Ich malte die Sonne - Die Berufung

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Salonlöwe, 2013, Titel: 'Ich malte die Sonne - Die Berufung', Originalausgabe

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Annette Gloser
Über die Teilbarkeit der Liebe

Buch-Rezension von Annette Gloser Okt 2014

Heidelberg im Jahre 1657, nur wenige Jahre nach dem großen Krieg. Daphne von Owen ist das einzige verbliebene Kind des Hofsyndicus Freiherr Theodor Alexander von Owen und seiner Gemahlin Johanna Elisabeth, geborene Gonzaga. Die zehnjährige Daphne lernt Sprachen leicht und spielend, sie ist wissbegierig, vor allem aber zeigt sie großes Talent zum Malen. Immer wieder bedauert Freiherr von Owen, dass all diese vielen Talente an ein Weib doch verschwendet wären. Dennoch liebt er seine Tochter und gewährt ihr viele Freiheiten. Auch den Zeichenunterricht, den seine Tochter beim Hofmaler des pfälzischen Kurfürsten erhält. Dennoch wünscht der Hofsyndicus für seine begabte Tochter vor allem eins: Eine standesgemäße Ehe. Als die Eltern einen Bräutigam für sie aussuchen, fügt sich Daphne ihren Wünschen, zumal sie ihren zukünftigen Mann innig liebt und ein glückliches Leben vor ihnen zu liegen scheint. Dann jedoch zerschlagen sich die Heiratspläne und Johanna Elisabeth, geborene Gonzaga, bittet eine Verwandte in Paris, Daphne für zwei Jahre bei sich aufzunehmen. In Paris, im Hause der Herzogin Anne de Gonzague, soll Daphne endlich einen Ehemann finden und heiraten.

Die Herzogin jedoch hat andere Pläne. Und Daphne selbst beginnt, sich eine Karriere als Künstlerin aufzubauen. Bald werden ihre Portraits in ganz Paris gerühmt. Daphne beantragt die Aufnahme in die königliche Kunstakademie. Aber nicht jedem dort ist es recht, wenn eine Frau dort als Portraitmalerin zugelassen wird. Die junge Malerin jedoch genießt mittlerweile sogar den Schutz durch den König, denn auch Ludwig XIV. weiß ihre Kunst zu schätzen. Allerdings nicht nur die Kunst. Bald steht Daphne zwischen zwei Männern. Und sie liebt beide.

Brave Mädchen kommen in die Académie...

Cornelia Mohrmann legt mit Ich malte die Sonne - Die Berufung den ersten Teil einer geplanten Trilogie vor. Im Mittelpunkt steht die begabte Daphne von Owen, eine fiktive Gestalt mit vielen sympathischen Charakterzügen, allerdings auch mit wenig Ecken oder Kanten. Daphne ist meist ein sehr braves Mädchen und versucht keinesfalls, sich mit dem Kopf durch die Wand eigene Lebenswünsche zu erfüllen. Allerdings dürfte sie damit auch sehr realistisch gestaltet sein, denn junge Mädchen, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegen den Willen der Eltern offen rebellierten, gab es wohl nicht so sehr viele. Ein Leben außerhalb der Gesellschaft würde Daphne nicht riskieren. Vielmehr strebt sie an, ihre Fähigkeiten in dem Rahmen zu verwirklichen, der ihr offen steht, und das ist die Académie royale de peinture et de sculpture. Selbstverständlich wäre dies sehr langweilig, wenn alles glatt gehen würde. Geht es aber natürlich nicht, und es ist interessant, welche Wege ein braves Mädchen so finden kann, um seine Wünsche zu verwirklichen. Da hat man durchaus seinen Spaß beim Lesen.

Zudem bietet der Roman einen sehr speziellen Blick auf Ludwig XIV. und viele andere Persönlichkeiten der französischen Geschichte, auch der Kunstgeschichte. Es entsteht ein ausgesprochen lebendiges Genrebild, welches nicht nur großartige Feste und Teile des Hoflebens schildert, sondern auch viel vom Alltagsleben der höheren Stände erzählt. Hier wird von Kunst und Politik, von Liebe und Intrigen, großen Gefühlen und kühlem Kalkül erzählt. Allerdings wird wohl nicht jeder Leser die zum Teil recht detaillierten Erotikszenen mögen, die in diesem Roman enthalten sind. Sie gehören jedoch zur Handlung und Cornelia Mohrmann ist es gelungen, trotz heißer Liebesszenen aus diesem Roman eine anspruchsvolle Geschichte und keinen Nackenbeißer zu machen.

