Tochter der Elbe

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2014, Titel: 'Tochter der Elbe', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Karin Speck
Eine Flutkatastrophe, ein König und eine Liebe, die seltsame Wege geht

Buch-Rezension von Karin Speck Sep 2014

Im Jahre 1248 geschah in der Haseldorfer Marsch eine Katastrophe: die sogenannte Allerkindleinsflut zerstörte ganze Ortschaften und raubte den Menschen ihre Lebensgrundlage. Auch Friedrichsdorf, die Heimat von Hilke, wird Opfer der Flut. Eigentlich war der Lebensweg der jungen Frau vorherbestimmt, als Tochter eines angesehenen Handwerksmeisters sollte sie einen jungen Mann heiraten, der den Betrieb des Vaters übernehmen könnte, aber durch die Flut verliert sie alles. Um aber nun nicht in die Ehe mit einem Mann gezwungen zu werden, den sie nicht will, flieht sie mit Hein, ihrem Freund aus Kindertagen, in Richtung Schleswig. Dort hofft sie, Jens, ihren Verlobten zu finden. Hein selbst ist seit einem schweren Unfall in seiner Kindheit gelähmt. Er kann nicht laufen, weshalb ihn die meisten Menschen auch für blöd halten. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, allen Gefahren und Warnungen zum Trotz.

Auf Wanderschaft

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, in dem erzählt wird, wie Hein zu seiner Verletzung kam, erst danach geht es mit Hilke weiter. Der Erzählstil der Autorin lässt sich leicht und locker lesen. Sie lässt Bilder im Kopf entstehen und Landschaften und ihre Bewohner ziehen an den Lesern vorbei. Hilke macht sich mit dem Freund auf den Weg, ihren Verlobten zu suchen, der sich auf der Walz. Jens hatte seine Lehre beendet und sollte nun Erfahrungen sammeln.

Für Hilke ist er zunächst der Einzige, der ihr in ihrer Lage noch helfen könnte. Hein nimmt sie mit, da sie um sein Leben fürchtet, denn die Überlebenden der Flut konnten es nicht verwinden, dass ein behinderter Mensch diese Katastrophe überlebt hatte, aber zahlreiche gesunde Jungen und Mädchen ertrunken sind. Gerade diese schwierige Situation hat Jordan gut in die Geschichte hineingepackt.

Obwohl das Handeln von Hilke vielleicht nicht immer nachvollziehbar war, aber die junge Frau war verzweifelt und hat eben mehr auf ihr Herz gehört als auf ihren Verstand. Der Charakter des Hein ist gut dargestellt. Ricarda Jordan zeigt hier auf, wie schwer es gerade die Menschen mit Handycap hatten. Auch wenn eigentlich Hilke die Hauptperson der Geschichte ist, so ist Hein wohl der heimliche Held. Sein Part gibt dem Leser ein bisschen was zum Nachdenken. So, wie er sein Leben leben musste, ist es glaubhaft dargestellt und auch nachvollziehbar.  

Auf ihrem Weg nach Schleswig gibt es einige Hürden zu meistern, denn es herrscht Krieg in diesem Landstrich. Mit diesem Krieg kommen Hilke und Hein in Berührung. Die Ereignisse auf dem Schlachtfeld sorgen dafür, dass der Weg von den beiden ein ganz anderer wird. Der historische Hintergrund ist hier gut eingearbeitet, und so erfährt der Leser ganz nebenbei, wie die Machtverhältnisse in dieser Region im 13. Jahrhundert waren. Immer wieder kommt ihnen allerdings der Zufall zu Hilfe, sodass es im letzten Drittel schon fast etwas zu viel wird. Der Eindruck entsteht, dass hier noch ein paar Seiten gefüllt werden sollten. Eigentlich wäre das aber nicht nötig gewesen, auch so ist genug Spannung in der Geschichte vorhanden.  

Ein Nachwort klärt noch kurz Fiktion und Wahrheit und hat ein paar interessante Details zu der Flutkatastrophe parat.

Eine Abenteuergeschichte mit Märchencharakter

Tochter der Elbe ist ein Streifzug quer durch Schleswig-Holstein, der kurzfristig auch am Königshof zu Dänemark halt macht. Sie ist eine Abenteuergeschichte einer jungen Frau mit Märchencharakter, aber dabei unterhaltsam zu lesen. Es wird von Liebe erzählt, die manchmal seltsame Wege gehen muss, um an ihr Ziel zu gelangen. Ein historischer Roman, der geeignet ist für nette Lesestunden.  

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