Die Venezianerin und der Baumeister

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2015, Titel: 'Die Venezianerin und der Baumeister', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Rita Dell'Agnese
Überraschend facettenreich

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2015

Die kleine Mariangela verliert ihre Mutter durch ein Fieber. Voller Mitleid bringt Allegra, die bei Mariangelas Mutter Geld für ein Spinnrad abholen sollte, das verängstigte Kind mit in die elterliche Tischlerei. Gegen den Willen der Tischlers-Frau darf das Kind bleiben und als Schwester von Allegra und dem kleinen Fabio heranwachsen. Kaum den Kinderschuhen entwachsen, lernt Mariangela den aufstrebenden Architekten Andrea Palladio kennen und verliebt sich in ihn. Dem jungen Architekten scheinen im Venetien des 16. Jahrhunderts kaum Grenzen gesteckt und Mariangela träumt von einer Zukunft an seiner Seite. Doch Andrea heiratet ausgerechnet Allegra. Enttäuscht wendet sich Mariangela ab und stürzt sich in die Ehe mit Sandro, ohne aber ihre eigentlichen Gefühle ganz vergessen zu können. Als Sandro ums Leben kommt, kommen sich Mariangela und Andrea näher. Mariangela gerät in einen Gewissenskonflikt: Sie ist Allegra sehr zugetan und will deren Ehe nicht zerstören. Zwischen den dreien kommt es deshalb immer öfters zu Spannungen.

Keine seichte Geschichte

Wer beim Titel unvermittelt zusammenzuckt und hinter dem Cover mit weiblichem Torso-Abschnitt den Beweis für durchschnittliche Massenware im Bereich des historischen Romans sieht, lässt sich von unglücklich gewählten Äußerlichkeiten täuschen. Gudrun Lerchbaum hat einen überraschend facettenreichen Roman geschrieben, der gleich mehrere Konfliktthemen beleuchtet, ohne zu überladen zu wirken. Zum einen ist es die heimliche Liebe zum Mann der Schwester, für die Mariangela durchs Feuer gehen würde, und der sie doch insgeheim neidisch ist. Zum anderen ist es das stetige Heimweh, das die aus der Fremde stammende Mutter von Allegra umtreibt und schließlich zum Nährboden des Zerfalls der kleinen Familie wird. Schließlich ist der Roman aber auch ein Portrait. Das Portrait des großen Architekten der Renaissance, Andrea Palladio, der seiner Zeit nicht nur weit voraus war, sondern durch seine Werke auch heute noch bekannt ist. Die Genialität von Andrea Palladio fängt Gudrun Lerchbaum in ihrem Roman hervorragend auf, ohne in eine unangenehme Schwärmerei zu verfallen.

Starke Charaktere

Obwohl gerade bei Allegra einige Vorbehalte gemacht werden müssen sie wird teilweise etwas gar zu liebenswürdig und selbstlos dargestellt stimmt nicht nur der Plot, sondern stimmt auch die Charakterzeichnung. Die Autorin staffiert ihre Figuren mit viel Persönlichkeit aus und macht auch nicht Halt davor, die Heldin mal in einem weniger vorteilhaften Licht zu präsentieren. Das macht nicht nur die Geschichte glaubwürdiger, es bringt die Charaktere den Leserinnen und Lesern auch auf eine angenehme Art näher. Auch wenn man ob der einen oder Handlungsweise den Kopf schütteln mag, so wirkt es doch stimmig, wie sich die Figuren verhalten. Da und dort mag man sich gar selber dabei erkennen, wenn es allzu menschlich zu und her geht.

Gute Kombination

Gudrun Lerchbaum hat eine überzeugende Geschichte verfasst, bringt es fertig, viel von der Lebensgeschichte des berühmten Architekten Andrea Palladio einfließen zu lassen und kann bei all dem auch eine große Portion Ambiente aufbieten. So präsentiert sie einen auf weiten Strecken überzeugenden Roman, der zwar noch die eine oder andere Kinderkrankheit aufweist - dies vor allem im Bereich jener Figuren, die sich zu sehr ins Gut-Böse-Raster einpassen lassen - aber in seiner Gesamtheit überzeugt. Das offen gehaltene Ende lässt den Schluss nahe, dass in absehbarer Zeit mit einer Fortsetzung zu rechnen ist. Die Leserinnen und Leser von Die Venezianerin und der Baumeister werden nun vielleicht nicht vor Ungeduld zappeln. Aber sie werden wohl gerne zu einem zweiten Band mit den bekannten Protagonisten greifen, um zu erfahren, wie es mit Mariangela, Allegra, Andrea, Fabio und all den anderen Figuren weiter gehen mag. Damit hat Gudrun Lerchbaum schon mal eine kleine Fangemeinde um sich geschart.

Die Venezianerin und der Baumeister

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