Sei ganz still

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2015, Titel: 'Sei ganz still', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
Wertung wird geladen
Jörg Kijanski
Ein Noir-Krimi, der dem Genre zur Ehre gereicht

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2015

Oberwachtmeister Friedrich Wolf war der beste Ermittler der Düsseldorfer Polizei, fiel jedoch durch seinen zweifelhaften Lebenswandel in Ungnade und landete im Strafgefangenenlager Aschendorfermoor. Sechs Monate ist er nun bereits dort und vom harten Arbeitsalltag sowie den Schikanen der mitunter sadistisch veranlagten Wärter gezeichnet. Überraschend erhält er eines Tages Besuch von SS-Arzt Ernst Kampa, der ihm ein Angebot macht, welches Wolf nicht ausschlagen kann. Kampas Verlobte Charlotte soll bei einem Brandunfall ums Leben gekommen sein, doch nachdem die auffällige Rothaarige angeblich im Düsseldorfer Rotlichtmilieu gesehen wurde, kommen Kampa Zweifel und so lässt er ihr vermeintliches Grab öffnen. Darin befindet sich zwar ein verkohlter Leichnam, der aber erkennbar zu einer Greisin gehört. Wolf soll in sein altes Revier zurück und Charlotte finden, im Gegenzug winken Freiheit und Geld. Wolf hat keine Wahl, dafür aber schon bald jede Menge Ärger am Hals&

Interessanter Plot mit überraschenden Wendungen

Nach Wunderwaffe und Uranprojekt erscheint mit Sei ganz still bereits der dritte zeithistorische Krimi des jungen und arbeitseifrigen Autors Sebastian Thiel. Mit dem bösen Wolf wird eine zwielichtige Hauptfigur ins Rennen geschickt, denn sein Leben besteht aus Alkohol, Schlägereien und Huren und so führt ihn sein erster Weg in der neu gefundenen Freiheit auch gleich zu seiner geliebten Helene, einer Hure, die inzwischen zur Puffmutter aufgestiegen ist. Diese bittet er, sich nach Charlotte umzusehen, was prompt zu gewaltigem Ärger führt. So gibt es ein Wiedersehen mit einem der großen Gegenspieler Helenes und mit Major Fritsch, dem einstigen Vorgesetzten von Wolf, dem dieser seinen Lageraufenthalt zu verdanken hat. In Zeiten, wo menschliches Mitgefühl ohnehin nicht viel zählt, ist Gewalt offenbar keine Schande.

 

Fritsches Gelenke knackten, er hob die Hände zum Faustkampf. "Dann zeigen Sie mal, was Sie drauf haben!"

Wolf nickte, zog seine Pistole. "Sie waren ein großartiger Lehrer."

Zwei Schüsse krachten im Raum. Sofort sackte Fritsch zusammen und hielt sich den Oberschenkel. Kein Schrei, kein Wehklagen, nur seine gepresste Atmung erfüllte den Raum.

"Sie haben mir beigebracht, dass man einer Prügelei immer aus dem Weg gehen sollte, wenn es auch andere Wege gibt."

 

Auf dem Buchcover steht Ein Noir-Krimi und genau diesen bekommt man geboten. Dass es in der Düsseldorfer Unterwelt rau zugeht, vermag nicht zu überraschen und so sind nicht nur Trinkgelage, sondern auch Schlägereien an der Tagesordnung; nicht selten ist Wolf mittendrin. Dies mag nicht jedem Leser gefallen, aber immerhin hält der Inhalt, was der Cover-Hinweis verspricht. Eine düstere Grundstimmung prägt den gesamten Roman, der auf jeder Seite eine geballte Portion Hoffnungslosigkeit versprüht. Im Jahr 1938, in dem die Handlung spielt, nicht wirklich überraschend, denn die Nationalsozialisten haben das Land fest im Griff und beginnen dieses nun von unliebsamen Elementen zu säubern.

 

Der Junge hatte keine Ahnung, wovon die beiden redeten. Es stimmte wohl, die Dummen hatten es am besten auf dieser Welt. Sie konnten einfach nur dasitzen und das Schauspiel begaffen. Wenn sie auch nichts vom Sieg wussten, so blieb ihnen wenigstens die Schmach einer Niederlage erspart.

 

So stößt Wolf im Laufe seiner Recherchen auf ein medizinisches Programm, welches zur Ausrottung lebensunwerten Lebens beitragen soll. Doch zunächst ahnt Wolf nicht, wer hier auf welcher Seite steht. Die Gesetze zur Erhaltung des reinen Volksblutes, die Euthanasie und die systematische Vernichtung von Volksschädlingen bilden den zeithistorischen Hintergrund des Romans, der - selbstredend - noch düsterer und beklemmender ist, wie manch ausweglos erscheinende Lage, in die sich Wolf begibt. 

Sei ganz still

Sei ganz still

Deine Meinung zu »Sei ganz still«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren