Turnvater Jahn

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Jaron, 2014, Titel: 'Turnvater Jahn', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Frisch, fromm, fröhlich, frei Eine Geschichte von Deutschlands Turnervater 

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Okt 2014

Berlin, 1811. In der Hasenheide geschieht etwas, dem man zunächst wenig Bedeutung beimisst. Ein Mann namens Friedrich Ludwig Jahn eröffnet einen Turnplatz, einen Ort der körperlichen Ertüchtigung. Doch inmitten eines Landes, das unter der napoleonischen Herrschaft stöhnt, erweckt die körperliche Ertüchtigung junger Männer schnell Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, weil Jahn seit langem als notorischer Störenfried bekannt ist: von sämtlichen Universitäten geflogen und wegen seiner aufrührerischen Reden den Herrschenden ein Dorn im Auge, wird sein Tun beobachtet. Und die Befürchtungen sind nicht unbegründet: denn Jahn hat nicht weniger als die Ertüchtigung der deutschen Jugend zum Freiheitskampf gegen Napoleon im Sinn.

Friedrich Ludwig Jahn geboren 1778 als Sohn eines Pastors, gestorben nach einem aufsehenerregenden Leben im Jahre 1852 ist den meisten Deutschen nur als Namensgeber zahlreicher Sporthallen im ganzen Land bekannt. Auch der ihm zugeschriebene Spruch "Frisch, fromm, fröhlich, frei" genießt nicht zuletzt seit Theo Lingens Oberstudiendirektor Doktor Tafft in den Pauker-Filmen ebenfalls eine gewisse Beliebtheit. Doch wer war dieser Jahn? Wie hat er gelebt, was hat ihn angetrieben? Diesen Fragen geht Horst Bosetzky, unter den Autoren historischer Romane und Krimis kein unbeschriebenes Blatt, in diesem biographischen Roman nach.

Ein spannendes Leben, intensiv erzählt

Nach der sehr individuell gestalteten und äußerst amüsanten Einleitung, über die hier nicht mehr verraten werden soll, hangelt sich der Autor stringent am Leben des Turnvaters entlang. Von seinen Kindheits- und Jugendjahren bis hin zu seinen Studentenjahren, in denen der junge Mann zum ersten Mal auffällt - in erster Linie durch seinen Widerstand gegen bestehende Autoritäten.

Jahns Bestreben seit frühen Jahren ist die deutsche Einigkeit. Als Zeuge eines zerrissenen Deutschlands, das sich kaum als solches begreift und das vom fortschrittlichen Frankreich regelrecht überrollt wird, glaubt er fest daran, dass der einzig erfolgreiche Weg der zur nationalen Einheit ist. Diese Gedanken teilt er mit vielen Altersgenossen, doch Jahn - ein Mitbegründer des Nationalismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - geht sein Vorhaben offensiv an. Er verschreibt sich der Pflege der deutschen Sprache und der körperlichen Ertüchtigung. All diese Ettappen in Jahns Leben schildert der Autor spannend und unterhaltsam, ebenso wie die verschiedenen Strömungen, die Jahn zu dem Mann machen, der schließlich an den Freiheitskämpfen teilnimmt und zum Turnvater wird.

Ein packendes Bild einer bewegenden Zeit, das sich überraschend gut lesen lässt

Die Bezeichnung "biographischer Roman" wird manchen Leser abschrecken. Dabei ist Horst Bosetzkys Roman weit entfernt von Attributen wie "trocken" oder "öde". Seine Biographie von Jahn liest sich wie ein Roman, weist stellenweise Züge eines Entwicklungsromans auf. Vor allem aber überzeugt der Autor durch sein Bild einer wechselhaften und spannenden Epoche, in der das Eroberungsstreben eines kleinen Korporal letzten Endes den schwelenden Nationalismus in Deutschland aufweckt, der im Hambacher Fest und im ersten deutschen Parlament mündet. Ebenso zeigt Bosetzky aber auch die Schattenseiten dieser Bewegung auf: Hass gegen alles Fremde, gegen das Ausland, gegen das Undeutsche. Die Radikalität der Nationalisten, die manchmal beängstigend an das erinnert, was rund 100 Jahre später geschehen sollte, wird ebenfalls spannend dargestellt.

Der Leser mit Vorkenntnissen ist an diesen Stellen natürlich im Vorteil, kann Äußerungen von Zeitgenossen und historische Ereignisse unmittelbar im Kontext zuordnen. Doch auch für alle anderen ist dieser biographische Roman eine echte Empfehlung, wenn man sich für die Epoche interessiert und sich mit einem ihrer widersprüchlichsten Charaktere auseinandersetzen will. Einzig die Kürze des Werkes ist ein kleiner Wermutstropfen.

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