Auf den Pfaden des Luchses

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • TraumFaenger, 2015, Titel: 'Auf den Pfaden des Luchses', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Die Angst vor dem Fremden

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2015

Zwei Jungen im selben Dorf und doch durch Welten getrennt: Als David den gleichaltrigen Silas kennen lernt, ist er hin und her gerissen. Denn in der kleinen Ortschaft ist es um 1830 noch undenkbar, dass die beiden Jungen ihre Freundschaft leben können. Denn David ist der Sohn des Kaufmanns vom Ort und Silas derjenige eines Trappers und dessen indianischer Frau. Doch die Jungen verbindet mehr, als die Eltern wahrhaben möchten. David ist tief beeindruckt von den Fähigkeiten seines indianischen Freundes, während Silas durch David aus seiner Einsamkeit geholt wird. Die Öffnung Silas für andere Menschen hat weitreichende Folgen: Er trifft auf ein Mädchen aus dem Ort, Charlotte. Sie weiß, dass ihre Gefühle für Silas nach gesellschaftlichen Normen nicht sein dürften dennoch kann sie sich dem Zauber des feinfühligen Jungens nicht entziehen. Als Silas und Charlotte durchbrennen, wird die Freundschaft zu David auf eine harte Probe gestellt. Die beiden verlieren sich für lange Zeit aus den Augen. Silas bringt Charlotte zu den Cheyenne, wo er hofft, mit ihr in Ruhe zu leben. Doch für beide bedeutet das Leben mit den Cheyenne eine Umstellung und beide müssen lernen, mit ihren Gefühlen und Heimweh umzugehen. Für Charlotte ist es aber auch ein Sichtwechsel, sie muss erkennen, dass vieles anders ist, als die Weißen dachten. Dem jungen Paar ist keine lange Schonfrist gegeben. Die Streitigkeiten zwischen den Indianern und den Weißen nehmen zu und bald wird klar, dass die Cheyenne in großer Gefahr sind.

Feinfühlig und eindringlich

Tanja Mikschi hat sich große Ziele gesetzt. Mit ihrem Indianer-Roman wählt sie ein Genre, das etwas abseits vom Mainstream liegt. Zudem greift sie ein heikles Thema auf: Die systematische Zerstörung der amerikanischen Ureinwohner durch die Weißen. Sie tut dies absolut feinfühlig und eindringlich. Dass die Sympathien der Autorin ungleich verteilt sind, wird schnell deutlich. Sie ergreift klar Partei, und das schlägt sich auf die Charaktere nieder. Allerdings wird dadurch die Geschichte weder verzerrt noch einseitig. Vielmehr zeigt Mikschi auf, wie stark sich die Angst vor dem Fremden auf alles legt und dazu führt, das Ungewohnte abzulehnen. Die Menschen, wie sie von der Autorin gezeichnet werden, kommen sehr real daher. Ihre Gefühle sind ebenso nachvollziehbar, wie ihre Handlungen. Selbst dann, wenn die Autorin deutlich macht, dass sie die Ansichten und Reaktionen der weißen Bevölkerung nicht teilt, gesteht sie ihnen doch eine aus gesellschaftlicher Sicht logische Handlungsweise zu. Feinfühlig und auf eine eindringliche Art zeigt sie Zusammenhänge auf, beschönigt aber nichts und stellt vieles in Frage.

Guter Einblick in die fremde Kultur

Die besonderen Momente des Romans sind die detaillierten, niemals aber überstrapazierten Schilderungen der Lebensweise und Ansichten der Indianer. Tanja Mikschi nimmt die Leser sozusagen bei der Hand und führt sie hinein in die fremde Kultur. Nicht im Sinne eines von außen Betrachtens, sondern sehr nahe, sehr direkt. Das Leben der Indianer nimmt Gestalt an, ihre Ängste und ihr Überlebenskampf werden real. Liebevoll gezeichnet sind die dabei die Protagonisten das trifft auch auf David und Charlotte zu, obwohl nicht indianischer Herkunft. Die Figuren werden so ausgearbeitet, dass der Leser sich nur schwer von ihnen trennen mag. So bleiben sie auch lange, nachdem man das Buch geschlossen hat, vor dem geistigen Auge lebendig. Einzig Silas ist etwas zu gut geraten bei ihm fehlen ein paar Ecken und Kanten, die der Figur weitere Konturen verliehen hätten. Es scheint, als hätte die Autorin hier eine Hemmung gehabt, auch ihm eine etwas dunklere Seite zuzugestehen.

Abgerundeter Service

Der Roman ist nicht nur in einer gut lesbaren Schrift gedruckt, das Buch besticht auch durch ein gefälliges Cover, bei dem allerdings die Wahl des Schriftzugs etwas unglücklich ist. Grund für ein Lob gibt auch das gut aufgebaute Glossar, das den Lesern im Zweifelsfalle etwas weiterhilft. Ein informativer Epilog und ein geglückter Prolog runden das Ganze ab.

