Die Rache der Hurenkönigin

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Ullstein, 2014, Titel: 'Die Rache der Hurenkönigin', Originalausgabe

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68
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Eva Schuster
Dritter Fall für die Hurenkönigin

Rezension von Eva Schuster Sep 2014

Frankfurt im Jahr 1522: Ursel Zimmer, Gildemeisterin der städtischen Hurenzunft und bekannt als Hurenkönigin, besucht mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Bernhard von Wanebach die Frankfurter Herbstmesse. Seit Ursel Lesen und Schreiben gelernt hat, interessiert sie sich für Bücher und erwägt, die erlebten Kriminalfälle der vergangenen Jahre niederzuschreiben.

Reißenden Absatz finden in diesen Tagen die Schriften Martin Luthers. Für viel Wirbel sorgt aber auch eine Gegenschrift eines anonymen Verfassers, der offen zum Kampf gegen die Reformierten aufruft. Das Verhältnis zwischen den Katholiken und den Reformierten ist bis aufs Äußerste gespannt.

Wenig später erschüttert ein Mord die Stadt: Die Ehefrau des Nachtwächters, einem ehemaligen Kirchenkaplan, der zu den Lutheranern übergelaufen ist, wird bestialisch zugerichtet aufgefunden. Weitere Frauenmorde folgen. Alle Opfer werden inszeniert wie die Schmerzensmutter. Als es auch jemanden aus Ursels Umfeld trifft, ist sie entschlossen, den Mörder zu fassen ...

Die Hurenkönigin zwischen Glaubenskrieg und Frauenmorden

Elf Jahre sind seit dem ersten Fall der Hurenkönigin vergangen und der Tenor am Schluss deutet an, dass es sich hierbei um das Buch um Ursel Zimmer handeln könnte. Wer die ersten beiden Bände gelesen hat, der sollte sich auch den dritten Teil nicht entgehen lassen; allerdings kann Die Rache der Hurenkönigin nicht ganz an die Qualität ihrer Vorgänger anknüpfen.

Emotional packend

Gelungen ist wie üblich die Darstellung der Protagonistin sowie ihr Verhältnis zu ihrem Geliebten Bernhard. Ursel und er führen ein geruhsames Leben; die beiden planen eine Kriminalchronik, die die spektakulären Fälle der letzten Jahre der Öffentlichkeit präsentieren soll. Im Verlauf der Handlung gibt es einige emotionale Höhen und Tiefen in der Beziehung zwischen Ursel und Bernhard. Einerseits gibt es endlich Gelegenheit, dass Bernhard wieder seine Familie trifft, für die er wegen seines unangemessenen Verhältnisses mit Ursel als persona non grata gilt und Bernhard kann hier seine Liebe zu Ursel unter Beweis stellen. Andererseits wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Bernhard beginnt wieder mit dem Trinken, und Ursel fühlt sich ungewöhnlich heftig zu einem anderen Mann hingezogen. Ihr Zwiespalt, ihre Verunsicherung auf der einen Seite und ihr Herzklopfen bei jeder Begegnung mit dem anderen Mann auf der anderen Seite lesen sich reizvoll und nicht zu plakativ. Berührend ist aber nicht nur die Zerreißprobe zwischen Ursel und Bernhard, sondern auch das Leid der Hinterbliebenen der Mordopfer. Eine der Frauen ist Ursel und Bernhard eng verbunden, und ihr Tod erschüttert auch den Leser.

Der historische Hintergrund wird behutsam in die Kriminalhandlung eingeflochten. Die angespannte Stimmung zwischen Katholiken und Lutheranern ist eine interessante Folie für die Ereignisse, und die Zusammenhänge sind auch für Leser ohne Religionskenntnisse leicht verständlich. Das historische Frankfurt wird anschaulich präsentiert, wenngleich nicht frei von Fehlern, da wie selbstverständlich die in Deutschland noch nicht verbreitete Kartoffel erwähnt wird. Der Schreibstil ist flüssig, detailreich, dabei aber nicht zu überladen. Schnell ist der Leser im Geschehen und sieht die Figuren und Schauplätze vor seinem geistigen Auge. Es ist hilfreich, die ersten beiden Fälle der Hurenkönigin gelesen zu haben, aber nicht zwingend notwendig - die wichtigsten Informationen fließen in die Anfangshandlung ein, sodass keine Verständnisschwierigkeiten entstehen.

Schwächen im Krimiteil

Weniger überzeugend als in den beiden Vorgängern ist dagegen der Spannungsfaktor und der kriminalistische Teil, trotz der verheißungsvollen Ausgangslage. Das Feld an Verdächtigen ist rar gesät. Viel zu früh erahnt der Leser, wer hinter den Morden steckt, auch wenn das konkrete Motiv erst später offenbart wird. Man muss keine großen Überlegungen anstellen oder ein versierter Krimileser sein, um den Täter zu erraten. Den Protagonisten sei es verziehen, dass sie nicht früher auf den Mörder kommen, für den Leser ist es indessen wenig spannend, die Tätersuche zu verfolgen. Ein paar weitere plausible Verdächtige hätten der Handlung fraglos gut getan. Des Weiteren ist ärgerlich, wie bereitwillig sich Ursel in Gefahr begibt.

Zusammen mit dem Mangel an Raffinesse, was die Kriminalhandlung angeht, erscheint dieser dritte Teil um Ursel Zimmer nicht wie ein glanzvoller Höhepunkt, sondern vielmehr wie ein zu liebloser Abschluss, der dem Potenzial der Reihe nur in Ansätzen gerecht wird. 

Die Rache der Hurenkönigin

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