiches.
Wir erleben also in der Tat einen Jahrhundertsturm - es hätte kaum einen besseren Titel für dieses Buch geben können. Kurzweilig, spannend und nicht nur emotionsGELADEN ist dieses Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle.

24.07.2015 09:15:37
Gelinde

Der Jahrhundertsturm, von Richard Dübell

Cover:
Ein sehr schönes Titelbild.
Die in sepia gehaltenen Farbtöne und die Dampflock in der Winterlandschaft, lassen schon erahnen, dass es um eine melodramatische, historische Geschichte geht.

Inhalt:
Das Buch spannt seinen Bogen von 1840 bis 1871.
Es beginnt im Deutschland das im Umbruch begriffen ist. Eine Generation zwischen Technik und Tradition wächst heran.
Die Gegensätze werden deutlich im Leben von Alvin von Briest, einem preußischen Junker und Paul Baermann, einem Mann aus dem Volk der sich dem technischen Fortschritt verschrieben hat.
Das Schicksal führt beide zusammen und lässt sie zu allerbesten Freunden werden.
Dann kommt noch Loise Ferrand ins Spiel, eine junge Französin, die aus guten Verhältnissen stammt und doch ganz tief fällt.
Und wieder greift das Schicksal ein. Alvin und Paul sind dazu bestimmt Louise vor einem noch schlimmeren Leben zu retten. Und beide verlieben sich rettungslos in sie und auch Louise verliebt sich in beide und ihr Herz kann sich für keinen von beiden entscheiden.
Und das in einer Zeit in der Frankreich und Preußen auf einen Krieg zusteuern.
Dann kommt noch Lily ins Spiel. Pauls Schwester, die ihren Bruder insgeheim hasst und für alle ihre Probleme verantwortlich macht. Als sie sich in Otto von Bismark verliebt und von diesem fallen gelassen wird, macht sie eine Kehrtwende und wird zum „Schreckgespenst“.

Meine Meinung.
Richard Dübel brilliert hier wieder mit seiner wunderbaren Schreibweise.
Sehr gekonnt werden die Lebensläufe sehr unterschiedlicher Personen (Gesellschaftsstand, Nationalität etc.) zusammengeführt, kreuzen sich, entwirren sich, entfernen sich wieder um dann doch wieder zusammen zu kommen. Das Schicksal schlägt wundersame Kapriolen.
Es werden sehr geschickt Sympathien und Antipathien aufgebaut.
Ich kann mit den Protagonisten leben, leiden, hoffen und bangen.
Die Worte sind sehr bewusst gesetzt und machen die jeweilige Kulisse ganz exakt in meinem Kopf greifbar und nah, auch die Geräusche und Empfindungen die in der Luft liegen. Sei es beim Spaziergang an der Seine in Paris, oder bei dem beklemmenden Moment (Angst) auf dem Alexanderplatz in Berlin, kurz bevor die Soldaten den Aufstand niederschlagen.
Sehr gekonnt sind immer mal wieder die entsprechenden Dialekte eingebaut, die das ganze so authentisch machen.
Im Buch werden alle Emotionen bedient. Es geht um Liebe und Freundschaft, um Intrigen und Manipulationen, um Krieg und Revolution, um Fortschritt und Technik.
Das Ganze ist so spannend geschrieben, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Trotz der vielen Seiten tritt zu keinem Augenblick Langeweile auf, der Spannungsbogen bleibt von der ersten bis zur letzen Seite konstant.

Autor:
Richard Dübell, geboren 1962, lebt mit seiner Familie bei Landshut.
Als Autor von historischen Romanen stürmt er seit Jahren die Bestsellerlisten und legt nun mit -Der Jahrhundertsturm- einen großes Epos zur deutschen Geschichte im neunzehnten Jahrhundert vor.

Mein Fazit:
Ich habe jede der rund 1000 Seiten genossen. Dieses Buch ist ein echter Pageturner. Von mir 5 Sterne und eine absolute Kaufempfehlung.

