Der Hexenschöffe

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2014, Titel: 'Der Hexenschöffe', Originalausgabe

Couch-Wertung:

97
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Karin Speck
Hermann Löher, eine Stimme aus der Vergangenheit

Buch-Rezension von Karin Speck Okt 2014

Rheinbach im Jahre 1636. Auch hier brennen die Scheiterhaufen. Der junge Kaufmann und Schöffe Hermann Löher steckt mittendrin. Familienangehörige wurden schon vor Jahren der Hexerei angeklagt und verurteilt. Nun versucht er bei dieser erneuten Prozesswelle seine Familie zu schützen. Auch glaubt er nicht an die Existenz von Hexen und Zauberern, doch seine Meinung klar zu äußern könnte äußerst gefährlich werden. Trotz allem versucht er zu helfen.

Hexenwahn, Scheiterhaufen und mutige Protagonisten

Die Autorin hat hier geschickt historische Tatsachen mit einer fiktiven Handlung verbunden. So wie hier geschildert, könnte es damals durchaus gewesen sein. Es ist glaubwürdig und stimmig erzählt. Die gute Recherchearbeit aus dem Vorfeld ist beim Lesen deutlich zu spüren, mit viel Liebe zum Detail ist die Autorin hier herangegangen und hat so eine glaubwürdige Geschichte rund um den Schöffen Löher erzählt. Die einzelnen Charaktere, wie der von Löher oder seinem Sohn Bartel, hat sie gut ausgearbeitet und ihnen Leben gegeben.

Aber nicht nur die Geschichten rund um die Hexenprozesse werden gut geschildert, auch das Leben im 17. Jahrhundert wird dargestellt. Die Angst der Menschen, selbst in den Fokus der Inquisition zu geraten, ist so spürbar, dass man sich selbst beim Lesen immer wieder fragt, wer ist der Nächste und wie weit wird es gehen. Der Leser fiebert automatisch mit den Protagonisten mit, fühlt mit ihnen und bangt und hofft auf ein gutes Ende. Aber auch am Leben der Menschen lässt Petra Schier die Leser teilhaben, sie erzählt von den Bräuchen der Zeit wie zum Beispiel von dem Mailehen und den Reihjungen. Diese Szenen bringen etwas Licht in die eigentlich düstere Geschichte. Sie zeigen aber auch, dass es immer Hoffnung gibt. Denn die Autorin schildert auch ausführlich die Foltermethoden. Auch die Charaktere der Inquisition sind so beschrieben, dass sie einem Schauer über den Rücken jagen.

Über jedem Kapitel finden sich alte Textzeilen aus historischen Briefen von Hermann Löher. Sie sind in der alten Schrift verfasst und passen so gut dazu. Ein ausführliches Nachwort zum Schluss klärt dann Fiktion und Wahrheit. Für den geschichtsinteressierten Leser spannend zu lesen.

Ein großartiges Buch über den Hexenwahn im 17. Jahrhundert

Hier einmal eine Stimme zu hören, die sagt, es geht hier nur um Macht und Geld und eigentlich gar nicht darum, Hexen zu stellen, ist mal etwas ganz anderes und hebt sich dadurch aus der Masse der Bücher rund um die Hexenverfolgung hervor. Der Autorin ist es gelungen, die Stimme von dem historisch belegten Schöffen Hermann Löher zum Leben zu erwecken. Sie hat eine Geschichte erzählt, die eigentlich längst in Vergessenheit geraten ist und nun wieder Gehör findet.

Deutlich spürbar ist die gute Recherchearbeit, die hier im Vorfeld geleistet wurde. Es ist alles stimmig und glaubwürdig und dabei auch noch spannend. Das bisher wohl eindrucksvollste Buch von Petra Schier.

Der Hexenschöffe

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