Der Geschichtensammler

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Gerth Medien, 2015, Titel: 'Der Geschichtensammler', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Ein Roman über Gottvertrauen und die Kraft von Geschichten

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Jan 2015

Frühjahr 1945:  Die Rote Armee hat Berlin erreicht, der Zweite Weltkrieg liegt in den letzten Zügen, das Dritte Reich ist zusammengebrochen, Berlin ist ein Trümmerfeld, in den Straßen toben die letzten erbitterten Kämpfe und viele Menschen verlieren sinnlos ihr Leben. Der junge Flakhelfer Rasmus, dessen Flakstellung bei einem Bombenangriff zerstört wurde, irrt mitten durch die umkämpfte Stadt. Bevor er selbst im Kugelhagel sein Leben verliert, wird er von Erwin, einem alten Soldaten, in letzter Minute gerettet. Beide geraten in russische Gefangenschaft und werden in ein Kriegsgefangenenlager verfrachtet. Für Rasmus und seine Kameraden beginnt eine Zeit voller Entbehrungen, Hoffnungslosigkeit und zerstörter Träume.

Das Lagerleben ist ein täglicher Kampf ums Überleben und Rasmus quält zudem die Ungewissheit, ob seine Freundin Emmi noch am Leben und in Sicherheit ist. Immer wenn Rasmus in tiefer Verzweiflung zu versinken droht, ist es Erwin, der ihn mit seinen Geschichten davor bewahrt, den Lebensmut zu verlieren. Es sind Geschichten, die Erwin über Jahre zusammengetragen und in einem Buch aufgeschrieben hat. Der Pfarrerssohn Rasmus, der dank seines gestrengten Vaters ein sehr zwiespältiges Verhältnis zur Religion hat, findet  in der Härte und Hoffnungslosigkeit jener Zeit zurück zum Glauben. Als Rasmus gemeinsam mit dem geistig zurückgebliebenen Hans die Flucht aus dem russischen Kriegsgefangenenlager gelingt, wird sein langer und beschwerlicher Weg zurück nach Berlin  nicht nur ein Weg zurück nach Hause, sondern auch eine Rückkehr zum Glauben. Im Gepäck mit dabei: Erwins Geschichtensammlung.

Roman oder Anthologie?  

Glaubt man als Leser anfangs noch, einen historischen Roman über einen Teil jüngerer deutscher Geschichte in den Händen zu haben, merkt man doch recht schnell, dass es dem Autor hier weniger um Zeitgeschichte als vielmehr um spirituelle Dinge geht. Wie es der Klappentext schon vermuten lässt, wird der Leser hier mit christlicher Literatur konfrontiert. Der Autor erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der aufgrund widriger Umstände den Weg zurück zu Gott findet.

Die eigentliche Hauptrolle in diesem Buch spielen aber die Geschichten. Diese werden in die eigentliche Handlung eingebunden, die damit immer wieder unterbrochen wird und so natürlich auch der Lesefluss stagniert, zumal keine dieser Geschichten in einem direkten Zusammenhang zur eigentlichen Handlung steht. Wir haben es hier also mit einer Kombination aus Roman und Anthologie zu tun. So mancher ungeübte Leser könnte mit diesem Erzählstil seine Probleme haben, denn diese Art der Dramaturgie lässt zwangsläufig  keinen durchgehenden Spannungsbogen zu. Thematisch sind die einzelnen Geschichten sehr unterschiedlich, sie sind tiefgründig und allegorisch, manche auch surreal oder skurril. Sie sind für sich gesehen kleine literarische Bonbons, die eines gemeinsam haben: die spirituelle Botschaft. Auch in der eigentlichen Romanhandlung waltet hier und da schon mal die göttliche Vorsehung oder greift eine höhere Macht in das Geschehen ein. Jedem Leser sollte also von Vornherein klar sein, auf was er sich hier einlässt.  

Kein historischer Roman

Man mag sich nun die berechtigte Frage stellen, wieso der Verlag dieses Buch, das eindeutig in die Sparte christlicher Literatur gehört und sich damit auch an eine bestimmte Leserschaft wendet, ausgerechnet einem Online-Magazin für historische Romane unaufgefordert zur Rezension zusendet, dessen Leser erfahrungsgemäß ganz andere Erwartungen an ihre Bücher haben.  

Wichtiges Bewertungskriterium bei historischen Romanen ist neben der erzählerischen Qualität gerade auch der Anteil an Geschichte, der in die Romanhandlung mit einfließt. Was das betrifft, hat der hier vorliegende Roman äußerst wenig zu bieten. Die Handlung ist zwar am Ende des Zweiten Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit angesiedelt, benutzt die zu dieser Zeit vorherrschende Desillusion und Hoffnungslosigkeit aber lediglich als Folie für Rasmus` Weg zurück zum Glauben. Geschichtliche und politische Zusammenhänge bleiben außen vor, der historische Hintergrund ist nur Marginalie. Genau genommen hätte es jeder Krieg sein können, es wäre dem Leser nicht aufgefallen.

Christliche Literatur  

Zielgruppe für dieses Buch sind in erster Linie solche Leser, die sich für christliche Literatur interessieren und ihnen kann man diesen Roman auch uneingeschränkt empfehlen. Der Geschichtensammler ist ein lesenswerter Roman, er ist anspruchsvoll, tiefgründig und auf sprachlich hohem Niveau erzählt. Es ist definitiv kein Buch, das man mal locker so nebenher weg liest. 

Positiv hervorzuheben ist, dass der Verlag das Buch mit einem stimmungsvollen und passenden Cover ausgestattet hat, das in enger Verbindung zum Inhalt und zur Aussage des Buches steht. In Anbetracht der normalerweise üblichen lieb- und einfallslosen Cover-Gestaltung gerade bei historischen Romanen darf sich so mancher Publikumsverlag daran gerne ein Beispiel nehmen.  

Allerdings sollte der Verlag in Zukunft etwas genauer abwägen, an welche Literaturportale er seine Bücher zur Rezension versendet, vor allem wenn dies unaufgefordert geschieht.     

Der Geschichtensammler

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