Deutscher Meister

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Hoffmann & Campe, 2014, Titel: 'Deutscher Meister', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Ein würdiges Denkmal für einen vergessenen Kämpfer

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Okt 2014

Berlin, im Sommer 1933. Noch nicht einmal ein halbes Jahr ist seit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler vergangen, doch die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus und das Rassendenken setzen sich bereits tief in der Gesellschaft fest. Das geht auch am Boxsport - Hitlers erklärten Lieblingsform der Leibesertüchtigung - nicht spurlos vorbei. Jüdische Boxer und Funktionäre werden ausgeschlossen, die deutsche Notgemeinschaft wird gegründet. Doch da ist jemand, der den Plänen vom rassisch reinen Boxsport ein Schnippchen schlagen könnte: Johann Wilhelm Rukelie Trollmann. Trollmann ist für seinen unkonventionellen Stil bekannt, erfolgreich, beim Publikum beliebt - und Sinto. Noch hat die Verfolgung des NS-Regimes Sinti und Roma nicht vollends erreicht, und für Trollmann bietet sich die Chance auf den Meistertitel im Halbschwergewicht - und auch darauf, den selbsternannten Herrenmenschen ihre Grenzen aufzuzeigen. Doch Trollmann hat nicht nur einen Gegner im Ring gegen sich ...

Ein literarisches Denkmal

Wenn die Menschen heute an die Verfolgung und Unterdrückung durch die Nationalsozialisten denken, nehmen Sinti und Roma nur einen kleinen Platz ein. Nicht weiter verwunderlich - wenn auch deshalb nicht weniger tragisch - ist daher die Tatsache, dass Johann Wilhelm Trollmann - Rukelie - in der Erinnerung der Deutschen kaum noch präsent ist. Erst in den 90er Jahren wurde er nachträglich in die Riege der Deutschen Meister aufgenommen.

Stephanie Bart hat sich entschlossen, Rukelie ein literarisches Denkmal zu setzen, indem sie seinen Meisterschaftskampf vom Juni 1933 und seinen letzten Kampf kurze Zeit später zum Thema ihres Buches macht. Doch Deutscher Meister ist mehr als nur ein Buch über das Boxen: es ist ein Buch, das auf erschreckende Art und Weise zeigt, mit welcher Geschwindigkeit die nationalsozialistische Gleichschaltung funktionierte. Wie die Ideen des Führers in allen Gesellschaftsschichten auf fruchtbaren Boden fielen und die menschenverachtende Rassenlehre überall Einzug fand. Wie aus einem Sportverband eine Institution des Reiches wurde, gegen die Widerstand keine Aussicht auf Erfolg hatte. Und doch bleibt der Leser trotz der tragischen Geschichte um Trollmann mit einem grimmigen Lächeln zurück - denn Trollmann hat sich nicht untergeordnet, hat die Überlegenen der arischen Rasse nicht akzeptiert und sich nicht zum Spielball machen lassen.

Ein ganz besonderer Stil, der Lust auf mehr macht

Die Autorin glänzt neben der hervorragend erzählten Geschichte und ihrer starken Charakterzeichnung vor allem durch ihren Stil. Kurze, prägnante Sätze - wie kurze, präzise Schläge im Boxen - treffen den Leser genau beim richtigen Nerv, ziehen ihn in die Geschichte und lassen ihn sie miterleben. Wie ein Zuschauer beim Boxkampf wird der Leser mitgerissen und nimmt Anteil am Schicksal von Rukelie. Gleichzeitig gewährt Stephanie Bart Einblicke in den zunehmend gleichgeschalteten Boxverband und versteht es, anhand beispielhafter Schicksale die Wirkung der Veränderungen auf die ganze Bevölkerung wiederzugeben.

Deutscher Meister ist ein Roman, der Lust auf mehr macht. Denn die Autorin hat mit ihrem zweiten Roman stilistisch und inhaltlich einen wahren K.O.-Treffer gelandet. Es bleibt die Hoffnung, dass wir mehr von Stephanie Bart lesen werden. Und es bleibt die Hoffnung, dass mit dem Denkmal für Rukelie seine Geschichte und die aller Sinti und Roma während der NS-Zeit nicht vergessen wird.

Deutscher Meister

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Letzte Kommentare:
24.11.2014 15:47:15
-LENA-

n diesem Roman wird die Entwicklung eines Boxkampfes um die Deutschen Meisterschaft zu Beginn der NS-Zeit beschrieben.
Ttrollmann,ein Sinto,ist ein unkonventioneller Kämpfer,der von seinen Publikum verehrt wird. Die Machenschaften im Boxverband vermitteln das Gedankengut dieser Zeit.
Trollmann gewann im Juni 33 seinen Kampf , der Titel wurde aber nach 8 Tagen wieder aberkannt.Er passte nicht in die damalige Zeit.
Die Autorin beschreibt sehr detailliert die Boxkämpfe, etwas Lokalkolorit mit einigen Protagonisten, einzelne Prominente werden erwähnt.Die Figuren entwickeln sich kaum im Verlauf des Romans.
Der Sprachstil der Autorin konnte mich nicht überzeugen,allein auf zwei Seiten kam z.B."der erste Vorsitzende" etliche Male vor.
Aus diesen Kapitel der deutschen Geschichte hätte man mehr machen können,denn Trollmann ist eine interessante Figur. Erst 1993!! wurde er wieder in die Liste der deutschen Meister aufgenommen,hätte man im Epilog noch erwähnen können.
Schade ,das dies der Autorin nicht gelungen ist.

10.11.2014 14:26:36
leseratte1310

Johann Trollmann ist ein phantastischer Boxer, der einen Sieg nach dem anderen erringt. Aber er hat ein Handicap: Er stammt aus einer Sinti-Familie. Ausgerechnet in einer Zeit, als die arische Rasse als die einzig wahre Rasse gilt, möchte er deutscher Meister werden.
Die Rassengesetze werden vom deutschen Boxverband rigoros umgesetzt. Daher dürfen keine Juden mehr in dieser Sportart tätig werden, auch keine Trainer und Manager. Es muss ein Herausforderer gesucht werden für den Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Man kommt auf Trollmann, den man aber auf der Verliererseite sieht. Er selbst aber will gewinnen und trainiert verbissen. Er erringt den Sieg, der wird ihm aber bald wieder aberkannt. Das Publikum ist begeistert von ihm, die Verbandsmitglieder und die NS aber legen im Steine in den Weg. Seinen charakteristischen Boxstil darf er nicht anwenden.
Ich bin keine Fan des Boxsports, deshalb konnte ich mich für die Beschreibungen der Kämpfe nicht so erwärmen. Dafür fand ich die Geschichte um die Kämpfe herum umso spannender. Die Geschichte von Trollmann ist nicht fiktiv und steht beispielhaft für viele derartige Schicksale.
Der Schreibstil hat mich nicht überzeugt, er war ziemlich emotionslos und nüchtern. Die Charaktere kamen mir nicht nah. Thematisch war die Geschichte gut recherchiert.
Für Boxliebhaber und Geschichtsinteressierte ein interessantes Buch.