Kieler Schatten

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2015, Titel: 'Kieler Schatten', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Historisch sehr interessant

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2015

1909: Josef Rosenbaum wurde aus Berlin zwangsversetzt und soll in Kiel die Arbeit der Kriminalpolizei aufbauen. Kaum in der selbsternannten Großstadt an der Ostsee angekommen, meldet ein Bürger, dass er nachts Schüsse auf dem Gelände der Germaniawerft gehört habe. Rosenbaum und seine Mitarbeiter Steffen und Gerlach fragen nach, aber angeblich sei nur der Kranführer Hermann Fricke von seinem Arbeitsgerät gestürzt und dabei tödlich verunglückt. Vor Ort ergibt sich jedoch ein anderes Bild, denn zahlreiche Blutspuren deuten auf eine Auseinandersetzung hin, so dass Rosenbaum die Obduktion der Leiche beantragt. Dabei stellt sich heraus, dass Fricke erschossen wurde. Gleich mehrere Menschen in Frickes Umfeld hatten ein Motiv, denn er hehlte mit heißen Waren und nahm es mit der ehelichen Treue nicht immer genau.

 

Aber Schwangerschaftsabbruch war streng verboten und unter schwere Strafe gestellt, Zuchthaus bis zu fünf Jahren, ohne dass irgendjemand einen Antrag stellen musste. Die Kirche wollte nicht, dass ihr ein Schäfchen genommen, und der Kaiser wollte nicht, dass ihm ein potentieller Soldat genommen wurde.

 

In der nichtstaatlichen Germaniawerft werden neben zivilen Schiffen vor allem Unterseeboote hergestellt, während direkt nebenan in der Kaiserlichen Werft große Kreuzer und Schlachtschiffe errichtet werden. Zwar sind die Unterseeboote und deren Bedeutung für einen möglichen militärischen Einsatz umstritten, aber die dort entwickelte Torpedotechnik lockt vor allem englische Spione an&

Das Wettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg deutet sich an

Kay Jacobs Kieler Schatten besteht aus drei Erzählsträngen. Neben den Ermittlungen von Rosenbaum gibt der Autor sehr interessante historische Einblicke. Hinzu kommt, dass ein Commander der Royal Navy dem britischen Secret Service Bureau (SSB) die Ereignisse jener Nacht, in der Fricke starb, erzählt; gleiches gilt für einen Mitarbeiter des Marinenachrichtendienstes (MND), der der Abteilung IIIb des Großen Generalstabes in Berlin berichten muss. So laufen die Ermittlungen respektive Erzählungen von Rosenbaum, dem SSB und dem MND parallel und ergeben abschließend ein finales Bild mit einer höchst gelungen Überraschung. Da sowohl der SSB wie auch der MND für ihre Spione und Gegenspione jeweils mit Decknamen arbeiten, muss man allerdings aufmerksam lesen, um die Namen letztlich miteinander vergleichen zu können (wobei deren Identität natürlich auch ein Teil der Auflösung ist).

 

Die Forelle war ein grandioses Boot, wohl das beste Unterseeboot, das es zu jenem Zeitpunkt gab das weltweit erste Unterseeboot, das für militärische Zwecke wirklich tauglich war. Und jetzt raten Sie mal, was damit passiert ist?

Es sank?

Es wurde nach Russland verkauft, weil die Kaiserliche Marine sich dafür nicht interessiert hatte.

 

Die Ermittlungen von Rosenbaum sind anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, was dem Schreibstil des Autors geschuldet ist. Während Rosenbaum teilweise als Kriminaler mit philosophischen Qualitäten auftritt, erweckt vor allem sein Mitarbeiter Steffen zeitweise den Eindruck, als hätte er das Gehirn eines Dreijährigen. Entsprechend kindisch sind manche Dialoge, und einige ermittlerische Slapstick-Einlagen sind sicher auch nicht jedermanns Geschmack, was ebenso auf den Ausgang des Romans zutreffen dürfte. Wie allerdings die drei Handlungsstränge (Ermittlungen Rosenbaum, Erzählungen SSB und MND) letztlich aufeinandertreffen ist großes Kino.

 

Lässt sich etwas über die Schussdistanz sagen?

Die Schussdistanz?

Ja, wie weit war die Waffe vom Opfer entfernt? Das nennt man Schussdistanz. Wenn die Entfernung gering war, kann der Täter nicht vom Erdboden aus geschossen haben, während Fricke auf dem Kran stand. Wäre doch interessant zu erfahren?

Ja. Das weiß ich nicht.

Wann war der Todeszeitpunkt?

Davon hat der Professor nichts gesagt.

Wäre aber auch interessant zu erfahren, ob es direkt nach Feierabend war oder später, nicht?

Ja. Aber wie soll man das feststellen?

Zum Beispiel, indem man ein Thermometer in den Hintern schiebt. Der Professor wirds wissen.

 

Lesenswert ist Kieler Schatten vor allem wegen seines historischen Themas. Der Stützpunkt der Kriegsmarine wurde von Danzig nach Kiel verlegt, da dort die Schiffe geschützter sind und sich vor allem über den Kaiser-Wilhelm-Kanal schneller mit dem in Wilhelmshaven stationierten Geschwader vereinen können. Dies und vor allem die deutsche Torpedotechnologie rufen das Interesse des britischen Geheimdienstes hervor und beschreibt die Vorgeschichte des Aufrüstens im Vorfeld des Ersten Weltkrieges. Die historischen Ereignisse werden umfangreich dargestellt,  die Feinheiten bei der Entwicklung von Unterseebooten sowie der Torpedotechnik sind selbst für Laien verständlich. Nach Kieler Schatten empfiehlt sich die Lektüre des ausgezeichneten Romans Verdammte Deutsche von Gerhard Seyfried, der das maritime Wettrüsten unmittelbar vor Kriegsausbruch beleuchtet.

Kieler Schatten

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Letzte Kommentare:
01.06.2016 18:59:40
Verena Merken

Großartiger Krimi! Hintergründig, philosophisch, augenzwinkernd und vor allem mit überzeugenden Charakteren. Die historisch-politische Dimension und die technischen Ausführungen, was an diesem Roman wohl am meisten gelobt wird, waren nicht so mein Ding (die Geschmäcker sind eben verschieden). Aber der bombastische Showdown tröstet über einige Längen hinweg.

22.11.2015 17:30:09
Bernd Lüking

Krimis leben von Tempo und Spannung, hiervon ist nach 110 Seiten noch nicht viel zu spüren. Es wird viel zuviel philospohiert und auch der Bezug zu Ereignissen in der Zukunft
( Anspielung auf den Klimawandel, etc. ) nervt.
Der Humor ist eher gewöhnungsbedürftig, ebenso wie die '' spaßige '' Namensgebung für einige der auftretenden Personen ( Invest ?? )

28.05.2015 23:24:16
Julia Berenges

ich fand den Mix aus mysteriösem Spionagekrimi einerseits und politischer und technischer Geschichtsdarstellung wirklich gelungen. Allenfalls die geistig leicht zurückgebliebenen Kriminalassistenten nerven manchmal. Natürlich braucht ein genialer Protagonist dümmliche Nebenfiguren, um besser strahlen zu können, aber hier hat der Autor etwas übertrieben.

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