Die Kathedrale der Ewigkeit

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2014, Titel: 'Die Kathedrale der Ewigkeit', Originalausgabe

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Annette Gloser
Liebe, Lügen und Intrigen

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2014

Naumburg, zur Mitte des 11. Jahrhunderts. Die Kathedrale ist geweiht, der Schleier der heiligen Plantilla liegt wohlverwahrt in seinem Reliquiar und viele Pilger kommen in die Burgsiedlung an der Unstrut. Markgräfin Uta jedoch ist noch immer in ihrer unglücklichen Ehe mit Ekkehard gefangen und sehnt sich danach, endlich mit ihrem Geliebten Hermann, Ekkehards Bruder, zusammen leben zu dürfen. Allerdings hat die tatkräftige Uta schon längst einen Plan, um diese Ehe auflösen zu lassen. Kaiserin Gisela hat bereits ihre Unterstützung zugesagt. Als aber Hermann und Uta gemeinsam Ekkehard um seine Zustimmung zur Auflösung der Ehe bitten, reagiert dieser äußerst ablehnend. Am Tag darauf ist Hermann verschwunden und im Wald wird eine von Wölfen zerfleischte Leiche gefunden, die seine Kleider trägt. Die Leichenbeschau ergibt, dass Hermann sich offenbar in selbstmörderischer Absicht von den Tieren angreifen und zerreißen ließ. So wird ihm auch ein ehrenhaftes Grab verwehrt und er wird auf dem Schandacker begraben.

Uta bricht zusammen. Der geliebte Mann ist tot und in Schande begraben. Sie kann nicht glauben, dass Hermann sich selbst töten wollte und beschließt, für sein ehrenvolles Begräbnis zu kämpfen. Gemeinsam mit der medizinisch gelehrten Schwester Almut aus dem Moritzkloster will sie den Leichnam exhumieren und beweisen, dass Hermann getötet wurde. Die heimliche Leichenschau bringt an den Tag, dass der Tote ermordet wurde, vor allem aber, dass da nicht Hermann in der Erde verscharrt wurde, sondern ein fremder Mann. Mit niemandem kann Uta darüber sprechen, denn gegen den Willen von König und Ehemann hat sie die Leichenschau durchführen lassen. Aber wohl nicht so heimlich und unbemerkt, wie sie zunächst geglaubt hat, denn bald geschehen unheilvolle Dinge in der neuen Kathedrale und im Volk wird gemunkelt, dass Markgräfin Uta einen Fluch auf die Kathedrale beschworen hat, weil sie gegen Gottes Willen handelte und den Leichnam wieder ausgraben ließ.

Ungebrochener Hang zur Romantik

Ein kluger Literaturkritiker sagte einmal sinngemäß, dass man beim Lesen eines historischen Romans nichts über die Zeit erfahre, in welcher der Roman spielt, um so mehr jedoch über die jeweiligen Autoren der Romane. Nun, beim Lesen von Die Herrin der Kathedrale erfährt man über die Autorinnen zumindest zwei Dinge: Sie recherchieren mit viel Engagement und sie haben einen ungebrochenen Hang zu romantischer Liebe. Zugleich schreiben sie ihre Geschichte mit viel Freude am Erzählen und verstehen es, ihre Leser mitzunehmen auf eine spannende Reise.

Dabei hat man zwar als Leser durchaus im Hinterkopf, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt, aber es wärmt das Herz, sich Markgräfin Uta genau so vorzustellen, wie Nadja und Claudia Beinert sie sich erdacht haben: mit Freundinnen aus dem einfachen Volk, tatkräftig, ungeduldig, zielstrebig, getragen von ihrer großen Liebe. Und ein bisschen traurig macht es, wenn man weiß, dass von der beschriebenen großartigen Kathedrale der Ewigkeit nichts geblieben ist als die überbauten Grundmauern unter dem heutigen Naumburger Dom.

In ihrem Nachwort schildern die Autorinnen genau, was über Uta von Ballenstedt, Markgraf Ekkehard und seinen Bruder Hermann bekannt ist. Sie haben sehr gründlich die Rechtslage im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation während der verschiedenen Epochen des Mittelalters erforscht und die Beinert-Schwestern sind vermutlich mittlerweile ausgewiesene Fachfrauen für den Bau romanischer Kirchen und deren Ausmalung. Dies spürt man deutlich beim Lesen, denn hier wird fachlich fundiert beschrieben, wie der Dom ausgemalt wird, man schaut den Handwerkern förmlich bei der Arbeit zu.

