Im Hause Longbourn

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Knaus, 2013, Titel: 'Longbourn', Originalausgabe

Couch-Wertung:

86

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:75
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Bettina Weiß
Ergänzung zu Jane Austen

Buch-Rezension von Bettina Weiß Sep 2014

Eine Geschichte hinter der weltberühmten Geschichte von Jane Austen: Stolz und Vorurteil aus Sicht der Hausangestellten. Sie sind immer da, sie kennen jede Befindlichkeit der Herrschaft und werden doch nicht wahrgenommen: Die Dienstboten in den wohlhabenden Häusern der feinen Gesellschaft.

Ein Leben zwischen Waschtrögen, Küche und Stall

Das Leben außerhalb der feinen Salons und der herrschaftlichen Zimmer ist hart: Der Waschtag bedeutet für die Bediensteten rissige, blutige Hände und Arbeit bis zur körperlichen Erschöpfung. Steht eine Einladung der Töchter des Hauses zu einer Abendgesellschaft an, so sind die Haare der Damen einzudrehen, was häufig mit Verbrennungen durch die Brennschere für die Zofen einhergeht oder aber es sind kurzfristige Besorgungen mit einem kilometerlangen Fußmarsch gefordert. Sind die Herrschaften auf dem Weg zur Gesellschaft, so werden sie natürlich gefahren und der Kutscher hat in Kälte und Regen bis zum Ende der Veranstaltung auszuharren. Die Hausangestellten haben auf die Rückkehr der Familie zu warten und die Herrschaft mit Tee und Gebäck zu versorgen.

Von all diesen Aufgaben erzählt der Roman aus dem Umkreis der Familie Bennet. Diesmal jedoch stehen die Hausangestellten im Mittelpunkt. Das Haushälterehepaar Mr. und Mrs. Hill, die eine besondere Stellung im Haus haben, weil Mrs. Hill ein spezielles Verhältnis zu Mr. Bennet unterhält. Das Hausmädchen Polly, die kaum dem Kindergartenalter entwachsen scheint, und schließlich die junge Hausangestellte Sarah, die eigentliche Hauptperson des Romans. Sie und ihre Wünsche, mehr aus ihrem Leben zu machen und die scheinbar gottgegebenen Grenzen zu sprengen, stehen im Fokus der Geschehnisse. Zudem wird James in den Haushalt aufgenommen, der als Hausdiener und Pferdeknecht still und leise seine Arbeit verrichtet. Denn ihn umgibt ein Geheimnis von großer Sprengkraft, das den gesamten Haushalt von Longbourn zerstören könnte.

Die Hausangestellten der Familie Bennet

Die Handlung von Stolz und Vorurteil bildet nur den äußeren Handlungsrahmen des Romans. Diese Geschichte von Jo Baker ist keine Fortsetzung, sondern eine Ergänzung des Romans von Jane Austen. Im Mittelpunkt steht die Hausangestellte Sarah, die sich ihrer untergeordneten und fremdbestimmten Stellung sehr bewusst ist und damit hadert. Sie strebt nach Höherem, in dem sie sich ein selbständiges Lebens in eigener Verantwortung wünscht und dieses auch in die Hand nimmt. Den Gegenpart bildet James, der in seiner Lebensgeschichte erzählt, dass ein solches Leben auch für Männer ohne gesellschaftliche Stellung kaum möglich ist, wenn sie als einfache Soldaten dienen und dem Wohlwollen der Offiziere unterworfen sind.

Dramatische Ereignisse ohne gesellschaftliche Grenzen

Der Roman zieht seine Spannung und den Reiz aus dem Zusammentreffen der bekannten Geschehnisse um die Familie Bennet und den Lebensgeschichten der Hausangestellten. Diese stehen den kleinen und großen Dramen im Leben der Herrschaft in nichts nach und sind nur allzu oft von diesen hervorgerufen. Die Diener sind in diesem Roman nicht nur die gesichtslosen dienstbaren Geister, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, mit eigenen Gedanken und Plänen für ihr Dasein. Mit Freuden und Trauer, Zielen und Wünschen für das eigene Leben. Daraus entseht eine stille, aber dennoch packende Handlung, die den Leser in seinen Bann zieht. 

Keine Kopie, sondern eigenständiger Stil

Positiv aufgefallen ist, dass die Autorin nicht versucht, den unnachahmlichen Stil von Jane Austen zu kopieren, sondern einen ganz eigenen, aber sehr passenden Ton findet, um ihre Geschichte zu erzählen. Abgerundet wird der positive Eindruck durch das Cover, das gut gewählt ist und in die Geschehnisse einführt. Der Roman besteht aus 19 Kapiteln, die jeweils mit einen Zitat aus Stolz und Vorurteil überschrieben sind und somit immer wieder Erinnerungen wachrufen und eine stimmige Verbindung zum Handlungsrahmen schaffen.

