Katzmann und das verschwundene Kind

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Jaron, 2011, Titel: 'Katzmann und das verschwundene Kind', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Jörg Kijanski
Ein vielversprechender Serienstart

Rezension von Jörg Kijanski Nov 2014

Sachsen im November 1918. Der 22-jährige Konrad Benno Katzmann wird zum Dresdenkorrespondent der Leipziger Volkszeitung (LVZ) befördert. Dort rettet er bei einem Abendspaziergang dem Roma-Mädchen Katja das Leben, als dieses versucht, einen Sack aus einem Fluss zu retten, in dem sich ein kleiner Hund befindet. Dieser sollte offenbar entsorgt werden; kein Einzelfall in Zeiten, in denen es am Nötigsten fehlt. Wenig später wird Katzmann von seinem Freund Fritz Ganter um Hilfe gebeten. Seit über einer Woche wird die zehnjährige Trude Winterstein vermisst, nachdem sie morgens zu ihrer Schule ging, dort aber nie ankam. Ganter ist der ermittelnde Kommissar, tritt aber mit seinen Recherchen und Befragungen auf der Stelle.

Da die Zeiten politisch höchst aufgeladen sind, kommt erschwerend hinzu, dass nicht alle Menschen der Polizei vertrauen. Daher hofft Ganter, dass der junge Reporter aus vermeintlichen Zeugen mehr herausholen kann. Katzmann beginnt Fragen zu stellen und findet bald neue Hinweise, ohne jedoch zunächst entscheidend voran zu kommen. Nach einem Zeitungsartikel stellt sich aber immerhin heraus, dass Trude offenbar nicht das erste Mädchen ist, welches vermisst wird. Während die Polizei und Katzmann fieberhaft nach einem Serientäter suchen, steht für einen Teil der aufgebrachten Dresdner Bevölkerung der Täter bald fest: die am Stadtrand lebende Roma-Familie von Katja&

Gute Mischung aus Krimi und historischem Roman

Der erste Fall für den jungen Reporter Katzmann ist gleichzeitig der Auftakt zu einem  Kettenroman, einer Serie, in der verschiedene Autorinnen und Autoren die Geschichte weitererzählen. Neben Franziska Steinhauer, die mit dem vorliegenden Roman die Serie eröffnet, schreiben Katrin Ulbrich, Uwe Schimunek, Jan Eik und Horst Bosetzky (Krimifreunden als -ky bekannt) an den Fällen, die in einem Zweijahresrythmus spielen.

Bei dem Auftakt einer Serie geht es naturgemäß darum, in das Setting einzuführen und die wesentlichen Figuren vorzustellen. Neben dem Protagonisten, dem unerschrockenen Konrad Katzmann, wären da neben dem Polizisten Ganter vor allem Katzmanns Eltern zu nennen. Seine Mutter, die stets um häuslichen Frieden bedacht ist, sowie sein Vater Wilhelm, dessen Vorname schon erahnen lässt, dass er zu den Kaisertreuen zählt und der es kaum verwinden kann, dass sein unter Asthma leidender Sohn nicht in den Krieg ziehen konnte.

 

"Wenn ihm was hätte amputiert werden müssen, weil er im Feld verletzt wurde, bekäme er schon längst Geld. Nur die Zitterer und Schüttler haben es besonders schwer. Heutzutage glauben die Ärzte ihren Patienten eben nicht mehr. Überall wittern sie Leute, die sich eine Unterstützung erschleichen wollen. Jeder schreibt ein neues Gutachten, und die Familien der Heimkehrer haben darunter zu leiden! Sie waren wohl nicht im Krieg?"

"Nein, ich bin krank."

"Na, so krank sehen Sie gar nicht aus! Nun, im Zweifel ist man wohl lieber ein bisschen krank als völlig tot."

 

Jetzt arbeitet Konrad auch noch ausgerechnet für das linke Revolverblatt LVZ, wo es zum guten Ton gehört, Mitglied der USPD zu sein. So bleiben unschöne und konträre Diskussionen im Elternhaus nicht aus. Dabei spielt die Geschichte in den ersten Tagen des Monats November 1918, also unmittelbar vor Kriegsende durch den Waffenstillstand von Compiègne. Noch ist folglich unklar, ob der Kaiser abdanken wird. Ein Generalstreik steht angeblich bevor, während die meisten Menschen schon froh wären, wenn sie genügend Kohlen zum Heizen hätten. Und auch ein Stück Fleisch ab und an wäre hilfreich, um den ärgsten Hunger zu stillen. So verwundert es kaum, dass die Ermittlungen schon längst hätten gelöst sein können, wenn nicht ein (unwissender) Zeuge einen wertvollen Gegenstand des Täters bei der Polizei abgegeben hätte, anstatt ihn zu veräußern.

Franziska Steinhauer schreibt einen durchaus packenden Plot (auch wenn man den Täter recht früh erahnen mag), in dem es ihr vor allem gelingt, neben einer guten Charakterzeichnung ihrer Hauptfigur, vor allem die politische Situation sowie die Ängste und Nöte der Menschen aufzuzeigen. Dies gelingt ihr umso beachtlicher, da die Romane der Katzmann-Reihe alle auf (nur) rund 200 Seiten angelegt sind. Auf diesem überschaubaren Platzangebot so viel Atmosphäre und Inhalt unterzubringen, gelingt manch bekannterem Autor nicht mal auf einem 1000-Seiten-Schmöker. Der Start der Serie ist vielversprechend und man darf gespannt sein, wie Uwe Schimunek die Serie - dann im Jahr 1920 spielend - fortsetzen wird&

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