So ist es den Autorinnen gelungen, ihre auf Vermutungen und Möglichkeiten zwischen den gesicherten Fakten beruhende Geschichte mit viel Realität zu erfüllen. Wer Die Kathedrale der Ewigkeit liest, der hat also kein reines Phantasieprodukt vor sich, sondern eine Mischung aus Fakten und Fiktion.

Lebendig und farbenfroh

Claudia und Nadja Beinert ist es gelungen, die mittelalterliche Burgsiedlung auferstehen zu lassen. Man lernt ihre Bewohner kennen, manche von ihnen sogar lieben. Andere sind unangenehme Mitmenschen. In der Siedlung wird gehandelt und gewerkelt, die Kathedrale wird ausgemalt und Uta muß sich ganz handfest z.B. um Menüabsprachen mit dem Koch kümmern. Pilger kommen und gehen, die Menschen haben Angst vor unerklärlichen Geschehnissen, Kinder machen jede Menge Unfug. So wird der Roman mit viel Leben erfüllt.

Dabei haben die Autorinnen diesmal dem Markgrafen Ekkehard die Chance gegeben, sich als Mensch zu rehabilitieren. Er ist nicht mehr so dumpf und grob, wie man ihn aus Die Herrin der Kathedrale vielleicht noch in Erinnerung hat. Dabei ist er keineswegs plötzlich ein sensibler Feingeist geworden. Aber die Autorinnen lassen ihre Leser jetzt mehr teilhaben an seinem Denken und Fühlen, so dass man seine Konflikte gut nachvollziehen und ihn in seinem Handeln besser verstehen kann.

Es gibt sie immer noch, die einfach böse gestrickten Charaktere, genauso wie die einfach nur guten. Aber weitaus mehr als im Vorgängerroman hat man hier das Empfinden, vielschichtigen Protagonisten zu begegnen, Menschen, wie es sie in der Realität auch gegeben haben könnte. Dies gibt dem Buch viel Farbe, mal ganz abgesehen von der vielen Maler-Farbe, die für die Bilder im Dom gebraucht wird.

Ein wunderbarer Schmöker

Auch wer Die Herrin der Kathedrale nicht gelesen hat, kann getrost zum Folgeband Die Kathedrale der Ewigkeit greifen. Der Leser kann schnell in die Geschichte einsteigen und benötigt nicht unbedingt Vorkenntnisse aus dem ersten Teil der (beabsichtigten) Trilogie. Der jetzt vorliegende Band ist ein ganz wundervoller Schmöker, im besten Sinne des Wortes: Man beginnt zu lesen und mag nicht mehr aufhören, bis man am Ende angekommen ist. Unbedingt zu empfehlen sind das Nachwort der Autorinnen und ein Blick auf die hintere Coverklappe, die einen Grundriß der Uta-Kathedrale zeigt und die Ausmalungen, die von den Autorinnen für die Wände erdacht wurden, benennt. Wer beim Lesen über unbekannte Worte stolpert, dem steht ein Glossar zur Verfügung, mit dem man auch gleich ein bisschen seine Kenntnisse in Kirchenarchitektur auffrischen kann: Es ist alles ohne komplizierte Fremdworte sehr genau erklärt. Die innere Umschlagseite zeigt eine Karte des Salischen Reiches. So kann man im Roman beschriebene Reiserouten gut nachverfolgen oder auch schnell noch mal nachschauen, wo dieses Naumburg oder auch dieses Speyer eigentlich liegen.

Der Verlag Knaur ist sehr liebevoll mit diesem Roman umgegangen, davon zeugt auch die Covergestaltung, die dem Inhalt des Buches voll und ganz gerecht wird.

Mit diesem Roman kann man eigentlich nichts falsch machen und sich nach dem Lesen einfach nur auf den Herbst 2015 freuen, wenn der dritte Teil der Trilogie erscheinen soll.

Die Kathedrale der Ewigkeit

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07.12.2014 13:54:45
Petra Meyeroltmanns

Die Naumburger Kathedrale ist fertiggestellt, jetzt soll sie noch verschönert werden. Uta von Ballenstedt und Hermann von Naumburg haben zusammen mit Simon, dem Maler, einen Gemäldezyklus entworfen, der die Innenwände schmücken soll und in dem die Besucher des Gotteshauses die Geschichte Jesus wie in einem (steinernen) Buch erleben können sollen.