10.03.2015 18:55:06
€nigma

Zum Inhalt
Die untereinander verbundenen Lebenswege der drei Protagonisten spielen sich vor dem Hintergrund bedeutender politischer und technischer Entwicklungen des 19.Jahrhunderts ab.
Alvin von Briest, der als jüngerer Sohn eines traditionsbewussten preußischen Junkers bei dessen Tod leer ausgegangen ist, während sein Bruder das Gut geerbt hat, geht zum Militär, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zu diesem Schritt ermutigt ihn kein Geringerer als Otto von Bismarck, der - von einem benachbarten preußischen Gut stammend - in einer ähnlichen Lage ist wie Alvin.
Paul Baermann, ein junger Münchner aus einfachen Verhältnissen, ist von der Erfindung der Eisenbahn fasziniert, sein Lebenstraum ist es, in Nürnberg die "Adler" (erste in Deutschland verkehrende Dampflokomotive) zu sehen und dann bei Robert Stephenson eine Ausbildung zum Ingenieur zu machen. Durch Leichtsinn und Pech "verspielt" er das Geld, das seine Eltern eigentlich als Mitgift für seine Schwester Lily vorgesehen haben. Lily entwickelt einen mörderischen und lebenslangen Hass auf den ihr gegenüber stets bevorzugten Bruder.
Louise Ferrand ist in Not geraten, als ihre verwitwete Mutter Amélie von dem Mann, der sie als Geliebte ausgehalten hatte, verlassen wird. In den Slums von Paris kämpfen die Frauen um das Überleben, als Louise Alvin und Paul trifft, die einander erst vor Kurzem begegnet sind und die es entgegen ihrer vorherigen Pläne nach Paris verschlagen hat.
Beide Männer verlieben sich in Louise, auch sie liebt beide Männer. Obwohl sie Alvin heiratet, bleibt sie auch Paul verbunden. Über drei Jahrzehnte hinweg kreuzen sich die Lebenswege der drei Hauptfiguren immer wieder, auch Otto von Bismarck, der Alvin freundschaftlich verbunden bleibt, tritt immer wieder in Erscheinung und nimmt wesentlichen Einfluss auf Alvins Lebensweg...

Beurteilung
Repräsentiert von den zwei Handlungssträngen um Alvin von Briest und seinen Freund Otto von Bismarck einerseits und Paul Baermann andererseits entrollt sich vor dem Leser ein großartiges Panoramabild des 19.Jahrhunderts. Man erlebt den Verlauf der Karriere Bismarcks vom unbekannten Gutsherrensohn bis zum Kanzler und "Schöpfer" des Deutschen Reichs, in diesem Teil des Romans über die politische Geschichte Deutschlands lässt der Autor bedeutsame geschichtliche Ereignisse (Barrikadenkämpfe in Berlin 1848, Dänenkrieg, Schlacht bei Königgrätz, Deutsch-Französischer Krieg ) in anschaulicher Weise aufleben.
Der zweite Handlungsstrang, präsentiert anhand der Berufslaufbahn des technikbegeisterten Paul Baermann, geht detailliert auf die technischen Neuerungen der Epoche ein und zeigt auf, wie diese Neuerungen auch politischen Zielen (Truppentransporte per Eisenbahn, Kommunikation im Kriegsfall über Telegraphen etc.) dienen können. Auch hier zeichnet sich der Roman durch gründlichste Recherche aus, so wird z.B. das Eisenbahnunglück von Avenwedde vom 21. Januar 1851 detailliert und anschaulich geschildert.
Louise pendelt sozusagen zwischen den beiden Welten und versucht, sich ein eigenes Betätigungsfeld aufzubauen, so ist sie maßgeblich mit der Versorgung verwundeter Soldaten (als Delegierte des Roten Kreuzes) befasst.
Der Schreibstil ist lebendig und anschaulich, durch die Umtriebe der hasserfüllten Lily Baermann und eines früheren kleinkriminellen Liebhabers von Louise ist für reichlich Spannung gesorgt. Lediglich die Liebesbeziehung - die beiden Männer akzeptieren es, Louise quasi abschnittsweise zu "teilen" - ist etwas zu sehr im Vordergrund des Geschehens angelegt, ein solches Arrangement wirkt angesichts der geschilderten Epoche und des preußischen Ehrverständnisses nicht sehr glaubwürdig. Auch die Gefühlslage der Männer scheint in ihrer Sentimentalität etwas überzeichnet.
Die Charakterisierung Bismarcks ist umso gelungener, er wird als Egozentriker, aber auch als Visionär dargestellt, eine widersprüchliche und wohl auch die interessanteste Figur in diesem Roman.
In einem ausführlichen Nachwort erläutert der Autor Hintergründe zu geschichtlichen Fakten, eine Landkarte Deutschlands und Frankreichs im vorderen und hinteren Einband erleichtert dem Leser die Orientierung.

