Stadt in Angst

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Page & Turner, 2013, Titel: 'Letters from a Murderer', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90
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Birgit Stöckel
Angst und Schrecken in New Yorks Straßen

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Sep 2014

Jack the Ripper der Name ruft auch heute noch bei vielen Menschen eine morbide Faszination hervor. Die grausamen Morde an mindestens fünf Prostituierten des Londoner East End schockierten damals die Bevölkerung und die Tatsache, dass der Mörder niemals gefasst wurde, sorgte damals wie heute für wilde Spekulationen und Verschwörungstheorien. Eine diese Theorien besagt, dass der Mörder sich ins Ausland abgesetzt haben könnte. Dieses Szenario greift John Matthews in seinem Roman Stadt in Angst auf.

New York im Jahre 1891: Eine Prostituierte wird übel zugerichtet aufgefunden und die Verletzungen weisen eklatante Ähnlichkeiten mit denen als Whitechapel-Morde bekannt geworden Taten aus London, die Jack the Ripper zugeschrieben werden. Da der korrupte Polizist McCluskey keine Fortschritte bei den Ermittlungen macht, wird er durch den als unbestechlich geltenden Joseph Argenti ersetzt. Ihm zur Seite wird der Londoner Scotland Yard Ermittler Finley Jameson gestellt, der bereits in London an den Jack-the-Ripper-Fällen intensiv beteiligt war.

Matthews legt mit Stadt in Angst einen soliden und spannenden Kriminalroman verbunden mit einem facettenreichen Sittengemälde New Yorks im ausgehenden 19. Jahrhundert vor.

Faszinierendes Stadtportrait

Im berüchtigten Stadtviertel Forth Ward herrschen Armut, Korruption, Machtmissbrauch und Angst vor. Beherrscht wird es wie fast die ganze Stadt von Michael Thierny, einem Kriminellen, der sich mit allerlei illegalen Aktivitäten seinen Unterhalt verdient. Seine Schutzgeldeintreiber verbreiten Terror und Schrecken und pressen den Menschen gnadenlos das Geld ab, das sie angeblich schuldig sind. Dank vieler korrupter Polizisten wie Inspector McCluskey - kann er seinen Geschäften auch so gut wie ungestraft nachgehen.

Es ist eine sehr düstere, teilweise beklemmende Atmosphäre, die Matthews da herauf beschwört. Man kann den Nebel in den Straßen fast auf der eigenen Haut spüren, den Gestank nach Unrat und Abwasser fast riechen, der das Armenviertel durchzieht und die überfüllten Straßen fast vor sich sehen, so lebendig und eindringlich beschreibt der Autor die Szenen.

Zwischendrin gibt es auch Beispiele von Zusammenhalt und Freundschaft: Prostituierte, die in einer Wohngemeinschaft leben, sich gegenseitig unterstützen und sich abwechselnd um die Kinder kümmern, zum Beispiel. Oder Joseph Argenti, der fürsorgliche Familienvater und unbestechliche Polizist, der darum kämpft, die Welt ein bisschen besser zu machen. Ebenso wie Finley Jameson das auf seine Weise versucht.

Ein ungleiches Ermittlerduo

Argenti und Jameson sind zwei hervorragend gearbeitete Protagonisten, die eine große Faszination ausüben. Sie sind sehr gegensätzlich und harmonieren doch gut miteinander, auch wenn gerade Argenti anfangs Vorbehalte gegen seinen neuen Kollegen hat. Tatsächlich ist Finley Jameson ein zwiespältiger Mensch, der wenig soziale Kompetenz besitzt, aber sich trotzdem um Arme und Schwache kümmert, wie seinen Assistenten Lawrence oder die Prostituierte Ellie. Er ist hochintelligent, beinahe arrogant zu nennen und hat doch eine dunkle, geheimnisvolle Seite, die ein fasziniertes Gruseln auslöst. Er selbst kämpft dagegen an nicht immer sehr erfolgreich. Nach und nach erfährt man auch etwas über seine Vorgeschichte, doch es bleiben genug Fragen für weitere Geschichten offen.

Argentis Vorgeschichte liefert einen plausiblen Grund für seine Unbestechlichkeit und er gewinnt die Sympathien der Leser rasch durch seine Fürsorge seiner Familie gegenüber und seinem inneren Kampf zwischen der Sorge um seine Lieben und dem Wunsch, sich dem Verbrechen nicht zu beugen.

Für Spannung ist gesorgt

Der Kriminalfall ist solide aufgebaut, wartet mit einigen unerwarteten Wendungen auf und liefert einige Verdächtige, die von den beiden Ermittlern verfolgt werden. Der erfahrene Krimileser wird schnell dahinter kommen, wer davon möglicherweise in Frage kommt und wer nicht, doch trotzdem folgt man dem Verlauf der Geschichte gespannt. Lediglich hie und da finden sich einige Längen, wenn es gerade gar nicht weiter gehen will in den Ermittlungen, doch insgesamt fallen diese nicht sonderlich ins Gewicht.

Sehr gut gelungen sind die Kapitel, die aus Sicht des Mörders geschrieben sind, wenn er sich wieder einem seiner Opfer nähert. Die Briefe, die er an Zeitungen schreibt und in denen er Jameson unverhohlen herausfordert, geben der Geschichte noch zusätzlich Würze.

Stadt in Angst ist ein gelungener Kriminalroman aus dem viktorianischen New York, der viel historisches Flair transportiert und mit einem faszinierenden, alles andere als gewöhnlichen Ermittlerduo aufwartet. Eine unbedingte Leseempfehlung also!

Es bleibt zu hoffen, dass tatsächlich noch weitere Bände folgen werden.

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