Das Kurtisanenhaus

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2013, Titel: 'The Valley of Amazement', Originalausgabe

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88

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Rita Dell'Agnese
Der Graben zwischen zwei Kulturen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2014

Für die achtjährige Violet ist ein Schock, als sie zum ersten Mal damit konfrontiert wird, dass sie nicht etwa wie bisher geglaubt eine reine Amerikanerin ist, sondern einen chinesischen Vater hat. Das Mädchen, das als verwöhnte Tochter der Betreiberin eines erfolgreichen Kurtisanenhauses aufwächst, will sich dieser Wahrheit zunächst nicht stellen. 1912, Violet ist gerade 14 Jahre alt geworden, kommt es in Shanghai zu politischen Unruhen. Der Kaiser muss abdanken und das gesellschaftliche Gefüge gerät ins Wanken. So sehr, dass Violets Mutter beschließt, mit ihrer Tochter in ihre Heimat zurückzukehren und in San Francisco ein neues Leben zu beginnen. Auf der Flucht vor den Umstürzlern werden Mutter und Tochter jedoch getrennt. Violet landet in einem Kurtisanenhaus und sieht sich plötzlich vor jenes Schicksal gestellt, über das sie sich bis vor kurzem erhaben gefühlt hatte. Violet versucht, sich aufzulehnen, muss dann aber erkennen, dass sie keine Chance hat. Sie weiß nicht, dass ihrer Mutter in San Francisco erzählt wurde, dass Violet auf der Flucht ums Leben gekommen sei. Dank einer Kurtisane, die sich der jungen Halbchinesin annimmt, kann Violet nach und nach ihr Schicksal meistern. Da begegnet sie Edward und wird schwanger. Doch das Schicksal scheint sich gegen sie verschworen zu haben.

Zwei Welten

Amy Tan ist von ihrer Herkunft her prädestiniert, die Diskrepanz zwischen den beiden Kulturen heraus zu arbeiten. Das tut sie auch in ihrem jüngsten Werk Das Kurtisanenhaus. Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zeigt sie die Unterschiede auf, und lässt die westliche und chinesische Kultur aufeinander prallen. Dazu ist die Geschichte von Violet ein ideales Mittel. Die Autorin setzt ihre Protagonistin an die Schnittstelle und zeigt auf, wie schnell das Zünglein in die eine oder andere Richtung aufzuschlagen vermag. Sehr gelungen ist auch der innere Prozess, den das Kind und später die junge Frau durchlaufen muss. Vom Erkennen des chinesischen Erbanteils in sich über die Verleugnung genau dieses Erbanteils bis hin zum stillen Stolz auf ihre Herkunft erlebt die junge Frau alle möglichen Gefühlsebenen. Hervorragend dargestellt ist auch die ganze Welt der Kurtisanen. Mit genau der richtig dosierten Portion Information über die Kurtisanen würzt die Autorin ihren Roman so, dass die Leser einen guten Einblick erhalten, ohne jedoch übersättigt zu werden.

Üppiger Erzählstil

Auch wenn Amy Tan eindeutig einen Hang zur US-Amerikanerin hat, schlägt beim Erzählen das chinesische Blut durch. Die Autorin pflegt einen üppigen Erzählstil, wird da und dort äußerst blumig und detailreich, aber nicht schwülstig. Dennoch ist es für jene Leserinnen und Leser, die bisher noch kein Werk von Amy Tan in Händen hielten, teilweise nicht ganz einfach, der Erzählung zu folgen, ohne sich erdrückt zu fühlen. Hat man sich jedoch an den Schreibstil gewöhnt, kann man ihn als ein zum Thema passendes Stilmittel zulassen. Entschädigt wird der Leser dabei durch einen ungewöhnlichen Gesichtspunkt und eine Geschichte, wie sie nicht mancher Autor präsentieren könnte. Amy Tan kann mit Das Kurtisanenhaus an ihre bisherigen Erfolge anknüpfen, wenn sie auch da und dort leichte Einbrüche zeigt, und nicht ganz die Tiefe erreicht, die ihr Werk Die Frau des Feuergottes auszeichnet und den Roman zu einem Weltbestseller gemacht hat.

Überzeugendes Konzept

Dass die Autorin ihr Handwerk beherrscht, steht außer Frage. Der Roman kommt mit einem überzeugenden Konzept daher, bietet eine Vielzahl von kleinen und größeren Entdeckungen und Überraschungen und vereint alles, was einen guten Roman ausmacht: Hintergrund, Spannung, Liebe und Hoffnung. Es lohnt sich, sich auf das Abenteuer einzulassen und mit der Autorin ins Shanghai des beginnenden 20. Jahrhunderts einzutauchen. Die weitgehend unbekannte Welt, die sich dadurch eröffnet, ist ein Abenteuer für sich und bietet viel Lesegenuss. Wenn auch einzelne Passagen etwas dick aufgetragen sind, so entsteht dennoch ein realistisches Bild, das sich tiefer einzuprägen vermag, als man es sich zunächst zugestehen mag. Amy Tan schafft es auch diesmal, einen Roman mit intensivem Nachhall vorzulegen.

Das Kurtisanenhaus

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