Kinder des Meeres

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Ehrenwirth, 2014, Titel: 'Kinder des Meeres', Originalausgabe

Couch-Wertung:

94
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Bettina Weiß
Die Werftkinder von Portsmouth

Buch-Rezension von Bettina Weiß Nov 2014

Die Renaissance - eine Zeit des Umbruchs und neuer Ideen. Für die Kinder des Meeres auch eine Zeit der lebenslangen Freundschaft, die sich bewähren muss. 19. Juli 1511 - das neue großartige Kriegsschiff Mary Rose erlebt in Portsmouth den Stapellauf. Mittendrin auch die Werftkinder und seit Jahren engste Freunde Fenella, Anthony und Sylvester. Der Stapellauf, der ganze Stolz von Henry VIII. wird durch ein dramatisches Ereignis den Kindern immer in Erinnerung bleiben und lebenslang auf Anthony lasten. Die untrennbare Verbindung zur Mary Rose ist geschaffen. Er, der jüngste Sohn des Schiffsbauers, ist ein Außenseiter und von den einfachen Leuten auf der Werft wird er gemieden. Aber der Schiffsbau liegt ihm im Blut und er wird für seinen König Henry VIII. Schiffe bauen und auch der Mary Rose zu neuem Glanz  verhelfen. Aber bis dahin ist es ein weiter und stürmischer Weg für die drei Werftkinder, der sie bis nach London und einerseits in die königlichen Schlösser und andererseits in die königlichen Kerker führen wird. Doch die enge Freundschaft und tiefe Verbundenheit der Freunde wird ein Leben lang bestehen bleiben und sie werden auch in den größten Kämpfen immer für einander einstehen. So schwer dies auch sein mag.

Stürmische See und Stürme des Lebens

Die Freunde, das sind zum einen Anthony, der Außenseiter, der immer für das, was ihm am wichtigsten ist, kämpfen muss. Dann Fenella, die immer an seiner Seite ist und dabei ihr Leben lang ihren innigsten Wunsch verleugnen muss. Und schließlich Sylvester, der mit allen Mitteln den Freunden das Leben erleichtern will und dabei sich selbst fast verliert. All das geschieht vor dem Hintergrund der neuen Zeit, mit neuen Ideen und Reformen. Diese Ideen und Reformen werden jedoch nicht von allen gutgeheißen, sondern auch mit allen Mitteln bekämpft und schnell gerät einer der Freunde zwischen alle Fronten. Dann muss sich die Freundschaft bewähren. Selbst der König, der große Pläne für die Entwicklung seines Landes hat, gerät zunehmend unter Druck, einen männlichen Thronerben zeugen zu müssen. Darin wird er maßlos und unberechenbar und wieder gerät eines der Werftkinder in Gefahr und die Freunde eilen zu Hilfe.

Stimmige Protagonisten und menschelnde historische Personen

Wie immer bei Charlotte Lyne sind die Charaktere besonders fein und detailreich gezeichnet. Niemand handelt nur gut oder nur böse, sondern alle menschlich und mal verständlich, mal unverständlich, aber immer nachvollziehbar und nie unerklärlich. Selbst die Unsympathen sind interessant und reizvoll gestaltet, so dass keiner holzschnittartig nur gut oder nur böse ist. Die historischen Persönlichkeiten werden in ein menschliches Licht gerückt und dem Leser so nahe gebracht, dass man manchen gerne kennen gelernt hätte. Auch die Darstellung der Nebenfiguren ist liebvoll und der eine oder andere schleicht sich ins Herz des Lesers.

Klappentext verrät zu viel

Die Geschichte wird sehr spannend erzählt und das Mitleiden und Mitfreuen, mit den Protagonisten ist sehr leicht gemacht. Allerdings leidet die Spannung ein wenig an dem Klappentext, der sehr viel, vielleicht zu viel vorweg nimmt. Hier wäre weniger mehr gewesen. Der Spannungsbogen, den die Autorin spinnt, wird jedenfalls konsequent hochgehalten und der flüssige Schreibstil trägt dazu bei, dass die Lesezeit wie im Fluge vergeht. Abgerundet wird der Roman durch ein Nachwort der Autorin zu den historischen Fakten und einem Glossar.

Insgesamt ist der Roman ein wunderschönes Buch über Freundschaft, über den Schiffsbau und die Schwierigkeiten, allen Anforderungen gerecht zu werden. Die Werftkinder werden zu guten Freunden, deren Leben man gerne begleitet und die noch lange im Gedächtnis bleiben werden. 

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