Das Licht der Welt

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2014, Titel: 'Das Licht der Welt', Originalausgabe

Couch-Wertung:

92
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Alexandra Hopf
Opulente Fortsetzung der Geschichte Varennes

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Dez 2014

1218 herrscht Krieg in Oberlothringen. Die Fehde wird zwischen König Friedrich und Herzog Thiébaut ausgetragen. Nachdem Thiébaut sich in Streitereien in der Champagne eingemischt hatte, beschuldigte der König ihn, Verrat an die Krone begangen zu haben. Da Varennes dem König Heerfolge leisten muss, waren sie verpflichtet ein Aufgebot mit Bürgern der Stadt zu senden. Angeführt wurde die Gruppe vom Ratsherrn Anseau Lefèvre. Thiébaut hatte sich in der Burg bei Amance verschanzt und wurde von den Gruppen des Königs belagert. Der ruhmessüchtige  Kaufmann und Wucherer Lefèvre bestand darauf, dass seine Männer stets an vorderster Front kämpften um dem König zu gefallen. Dabei nimmt er keine Rücksicht darauf, ob er das Leben der Männer leichtsinnig gefährdet. Ehe Michel Fleury von den wahnwitzigen Einsätzen seiner Bürger erfährt und zum Ort des Geschehens eilt, sind schon mehrere Männer gestorben. Michel entzieht Lefèvre in Amance das Kommando. Damit hat er sich einen mächtigen Feind geschaffen.   

Lefèvre kommt für sein Fehlverhalten bei Amance nach einem Gottesurteil ungeschoren davon, doch der Vorsteher der Schmiede, Jean Caboche, dessen Sohn zu den fünfzehn Gefallenen Varennes gehört, empfindet von da an nur noch tiefen Hass gegen den unbeliebten Ratsherrn.

Nachdem sich die Wogen etwas geglättet haben, kann sich Michel endlich wieder den Stadtgeschäften Varennes widmen. Unter seiner Leitung hat es die kleine Handelsstadt zu einer ansehnlichen Stellung gebracht. Nun träumt der Bürgermeister Fleury davon, einmal im Jahr eine eigene Messe in Varennes abzuhalten. Um sich bei Fleury für die erfolgreichen Kriegsverhandlungen zu bedanken, erteilt der König dem Bürgermeister hierfür die Erlaubnis. Mittlerweile hat die Bürgerschaft Varennes neu gewählt und Anseau Lefèvre gehört nicht mehr der Ratsversammlung an. Trotzdem tut er alles um die Vorhaben von Fleurys Seite zu boykottieren. So wird der Baumeister, der die neue benötigte Herberge bauen soll, niedergeschlagen und das Bauvorhaben kommt in einen zeitlichen Engpass. Kurz vor der Messe brennt die neugebaute Herberge ab. Jeder vermutet, dass der böswillige Anseau dahintersteckt, man kann ihm aber nichts beweisen. Anseau Lefèvre verbreitet nur negative und böswillige Empfindungen. Kaum einer ahnt welch dunkles Geheimnis den Wucherer umgibt.

Der Erfolg der Messe ist in Gefahr. Der Brand und alle daraus resultierenden Schwierigkeiten kosten Varennes sehr viel Silber. Der allseits beliebte Bürgermeister Michel wird erstmals in Frage gestellt. Wird es Michel gelingen, die Geschicke seiner geliebten Stadt wieder in die richtigen Bahnen zu leiten?