Insgesamt ein stiller, dennoch sehr reizvoller Roman, der die Lebenssituation der Dienstboten vergangener Tage zeigt und damit ein vergessenes Kapitel von Stolz und Vorurteil in den Mittelpunkt rückt. 

Im Hause Longbourn

Im Hause Longbourn

Deine Meinung zu »Im Hause Longbourn«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
23.11.2014 15:21:32
toma

"Stolz und Vorurteil" aus der Sicht des Dienstmädchens Sarah, das im Hause des Mr. Bennett lebt und vor allem arbeitet. Es ist nicht nötig, das Buch von Jane Austen gelesen zu haben, die Geschichte ist auch so sehr interessant, aber für Kenner ist es natürlich besonders faszinierend, die "Herrschaft" mal von der anderen Seite zu erleben. Man erfährt sehr viel über den Alltag im Haushalt eines nicht sehr begüterten englischen Landadeligen Anfang des 19. Jahrhunderts. Da wird von der großen Wäsche berichtet und wie mühselig es ist, Miss Elizabeth`s Petticoat wieder sauber zu kriegen, den sie beim Fußmarsch nach Netherfield mit Matsch beschmutzt hat, oder dass Sarah lange aufbleiben muss, um ihre "Damen" nach einem Ball zu erwarten, und dann trotzdem am nächsten Morgen als Erste wieder auf den Beinen zu sein hat.
Die Familie Bennett und ihre Verwandten/Bekannten sind aber nur insofern wichtig, wie ihr Verhalten sich auf das Leben ihrer Dienstboten auswirkt, denn die sind die eigentlichen Hauptpersonen.
Ab Mitte des Romans spielt der Hausdiener James eine größere Rolle, seine Geschichte bringt Abwechslung und Spannung, als sich schon ein paar leichte Längen einschleichen wollten.
Jo Baker hat gar nicht erst versucht, den Stil von Jane Austen nachzuahmen. Das Buch liest sich leicht und flüssig in einer gut verständlichen Sprache, die aber der damaligen Zeit ... aus heutiger Sicht .. angepasst ist. Ich habe es mit großem Interesse und Vergnügen gelesen und gebe dafür 90°

06.11.2014 15:22:59
hasirasi2

Ich hab lange überlegt, ob ich mir das Buch kaufe, weil ich Bedenken hatte, dass die Geschichte Jane Austen nicht gerecht wird, aber es hat mich nicht enttäuscht. Jo Baker hat eine wundervolle Bildersprache, man sieht die Situationen und vorhandenen Gegebenheiten förmlich vor sich und ist mittendrin.
Während oben im Haus bei der Herrschaft das Leben tobt, rackern sich unten die Dienstboten ab. Oft übersehen oder einfach ignoriert und für selbstverständlich genommen, ist für sie fast jeder Tag gleich. Die Stimmung ist düster, traurig, trostlos, so wie eben ihr Leben. Es gibt kaum Lichtblick, dafür wunde Hände vom mühsamen Wäschwaschen und schmerzende Rücken vom Buckeln.
Die Geschichte geht besonders auf das Leben von Sarah ein. Nach dem Tod ihrer Familie kommt sie ins Waisenhaus und von dort als Dienstmädchen zu den Bennets, da ist sie noch ein Kind. Inzwischen ist sie eine junge Frau, die sich mit ihrem Leben im Großen und Ganzen abgefunden hat. Sie denkt zwar noch manchmal an früher, aber es geht ihr doch ganz gut. Sie hat einen Schlafplatz, regelmäßiges Essen und ein "Ersatzfamilie" (die anderen Dienstboten). Manchmal träumt sie von einem anderen, besseren Leben, aber viel Zeit dazu und konkrete Vorstellungen hat sie nicht.
Dann tritt James in den Dienst der Bennets und damit in Sarahs Leben und zum ersten Mal bekommen ihre Träume ein Gesicht ...
Ich fand das Buch wirklich sehr schön geschrieben, einzig die Kapitel über James Zeit als Sodat passte für mich nicht so richtig dazu. Vielleicht hätte man das kürzer oder irgendwie anders abhandeln können.
Faszinierend finde ich auch, dass die Dienstboten in "Stolz und Vorurteil" wirklich vorkommen, wenn auch nur kurz.