Die Könige von Köln

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Pendo, 2014, Titel: 'Die Könige von Köln', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90
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Birgit Stöckel
Kölner Leben in der Franzosenzeit

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Sep 2014

Köln im Jahre 1794: Der Beginn der Französischen Revolution liegt fünf Jahre zurück und französische Truppen marschieren ostwärts, um die Errungenschaften auch in die Nachbarländer zu tragen. Die linksrheinischen Gebiete des deutschen Kaiserreichs fallen nach und nach an die Franzosen viele Städte ergeben sich ohne Gegenwehr, so auch Köln. Doch von Freiheit, Brüderlichkeit und vor allem Gleichheit ist unter den Besatzern nicht viel zu spüren, die Franzosen achten schon auf ihren Vorteil. Besonders die reichen Kunstschätze der Stadt haben es den Eroberern angetan und davon gibt es in Köln viele. Allen voran der herrliche Schrein der Heiligen Drei Könige mitsamt den dazugehörigen Reliquien.

Professor Ferdinand Franz Wallraff, Rektor der Universität zu Köln und Mitglieder des Domkapitels wollen die Reliquien und den Schrein in Sicherheit bringen und schaffen sie dazu aus der Stadt. Für diese Aufgabe wird auch der hünenhafte Tagelöhner Arnold Klütsch ausgewählt, der mit seinen Bärenkräften das Verladen kräftig beschleunigt. Ab diesem Zeitpunkt erledigt Arnold immer wieder Aufgaben für den Professor, um weitere Schätze zu retten&

Tilmann Röhrig nimmt sich in seinem neuesten Buch Die Könige von Köln einem Thema an, dass in den historischen Romanen eher selten vertreten ist: Die sogenannte Franzosenzeit, in der große Teile Europas direkt oder indirekt von den Franzosen beherrscht oder zumindest beeinflusst wurden. Ihr Ende fand sie mit Napoleons Niederlage bei Waterloo, der Beginn liegt allerdings bereits vor seiner Herrschaft in den deutschen Landen eben mit jener Besetzung der linksrheinischen Gebiete, die Hauptthema in Die Könige von Köln ist.

Große Veränderungen durch die freundlichen Besatzer

Anhand von Arnold Klütsch, seinem Freund Norbert Fletscher, seiner heimlichen Liebe Walburga Müller, Tochter eines Schneidermeisters, sowie Professor Wallraff, dessen Freund und Mitbewohner Franz Pick und noch einigen anderen zeigt Röhrig auf, wie einschneidend sich das Leben in Köln veränderte: Angefangen von den neuen Zahlungsmitteln über einen neuen Kalender bis hin zur Auflösung diverser Klöster und Kirchen. Nichts ist mehr so wie es war.

Da eine größere Anzahl an Protagonisten den Roman bevölkert, bekommt man als Leser einen weitgespannten und tiefgehenden Einblick in die damaligen Verhältnisse. Alle Figuren sind mehrdimensional gezeichnet, was das Lesevergnügen noch erhöht.

Arnold Klütsch hat ein großes Herz, ist aber nicht sonderlich gebildet und nicht der schnellste Denker, doch seine Gedanken, die er sich macht, sind durchaus klug und oft legt er damit den Finger auf die Wunde. Durch seine liebenswerte Art gewinnt er schnell die Sympathien des Lesers.

Sein bester Freund Norbert Fletscher hingegen ist verschlagen, kann hervorragend blenden, versucht immer, sich einen Vorteil zu verschaffen und gleichzeitig nach außen hin als selbstlos und liebenswert zu erscheinen. Er mag nicht sympathisch sein, doch ist er so gelungen beschrieben, dass auch er zu fesseln weiß.

Professor Wallraff überzeugt durch seine Leidenschaft und seine Liebe zu Köln und seine Hingabe zu den Kunstschätzen. Seine manchmal dozierende Art und seine immer wieder aufschäumende Erregung führen besonders im Zusammenspiel mit seinem etwas gelasseneren und ruhigeren Freund Franz Pick zu einigen humorvollen, amüsanten Szenen.

Viel Platz für Spannung und Intrigen

Daneben nehmen aber vor allem die Lebensumstände und die politischen Gegebenheiten einen großen Raum ein und Röhrig schafft es, dem Leser viele Informationen und Details zu übermitteln, ohne dabei seine Geschichte zu überfrachten oder zu schulmeistern. Die Gier nach den Kunstschätzen (und die Vernichtung von vielen Kostbarkeiten) werden ebenso eindrucksvoll beschrieben, wie die Intrigen, die darum gesponnen werden. Auch die Veränderungen im täglichen Leben, der Widerstand gegen die Besatzer, der nie ganz gebrochen wird, sowie Denunziationen und Verrat durch die eigenen Mitbürger finden ihren Platz.

Dabei wird ein weiter Bogen bis ins Jahr 1804 gespannt, so dass die im Klappentext beschriebenen Ereignisse nur einen kleinen Teil des Romans ausmachen. Doch bildet der Kampf um Schrein der Heiligen Drei Könige und ihre Reliquien den roten Faden, der sich durch die ganze Geschichte zieht.

Es sind nur wenige Dinge, die negativ auffallen: So stellt sich bei einer Verbindung in dem Roman die Frage, ob der Vater seine Tochter zu der Zeit wirklich so einfach unter Stand hätte heiraten lassen, ebenso werden einige Szenen etwas rasch und glatt aufgelöst.

Doch das schmälert den Gesamteindruck nur unwesentlich. Mit Die Könige von Köln ist Tilman Röhrig erneut ein historischer Roman gelungen, der sich aus der Masse abhebt und in schön zu lesender, anspruchsvollen Sprache ein nicht alltägliches Thema behandelt. Eine sehr lesenswerte Geschichte.

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