Tragödie im Courierzug

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Jaron, 2014, Titel: 'Tragödie im Courierzug', Originalausgabe

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Annette Gloser
Bahn fahren im Winter

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2014

Gontard junior hat es nach Breslau verschlagen. Dort versucht der junge Mann, eine brauchbare militärische Karriere zu beginnen. Im Jahre 1854 ist Breslau noch sehr weit weg von Berlin, und Oberst-Lieutenant Christian Philipp von Gontard hat nur selten Gelegenheit, seinen Sohn zu sehen. Da scheint es eine wunderbare Fügung zu sein, dass der Vater mit einem Kurierauftrag in die schlesische Metropole geschickt wird. Der Oberst-Lieutenant nimmt den Schnellzug von Berlin nach Breslau, aber es wird eine Fahrt mit Hindernissen, denn während eines Haltes auf offener Strecke gerät ein Mitreisender in eine Tierfalle und kommt dort zu Tode. Ein Unfall? Ein Mord? Zumindest ein plausibler Grund für eine saftige Verspätung.

Ferdinand von Gontard allerdings wartet in Breslau schon ungeduldig auf den Vater. Am Vortag ist er bei Fechtübungen auf den Oderwiesen über den Toten gestolpert. Mit dem Segen des Bataillonskommandeurs darf er nun eigene Ermittlungen durchführen. Und wenn er auch bei seiner Suche nach Hinweisen auf die Identität des Toten Erfolg hatte, so fügen sich doch die Puzzleteile nicht recht zusammen und Ferdinand hofft auf die Unterstützung durch seinen Vater. Der allerdings hat eine anstrengende Nacht hinter sich, als er endlich in Breslau ankommt. Und mit ihm, im Gepäckwagen, eine tiefgefrorene Leiche.

Früher war nicht alles besser!

Uwe Schimunek schickt seine Leser auf eine Reise mit Preußens (damals!) neuer Errungenschaft: der Eisenbahn. Und mag man auch heutzutage über Verspätungen und nicht funktionierende Klimaanlagen meckern, nach der Lektüre von Tragödie im Courierzug weiß man, dass damals keineswegs alles besser war als heute. Schließlich findet diese Reise in einem ungeheizten 1. Klasse-Zugabteil mitten im Winter statt. Eine Heizmöglichkeit für die Waggons gibt es noch nicht, obwohl bereits Gerüchte umgehen, dass es im dekadenten Hessen tatsächlich beheizbare Eisenbahnwagen geben soll. Der echte Preuße hält nichts von diesem Schnickschnack. Er hat reichlich Decken im Gepäck und macht sich offenbar warme Gedanken.

Zudem hält der Zug an jedem Karnickelstall (wie man heute in Berlin sagen würde) und bietet den Mitreisenden so ein lang anhaltendes Vergnügen. Dass dies tatsächlich der Schnellzug ist, weiß man am Ende des Buches, wenn man erfährt, dass der Personenzug auch ohne Verspätung zehn Stunden für die Strecke benötigt. Der Autor liefert genaue Beschreibungen der Waggons und der Abläufe bei der Bahn, so dass man als Leser eine sehr genaue Vorstellung davon bekommt, wie die Fahrt genau abgelaufen ist und wie sich Menschen dabei gefühlt haben könnten. Zusätzlich interessant ist die Fahrtroute, denn schließlich geht die Fahrt nach Schlesien und ab Frankfurt/ Oder durch ein Gebiet, das heute gar nicht mehr zu Deutschland gehört. Die verwendeten Ortsnamen wird man also vergeblich auf einer modernen Landkarte suchen. Schade allerdings, dass über das historische Breslau nur recht wenig zu erfahren ist. Da bleibt zu hoffen, dass es Gontard noch einmal dorthin verschlägt.

Nette Leute unterwegs

Da ein großer Teil der Handlung in einem Zugabteil stattfindet, bleibt Uwe Schimunek viel Spielraum, um seine Protagonisten zu skizzieren und ihnen Charaktere zu geben. Und dies gelingt auch recht gut, man bekommt schnell ein Gefühl dafür, wer in diesem Abteil mireist und welche Probleme diese Leute haben. In bestimmten Situationen liefert Schimunek tatsächlich interessante Einblicke in Massenpsychologie und lässt dabei sowohl Vater als auch Sohn von Gontard ihre Führungsqualitäten beweisen. Und auch Christian Philipp selber ist wieder ein wenig reifer geworden, findet plötzlich Bequemlichkeiten an sich selbst und stellt fest, dass sich sein Denken in einigen Bereichen verändert hat.

Der Teil der Handlung, der bei Ferdinand von Gontard in Breslau spielt, beschränkt sich allerdings überwiegend auf den jungen Lieutenant und den Burschen Quappe. Dabei ist es sehr erfreulich, dass aus dem in früheren Büchern der Reihe noch recht nervigen Bengel ein kluger, sympathischer und hartnäckiger junger Mann geworden ist. Mit ihm kommt man wesentlich besser aus als mit seinem früheren Ich. Nicht zu vergessen Henriette von Gontard und Tochter Luise. Henriette hat ja in diesen Romanen immer nur eine Nebenrolle und es ist schön, dass sie und Luise diesmal ein wenig mehr Raum bekommen.

Was den Kriminalfall angeht, so ist die Lösung nicht unbedingt gleich zu erkennen und Uwe Schimunek hat den einen oder anderen Holzweg für seine Leser eingebaut, so dass man doch über eine längere Strecke miträtseln kann.

Empfehlenswerte Lektüre

Tragödie im Courierzug ist in der Reihe "Es geschah in Preußen" erschienen. Der Roman bietet viele Informationen, vereint mit einem lesenswerten Krimi. Sozusagen bestes Lesefutter: Man hat seinen Spaß und bildet sich dabei. Auch in diesem Roman wird wieder eine technische Neuerung des 19. Jahrhunderts in den Mittelpunkt gestellt, die Eisenbahn. Dies bietet einen interessanten Hintergrund für die Handlung. Hier schlägt sich eine offenbar intensive Recherche des Autors nieder, dem es aber auch gelungen ist, die nüchternen Ergebnisse seiner Nachforschungen in plastische, für den Leser nacherlebbare Beschreibungen umzusetzen und so viel Atmosphäre zu vermitteln.

Der Jaron Verlag gestaltet die Cover der Reihe liebevoll, so dass die Bücher auch dem Auge gefallen. Markenzeichen ist immer der rote Siegellack-Klecks, der auf von Gontard hinweist. Aber auch in diesem Buch - gerade in diesem! - wäre eine Karte toll, die dem Leser hilft, sich auf der Zugstrecke zu orientieren.

Dieser Krimi ist zu empfehlen. Und es lohnt sich, die ganze Reihe zu lesen, denn die ist ein ganz besonderes Projekt.

Tragödie im Courierzug

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