Gleichzeitig betreibt Uta die Scheidung von ihrem ungeliebten Gatten Ekkehard, damit sie ihren Schwager Hermann heiraten kann. Dazu benötigt sie nicht nur die Zustimmung Ekkehards sondern auch die des Kaisers. Doch dann verschwindet Hermann plötzlich und einige Tage später wird eine durch Tierbisse verstümmelte Leiche gefunden. Ist das Hermann?

Schon das Cover zeigt, dass es sich hier um eine Fortsetzung des Romans „Die Herrin der Kathedrale“ handelt, beide Cover passen sehr gut zusammen, das gefällt mir sehr gut.

Obwohl ich am Vorgängerroman viel Kritik geübt habe und zunächst auch gar keine Fortsetzung lesen wollte, hatte ich dann doch Lust, diese zu lesen. Und das war gut so, denn „Die Kathedrale der Ewigkeit“ gefällt mir deutlich besser, ich habe auch den Eindruck, als hätten sich die Autorinnen die Kritiken zu Herzen genommen und viele der Kritikpunkte beseitigt. Uta z. B. kommt mir jetzt viel zugänglicher und sympathischer vor – und sie hat sich ihr Gemurmel abgewöhnt. Auch sehr gut gefällt mir, dass nun Wörter wie „Reliquie“ benutzt werden und man nicht dauernd durch „Eindeutschungen“ wie „Überbleibsel“ aus dem Lesefluss gerissen wird. Auch die Sprache empfinde ich als immer noch zur Zeit passend aber weniger schwülstig als im Vorgänger.

Interessant ist der historische Unterbau des Romans, zum Einen die damaligen medizinischen Kenntnisse, anschaulich durch Utas Jugendfreundin, der Nonne und Heilerin Alwine vermittelt, zum Anderen die Kirchenmalerei (besonders angetan hat mir die genaue Schilderung der Malereien und deren Enthüllung als Einheit – ich war erstaunt, im Nachwort zu lesen, dass dies reine Fiktion ist), die die Autorinnen dem Leser sehr kenntnisreich nahe bringen und diesen dadurch zum Recherchieren ermutigen. Auch der Regierungswechsel von Kaiser Konrad zu dessen Sohn Heinrich findet Einzug in das Romangeschehen. Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Beschreibung des Leichenzugs nach Speyer.

Die Geschichte rund um Hermanns Verschwinden, dem Leichenfund und der Ermittlung Alwines und Utas, was wirklich dahinter steckt, entwickelt sich zu einem richtigen Kriminalfall und ist ziemlich spannend. Der Leser kann miträtseln, die Auflösung ist gelungen und logisch hergeleitet. Man muss sich natürlich klar machen, dass neben dem historischen Unterbau die Handlung nahezu durchgehend fiktiv ist, über Utas Leben ist fast nichts bekannt. Im Nachwort erklären die Beinert-Schwestern aber, inwieweit historische Überlieferungen (wie z. B. Hermanns Todesjahr) sich doch mit der hier erzählten Geschichte decken könnten.

Sehr gut auch wieder das Zusatzmaterial, neben einer Karte des salischen Reiches gibt es einen Grundriss der Kathedrale, ein Personenverzeichnis mit Kennzeichnung der historischen Persönlichkeiten, ein Glossar und ein interessantes Nachwort, in dem sich die Autorinnen auch darüber auslassen, was Fiktion und was Wahrheit ist. Gefehlt haben mir leider wieder genauere Zeitangaben, so ist ab und zu wieder nicht klar, wie viel Zeit vergangen ist. Da der Roman innerhalb eines Jahres spielt, ist das allerdings nicht so gravierend wie noch im Vorgänger.

Die Autorinnen haben im Nachwort einen Nachfolgeband angekündigt, der allerdings offenbar nicht mehr von Uta handeln soll sondern von dem Bildhauer, der Utas Stifterstandbild im Naumburger Dom gefertigt hat. Ich bin gespannt.

Insgesamt habe ich den Roman sehr gerne gelesen und fand ihn ziemlich spannend. Ich kann ihn allen empfehlen, die gerne gut recherchierte historische Romane lesen und mit einem guten Quantum Fiktion leben können. Man muss den ersten Band nicht unbedingt vorher gelesen haben, es erleichtert allerdings den Zugang zu den Charakteren.