Informativ und spannend

Die Autorin schreibt so, dass man sich sehr schnell in die Zeit des Barock versetzt fühlt. Vor allem viele französische Worte sind in den Text eingebaut. Allerdings geschieht dies auf eine sehr angenehme Art, denn selbst wenn man nie Französisch gelernt hat, kann man aus dem Zusammenhang schnell erschließen, was gemeint ist. Diese Art der Sprache entspricht in hohem Maße dem Stil, der in Adelskreisen gepflegt wurde und verleiht dem Roman einen sehr angenehmen, realistischen Zug. Manchmal allerdings haben sich Modernismen eingeschlichen, die beim Lesen stutzen lassen. Derartige Ausrutscher tun dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch und der Autorin ist es gelungen, ihre Geschichte ungemein glaubhaft in das reale Geschehen am französischen Hof und an der Académie zu integrieren.

Beim Lesen wird auch deutlich, dass Cornelia Mohrmann umfangreich und auf vielen verschiedenen Gebieten recherchiert hat. Insbesondere im Bereich der Malerei des Barock scheint die Autorin fachlich ausgesprochen beschlagen zu sein. Sollten irgendwo historische Schnitzer passiert sein, so fallen sie nicht auf, und das spricht für die Qualität des Romans. Selbst den recht häufigen Gebrauch der erst im 19. Jahrhundert erfundenen Occhispitze kann man problemlos verschmerzen. Nur ein Faux pas springt zumindest die Kunstexperten vermutlich sofort an: Da wird das Geißblatt (Jelängerjelieber) zur exotischen Kübelpflanze hochstilisiert, und das, wo diese Pflanze in ganz Europa wild wächst und sogar die Gallionsfigur der Barockmalerei, Peter Paul Rubens, die Pflanze auf einem seiner bekanntesten Bilder verewigt hat, mit Gemahlin Isabella in der Geißblattlaube. Solange jedoch die wesentlichen Details stimmen, und das ist in diesem Roman der Fall, sind derartige Kleinigkeiten gerne zu vernachlässigen. Dafür findet der Leser eine Fülle von Informationen, ganz spannend verpackt in die Geschichte einer zwar fiktiven, aber sehr liebenswerten jungen Frau.

Gelungenes Debut

Ich malte die Sonne - Die Berufung ist ein gelungenes Romandebut und lässt auf die Folgebände der Trilogie hoffen. Das umfangreiche Vorwort schenkt dem Leser zusätzliche Informationen und sollte unbedingt Beachtung finden. Auch ein Personenverzeichnis gehört zur Ausstattung des Buches. Hier wäre zu wünschen, dass für die Leser deutlicher kenntlich gemacht wird, welche Protagonisten fiktiv sind und welche realhistorisch. Ein ausführliches Glossar rundet die durchaus hochwertige Ausstattung des Romans ab. Nur das Cover entspricht so gar nicht dem hohen Niveau, welches dieser Roman zu bieten hat. Hier glaubt man eher, ein Jugendbuch vor sich zu haben und hätte sich für diesen Roman eine etwas weniger laienhafte Gestaltung gewünscht. Leider sind den Korrekturlesern auch recht viele Fehler entgangen, was ärgerlich ist. Nur gut, dass die Geschichte mit so viel Verve erzählt wird, da nimmt man die Fehler mit einem Achselzucken hin und hofft, der Verlag möge in Zukunft hier sorgsamer vorgehen.

Ein Roman, den man gerne weiter empfiehlt und der seinen Lesern ganz wunderbare, entspannte Lesestunden schenken kann.