Vater und Sohn in den Hauptrollen

Mit Das Licht der Welt liefert Daniel Wolf einen ebenso umfangreichen zweiten Teil nach Das Salz der Erde ab. Auch dieses Buch beeindruckt durch den gewaltigen Umfang von über 1100 Seiten. Hinter dem Pseudonym Daniel Wolf verbirgt sich der Autor Christoph Lode, der eher im Fantasy-Genre anzusiedeln ist. Doch mit diesem Werk beweist er einmal mehr, dass er durchaus in der Riege der bekannten historischen Autoren bestehen kann. Obwohl die Geschichte um die Fleurys rein fiktiv ist, gelingt es ihm, auch über diesen gewaltigen Umfang seiner Romane den Leser mit gut recherchierten Details rund um den Handel des 13. Jahrhunderts zu verzaubern. Die Spannung bleibt fast über das gesamte Werk auf hohem Niveau und nur gelegentliche Längen sorgen für einen kurzen Spannungsabfall. Das Vorkommen historisch realer Personen ist von ihm geschickt in seine Geschichte eingepasst. Sollte er bezüglich der zeitlichen Vorkommnisse Änderungen vorgenommen haben, um es besser im Fortgang der Geschichte unterzubringen, weist er am Ende des Buches in einem kurzen Nachwort extra darauf hin.

Die Geschichte des zweiten Bandes umfasst im Kern den Zeitraum 1218-1232. Abgerundet werden die Ereignisse durch einen kurzen Prolog von 1214 und einem abschließendem Epilog von 1248.

Wie im Vorgängerroman ist auch hier der Hauptprotagonist Michel Fleury. Mittlerweile ist er friedlich mit seiner großen Liebe Isabelle vereint und gemeinsam betreiben sie das gutgehende Handelsunternehmen. Beide erscheinen als durchwegs sympathische Charaktere. Einzig die Tatsache, dass eine Frau im 13. Jahrhundert eine derart einflussreiche Position innehat und dermaßen viel geschäftliches Mitspracherecht besitzt, verblüfft etwas. Doch wie schon im Salz der Erde hat Michel einen mächtigen Gegenspieler. Diese Rolle nimmt diesmal der Wucherer Anseau Lefèvre ein. Der "kranke" Charakter dieser Person ist durch und durch von Schlechtem geprägt. Als Leser baut man richtiggehend Abneigung und Aggressionen auf, vor allem dann wenn die Bösartigkeit und Durchtriebenheit ihm ein ums andere Mal den Kopf retten.

Der junge Fleury schafft es nicht ganz an die Sympathien des Vaters anzuknüpfen. Zwar ist er auch ein intelligenter Genosse seiner Zeit mit modernen Gedanken, aber durch sein eher eigenbrötlerisches Verhalten kann er nicht vollends positiv überzeugen.

Handel, Bruderschaften, Politisches Ränkespiel

Dem Autor gelingt es durch seine lebhaften Schilderungen, dass der Leser komplett in die mitreißende Handlung eintaucht und das doch sehr umfassende Werk schnell gelesen werden kann.

In seine Geschichte eingebettet erfährt man viel Wissenswertes über das Handelswesen der damaligen Zeit. Außerdem gewährt er interessante Einblicke in den Aufbau der Stadtstruktur angefangen beim kleinen Bauern über die Bruderschaften und Patrizierfamilien.

Rein optisch ähnelt das Buch seinem Vorgänger. So ist es ebenfalls in beige gehalten. Die Schrift des Titels ist diesmal blau und der Anfangsbuchstabe ist wieder mit den für das Mittelalter typischen Buchmalereien verziert. Auch dieses Werk ist beim Goldmann Verlag erschienen.

Um bei der umfangreichen Geschichte nicht den Überblick zu verlieren, findet man am Anfang neben einer Landkarte ein ausführliches Personenregister. Am Ende gibt Daniel Wolf einige Informationen über den historischen Hintergrund und fügt abschließend ein nützliches Glossar mit den wichtigsten mittelalterlichen Worten an.

Freudige Erwartung der Fortsetzung

Obwohl man nun zwei sehr umfangreiche Bände über die Kaufmannsfamilie Fleury hinter sich hat, ist man der Geschichte noch nicht überdrüssig und kann mit freudiger Erwartung Band drei entgegenfiebern.

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