Der Chauffeur

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Europa, 2014, Titel: 'Der Chauffeur', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Ein mutiger Entwicklungsroman um den Gralswahn der Nazis!

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Sep 2014

Deutschland in den 1920er Jahren. Max Wittacher, gebürtiger Schweizer, begleitet seine Dienstherrin zu einem Besuch beim populären Admiral Wilhelm Canaris. Ebenfalls anwesend: ein junger Marineoffizier, der die Gesellschaft mit seinem Geigenspiel unterhalten soll. Eine Verspannung im Rücken des jungen Offiziers, die der geschickte Max mit Leichtigkeit löst, ist der Startschuss für die Verbindung zwischen Max und Reinhard Heydrich, dem späteren Chef der nationalsozialistischen Sicherheitsdienste und zweiten Mann in der SS hinter Heinrich Himmler. Ohne es zu wollen, doch auch ohne sich zu wehren, gerät Max immer tiefer in das Netz der SS und der von ihrem obersten Anführer Heinrich Himmler fanatisch betriebenen Gralssuche. Dabei kreuzen immer wieder die Schwestern Addy und Charlotte seinen Weg ...

Zwischen Gralsgeschichte und Drittem Reich

Peter Berling, der bereits mit seinen Romanen über den Heiligen Gral populär geworden ist, kann auch in seinem neuesten Werk die Finger nicht von diesem mysteriösen und sagenumwobenen Gegenstand lassen. Der Kelch, der angeblich bei der Kreuzigung das Blut Christi auffing und der ewiges Leben verspricht, die Entwicklung des Mythos über die Jahrhunderte hinweg, bewegt die Menschen bis heute.

Auch in den 1930er und -40er Jahren in Deutschland erfreuten sich der Gral und seine mystische Geschichte in gewissen Kreisen großer Beliebtheit. Und an dieser Stelle wagt der Autor den Sprung mitten in die höchsten Kreise der SS: Heinrich Himmler, besessen von der Vorstellung, als Erbe der alten Germanen Deutschland wieder zum Urgermanentum zurückzuführen, umgab sich mit Gralsforschern wie Otto Rahn ebenso wie mit Okkultisten wie Karl Maria Weisthor Wiligut. Der Ausbau der Wewelsburg zur mystischen Zentrale der SS steht sinnbildlich für den starken esoterisch-okkulten Aspekt in Hitlers Totenkopforden.

Einblicke ins Innerste der Nazigrößen

Protagonist Max Wittacher, der mehr aus Zufall denn aus Absicht in diese Kreise gerät und aufgrund seiner Begabung schließlich zum persönlichen Physiotherapeuten Heydrichs wird, gewährt uns intime Einblicke in eine Welt zwischen Esoterik-Wahn und mörderischem Polizeistaat. Er wird zum Vertrauten wider Willen, wird Zeuge von Rivalenkämpfen innerhalb der SS und erlebt die Kumpelei unter den Männern, die den Massenmord an den europäischen Juden planen.

An diesem Aspekt des Buches werden sich die Geister scheiden die innige, fast schon intime Annäherung an Figuren wie Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich oder Karl Wolff (Chef des Stabes Reichsführer SS) ist mutig, ungewöhnlich und wird mit Sicherheit viele auf den Plan rufen, die fragen werden: Darf man das? Darf man sich auf diese Weise mit den Planern des Holocaust befassen? Darf man als Autor den Leser auf so romanhafte, menschliche Weise mit diesen Männern in Berührung bringen? Darf man sie, gesehen mit den Augen des Protagonisten Max, zu Menschen aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen, mit vielschichtigen Charakteren machen? Darf man das Menschliche an ihnen so hervorstellen?

Wer befürchtet, dass es hierbei zu einer Verharmlosung kommt, der irrt: das Gegenteil ist der Fall. Dem Leser wird in schonungsloser Weise vor Augen führt, dass auch die Planer der Judenvernichtung Menschen waren und gerade dadurch wird einem das Ausmaß ihrer Taten und deren Unmenschlichkeit vor Augen geführt. Denn das es Menschen waren und keine der Hölle entstiegenen Bestien die das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte geplant und organisiert haben, das ist das Entsetzlichste an dieser dunklen Epoche.

Ein besonderes Buch, das den Leser in vieler Hinsicht fordert

Neben diesen besonderen Begegnungen mit den Naziherrschern fordert das Buch den Leser auch in anderer Hinsicht: ein ausführliches Personenregister erleichtert zwar die Orientierung, doch eine wechselnde Erzählweise und verschiedene Erzählstränge fordern dennoch die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers kein Buch für zwischendurch. Auch einige Vorkenntnisse über die Führungsriege der SS und die Gralsgeschichte sind von Vorteil. Ansonsten kann der Leser auf den ersten 100 Seiten schnell auf der Strecke bleiben. Doch wer das Ringen mit dem Buch aufnimmt und sich auf seine Herangehensweise an die Thematik einlassen kann, der erlebt ein ganz besonderes Buch, dass durch seinen Stil, seine Charakterzeichnung und nicht zuletzt durch seinen Mut unter der Masse der Romane hervorsticht und den Titel "Besonderes Buch" verdient.

Der Chauffeur

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