Ich malte die Sonne - Die Berufung

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Letzte Kommentare:
22.10.2015 00:29:08
Bacchus

Zugegeben, „Ich malte die Sonne - Teil 1“ war mein erster historischer Roman und wird mit Abstand nicht der letzte bleiben. Der Auftakt der Triologie von Cornelia Mohrmann bietet Sex, Verrat, Intrigen und eine unumkehrbare Berufung, quasi Geschichten wie sie im Kleinen auch das eigene Leben schreibt, und sich dabei zurückversetzt im französischen Absolutismus um das Jahr 1669 zu wissen.
Mit einer Sprachgewalt und einer detailgetreuen Schilderung aller Rahmenbedingungen und Partizipanten, erfreut sich der Leser an der adretten Daphne von Owen, die einen steinigen und beschwerlichen Weg auf sich nimmt, eine einfühlsame und kognitiv begabte Heldin, einzig und allein um sich Ihrem Talent, der Malerei zu widmen. Dass es sich für eine Frau von Stande zu damaliger Zeit, und entsprechend gewollt die nicht hellste Kerze auf der Torte, nicht unbedingt schickt fernab der bloßen Zerstreuung zu zeichnen, lässt die Irrungen und Wirrungen erahnen, mit welchen sich die junge Baronesse bald konfrontiert sehen muss. Neben Hass, Neid und Missgunst sind alle Erstrebungen um Frankreichs bedeutendste Portraitmalerin durch den stupiden Wunsch der besorgten Eltern limitiert, das Kind möge doch endlich unter die Haube kommen.
Von politisch arrangierten Hochzeiten, über hochkarätige Affären und mehrfacher Liebe über Frömmigkeit, Keuschheit bis hin zur Homosexualität. So geistreich gespickt, seien es Krankheitsaspekte oder anatomische Vorlesungen, die damaligen kulinarischen Genüsse, Einführung von Kaffee oder Eis oder die höfischen Umgangsformen; man könnte meinen, man befände sich mitten am französischen Hofe. Die authentisch aufgearbeitete Geschichte um Louis XIV., die mit der fiktiven Handlung um Daphne eng umwoben liegt, birgt wissenswerte Erkenntnisse nicht zuletzt über Modetrends der damaligen Zeit oder des Sonnenkönigs sexuelle Gewohnheiten. Das Amüsement, unerwartete Wendungen und Spannung hierbei keinesfalls auf der Strecke bleiben, liegt auf der Hand.
Hat man das zähe Geleitwort erst einmal über sich ergehen lassen, welches für das nachfolgende Verständnis aber unumgänglich bleibt, begleitet man Daphne durch ihre Heidelberger Kindheit zur Zeit von Kurfürst Ludwig Karl I. von der Pfalz, wo bereits die ersten schicksalhaften Fügungen nicht lange auf sich warten lassen und ehe man sich versieht, siedeln Handlung und Daphne über nach Paris, in ein repräsentatives französisches Palais. Die einzigartigen Beschreibungen und köstlichen Dialoge erzeugen Echtzeitstimmung und lassen den Roman in nur wenigen Tagen verschlingen. Das ernüchternde Unliebsame bleibt wie so oft auf der letzten Seite eines fesselnden Romans, das Ende des Buches. Doch aus der Not eine Tugend machen; Fortsetzung folgt. Man lese geschwind den Teil 2 der Trilogie, welches gottseidank mit einem professionelleren Cover imponiert.

27.07.2015 19:02:31
Hannes

Schade, aber jedes Buch ist einmal zu Ende.
Ich habe es genossen. Schon die kurzen Inhaltsangaben zu jedem Kapitel erhöhen die Spannung auf das was man lesen wird. Diese Kurzangaben entsprechen auch den voluminösen Hinweisen bei Büchern aus der geschilderten Barockzeit.
Hätte Frau Gloser nicht in Ihrer Rezension auf die vorhandene Erotik hingewiesen, wäre es mir wahrscheinlich gar nicht als eventuell störend aufgefallen. Aber hier fehlt wohl bei der Rezensentin die französische Leichtigkeit. Schließlich ist dies kein Roman aus der viktorianischen Zeit.
Ich kann dem Cover auch keine laienhafte Gestaltung vorwerfen, denn diese Gestaltung trifft exakt die Wiedergabe einer Karikatur, die Daphne von Ludwig dem XIV. anfertigte.
Einer Meinung bin ich mit Frau Gloser, dass die, auch in der zweiten Auflage auftauchenden Rechtschreibfehler, längst korrigiert hätten werden müssen.
Ein echter Faux pas ist für mich, wenn in einem Roman, in dem die Malerei eine so wichtige Rolle spielt,
der italienische Maler Caravaggio ständig Caravaggio genannt wird. Nachdem der angedeutete Lebensstil und die Art des Malens eindeutig auf Caravaggio hinweisen, kann es kein fiktiver Maler Cavaraggio sein.
Alles in allem erhält das Buch von mir volle Punktzahl.
Ich freu mich schon auf den Nachfolgeband.