So ausgereift das Debüt von Tanja Mikschi bereits ist, dürfen die Leser darauf hoffen, dass noch weitere Romane aus ihrer Feder erscheinen werden.

Auf den Pfaden des Luchses

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Letzte Kommentare:
31.08.2015 09:17:35
franz richter

ich bin überwältigt. es ist eines der besten wenn nicht das beste Buch bis jetzt überhaupt von einer bewundernswerten tollen Autorin.
Ich würde mir noch viele Bücher aus dieser Zeit wünschen und mit der Meinung, daß die Ureinwohner Amerikas noch immer benachteiligt sind und unterstützt werden sollten. Vielen dank

12.05.2015 13:00:00
Chiara Notter

Normalerweise bin ich kein Fan historischer Romane, und das Thema Indianer gehört nun auch nicht zu einem, das mich besonders interessiert. Da mir dieses Buch sehr ans Herz gelegt worden ist, bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe losgelesen... und muss gestehen: es hat mich gepackt, ich habe mich leicht auf den Lebensweg der mit Liebe zum Detail gezeichneten Protagonisten mit begeben und deren Entwicklung mit verfolgt. Etwas schade fand ich, dass die Nebendarsteller meist recht eindimensional dargestellt worden sind. Nur unterbrochen durch das Hängenbleiben an den ungewohnten indianischen Namen, bei denen ich manchmal einfach nicht mehr wusste, "wer war das noch mal?" hat sich das Buch wirklich angenehm und gut gelesen, dazu war es eine gute Lehrstunde zur Geschichte Nordamerikas, die ein differenziertes Bild zweier doch recht unterschiedlicher Indianerstämme gezeichnet hat. Also: nicht vom unattraktiven Cover abschrecken lassen, sondern lesen. Es lohnt sich!

04.04.2015 14:19:14
Dora Lupp

Plastisch und detailgetreu schildert Tanja Mikschi in ihrem Debütroman, wie aus der Konfrontation zweier völlig unterschiedlicher Kulturen Misstrauen bis blanker Hass einerseits, andererseits aber auch Zuneigung und Liebe erwachsen können. Von einem zum anderen ist es oft nicht so weit, wie es den äußeren Anschein hat.
Ohne Schwierigkeiten kann man sich in die Protagonisten einfühlen und nachempfinden, dass (die) Geschichte auch ganz anders -versöhnlicher- hätte laufen können. Wie fast immer.

12.03.2015 13:31:10
Stefan Kleinhenz

Ein absoluter Lichtblick am Horizont der historischen Romane. Selten hat mich ein Buch so sehr fasziniert wie das von Tanja Mikschi. Die Erzählung nimmt einen mit in vergangene Zeiten und es fällt nach dem Lesen schwer, wieder in unsere Gegenwart zurückzufinden. Als studierter Ethnologe mit Schwerpunkt Nordamerika bin ich wegen der historischen Genauigkeit des Buches überrascht. Frau Mikschi muss wohl überaus genau recherchiert haben, um den Roman derart historisch und auch ethnologisch präzise schreiben zu können. Selbst viele Informationen, die eigentlich in der Literatur kaum zu finden sind, werden korrekt beschrieben. Dennoch wirkt das Buch dadurch nicht mit Fakten überladen, dank der geschickten und fesselnden Erzählweise der Autorin.
Ich habe mich sehr über das Erscheinen des Buches gefreut, insbesondere da es im deutschsprachigen Raum kaum noch etwas über die Ureinwohner Amerikas an Literatur zu finden gibt. Die Thematik des Buches dreht sich durchgängig um das leider auch heute immer noch aktuelle Thema Rassismus, das geschickt mit der überzeugenden Liebesbeziehung eines „Halbblutes“ mit einer Weißen verknüpft ist. Es ist keine abgedroschene „Lovestory“, die die Historie, wie so oft, als Schauplatz der Handlung wählt, sondern es ist die Historie, die die Liebesbeziehung in das geschichtliche Umfeld einbettet und mit dem eigentlichen Thema als roter Faden das Buch durchzieht.
Leider hat der Verlag ein sehr unpassendes Titelbild gewählt, was auch vom Layout an sich sehr unattraktiv wirkt. Ein solch wertvolles Buch hätte es verdient, besser präsentiert zu werden, insbesondere da das Thema „Indianer“ nicht mehr aktuell scheint. So bleibt der Blick im Buchladen leider nicht auf dem Buch liegen, es könnte gar als „Jugendbuch“ falsch interpretiert werden.
Ich wünsche dem Buch von Frau Mikschi trotz all der widrigen Umstände einen großen Erfolg, den ihr Werk mehr als verdient hätte. Ich kann das Buch nur wärmstens weiterempfehlen!