Fazit
Ein fesselnder historischer Roman, der Lesern mit Interesse für die Geschichte des 19. Jahrhunderts im Allgemeinen und Preußen / Bismarck im Besonderen uneingeschränkt zu empfehlen ist!

12.02.2015 12:05:41
-LENA-

Deutschland im Umbruch.Eine Gneration zwischen Technik und Tradition. Drei junge Menschen, die in einem Jahrhundert voller Gegensätze ihren Weg finden müssen.
Alvin von Briest , Junker und Preuße, schlägt die Militärlaufbahn auf Vorschlag Bismarcks ein, nachdem er im Testament seines Vaters nicht berücksichtigt wurde. Er versucht das jeweils beste aus der Situation zu erreichen, lange fragt sich der Leser,ob er die offensichtlichen Verhältnisse bemerkt.
Paul Baermann aus München ist ein Anhänger der neuen Technik und begeistert sich für die Welt der Eisenbahn. Seine Träume für die zivile Nutzung der neuen Technologien zerplatzen, als diese auch für das Militär bedeutend werden.
Beide treffen in Berlin aufeinander,sie werden Freunde.Bei einem Aufenthalt in Paris lernen beide Louise kennen und verlieben sich in sie.
Louise Ferrands Leben hat sich komplett gedreht, sie versucht der Armut zu entkommen und heiratet Alvin, fühlt sich zu beiden Männern hingezogen. Ihr Leben in Preußen gestaltet sich nicht einfach, diese Situation ist gut vorstellbar.
Lilly,Schwester Pauls,fühlt sich benachteiligt,ist unzufrieden, geht einen anderen Weg und möchte für diese Ungerechtigkeit Rache nehmen.
Diese unterschiedlichen Beziehungen begleiten den Leser bis zum furiosen Finale.
Otto von Bismarck mit allen seinen Eigenheiten ist treffend beschrieben, er zieht seine Fäden in der Politik mit diversen Mitteln, seine Frau wird sehr unfreundlich dargestellt.
Ein Roman, der mit spitzfindigen Dialogen; Unterhaltungen, die den Leser zum schmunzeln bringen angenehme Lesestunden bereitet. Manche Wörter, wie „ausgebrannt“ und „Papa“ lassen einen stutzen.
Die zackigen Gespräche der Militärs,sowie der Junker sind der damaligen Zeit angepasst.
Das politische und soziale Leben,die Unterschiede der Bevölkerungsschichten, die rasante industrielle Entwicklung werden sehr detailliert beschrieben.Man lernt die die Anfänge vieler bis heute bekannter Firmen kennen, erlebt den Barrikadenbau bei der Märzrevolution,die Schlacht bei Königsgrätz,den deutsch-französischen Krieg,der zur Gründung des deutschen Kaiserreiches führte.

Das passende Cover, eine Karte auf der Innenseite und ein Nachwort des Autors runden den Roman ab..
Ein facetttenreicher,unterhaltsamer Roman,der dem Leser das Geschehen der damaligen Zeit sehr gut vermittelt und den man nur empfehlen kann.