Der Viehhändler von Dülken

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2014, Titel: 'Der Viehhändler von Dülken', Originalausgabe

Couch-Wertung:

40
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Jörg Kijanski
Ein Leben im Dreißigjährigen Krieg

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2014

1629: Henricus Swart, ein reicher Viehhändler aus dem niederrheinischen Dülken, hat sich auf den Weg nach Hamburg begeben, um dort ein großes Geschäft abzuschießen. Er will eine Viehherde von Zuchtstieren erwerben und später mit hohem Gewinn verkaufen, doch das Geschäft wird verraten, der Händler auf dem Rückweg überfallen und seiner gesamten Herde beraubt. Nun droht Swart ein Desaster, denn er ist mit einem Schlag hoffnungslos überschuldet, und weder der Dülkener Geldwechsler Barusi noch Bürgermeister Fegers wollen ihm Geld leihen oder seine Schulden stunden.

 

"Das Gras der Geschichte wuchs darüber wie über die vielen Toten dieses jämmerlichen Krieges. Die Toten, das waren die vielen Nullen vor dem Komma: zehntausend, fünfzigtausend, hunderttausend. Zwei Drittel der Bevölkerung rafften Pest und Krieg weg. Und die Übriggebliebenen waren meistens zu nichts anderem mehr in der Lage, als ihren gottverdammten eigenen Kopf zu retten, bis auch sie zu den Nullen zählten, die auf dem Müllplatz der Geschichte abgekippt wurden."

 

Allein der spanische Hauptmann Alemán, der des Krieges müde ist, bietet Swart ein geradezu diabolisches Geschäft an. Sofern er an dessen künftigen Gewinnen beteiligt wird, will er Swart zu dessen Wiederaufstieg als erfolgreicher Händler verhelfen. Wenig später brennt das Haus von Barusi und es dauert nicht lange, bis einige Menschen, die Swart im Wege standen, plötzlich sterben. Die Symptome sind immer die gleichen: Atemnot und Herzstillstand, wie sie durch den Stich eines Skorpions verursacht werden, von denen Alemán mehrere besitzt...

 

Ein Skorpion bringt das Gift in der Regel aktiv mit seinem Stachel oder seltener durch einen Biss über die Zähne in sein Opfer.

Hier gibt es keine Giftschlangen oder Skorpione.

Dann gibts hier auch keine Tote.

 

Wer nun glaubt, einer spannenden Untersuchung und Auflösung der Todesfälle folgen zu dürfen, der wird enttäuscht. Zwar gibt es bei diesem historischen Kriminalroman etliche Todesfälle, die zu untersuchen wären, allein es passiert diesbezüglich nahezu nichts. Der Roman beginnt mit dem oben aufgezeigten Szenario und in der zweiten Hälfte wird vor allem das persönliche Verhältnis von Henricus Swart zu seinem ältesten Sohn Tillmann in den Vordergrund gerückt. Tillmann, der Ich-Erzähler, entzweit sich zunehmend von seinem despotisch agierenden Vater und erst spät gelingt ihm ein eigenständiges Leben. Da sich Tillmann viel zu lange dem Willen seines herrschsüchtigen Vaters beugt, kommt nur eingeschränkt Sympathie für den Erzähler auf. Eine Hauptfigur mit der man kaum mitfühlen mag, da sie sich allzu freiwillig in ihr Schicksal fügt, in Kombination mit einigen offensichtlichen Mordfällen, die bestenfalls ansatzweise untersucht werden, ist eine gewagte Mixtur.

Ausschweifender Erzählstil mit etlichen Schwächen

Der Roman beginnt damit, dass Tillmann sich in den Händen eines Engels befindet. Dieser zeigt dessen Leben in zahlreichen Bildern und bittet Tillmann, dieses mit seinen Worten niederzuschreiben. Ist dieser Einstieg eine originelle Idee oder völlig daneben? Es ist eine - seitenfüllende - Geschmacksfrage. Der Roman spielt während des Dreißigjährigen Krieges und es gelingt dem Autor durchaus, dessen Schrecken ordentlich aufzuzeigen. Eindringlicher wäre es jedoch gewesen, Tillmann einmal direkt in Kampfhandlungen zu verwickeln, um die Tragik des Geschehens zu verstärken. Immerhin bieten Begegnungen zwischen Tillmann und dem im Rheinland berühmten Jan von Werth interessante Gespräche.

 

Doch ich bin abgeschweift, was, wie ich anfänglich bereits betonte, meinem niederrheinischen Blut geschuldet ist, das den Keim der Abschweifung in sich trägt.

 

Überhaupt gelingt sprachlich nicht alles, womit nicht nur der ausschweifende Erzählstil gemeint ist. Im gleichen Satz wird beispielsweise erwähnt, dass ein Einarmiger nur einen Arm habe, die Lange Straße lang ist oder ein Ausspruch des spanischen Hauptmannes einem spanisch vorkommt. Unrühmlicher Höhepunkt ist ein bäriger Bär. Da überrascht es dann auch nicht mehr, dass die Beschreibung des Buchrückens nicht so ganz zum Inhalt passen will. Demnach spielt die Handlung 1640 und der spanische Hauptmann verschwindet, nachdem er als Mörder verdächtigt wird. Beides wird man beim Lesen des Romans nicht mitbekommen. Schade, da ist man vom KBV-Verlag doch Besseres gewöhnt. Und wie war das noch mit den Todesfällen? Die Erklärung folgt lapidar aus heiterem Himmel zu einem Zeitpunkt, an dem es schon längst nicht mehr von Interesse ist. 

Der Viehhändler von Dülken

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