Die Kerzenzieherin

  • Weltbild
  • Erschienen: Januar 2012
  • Weltbild, 2012, Titel: 'Die Kerzenzieherin', Originalausgabe
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Karin Speck
96

Histo-Couch Rezension von Karin Speck Aug 2014

Eine bewegende Geschichte aus dem Mittelalter

Hattingen im Jahre 1225. Auf den Kölner Erzbischof Engelbert I. wird ein Anschlag verübt. Die Novizin Ellin, die sich zufällig auf der Burg der Attentäter befindet, wird unfreiwillig Zeugin und somit Mitwisserin dieser Verschwörung. Sie flieht! Auf sich allein gestellt muss sie nun selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Da sie im Kloster das Handwerk der Kerzenzieherin gelernt hat, kann sie sich damit ihr Auskommen sichern. Aber ihr Lauschen ist nicht verborgen geblieben, die Attentäter jagen sie genauso wie die Leute des Bischofs, da sie auch eine wichtige Zeugin ist. Ein gefährliches Versteckspiel beginnt.

Eine Novizin in Not

Caren Benedikt erzählt hier eine Geschichte die einen realen Hintergrund hat. Auf den Erzbischof ist tatsächlich ein Attentat verübt worden. Sie nimmt dieses Ereignis als Basis und hat die Lebensgeschichte von Ellin geschickt damit verwoben. Der Erzählstil ist leicht und flüssig zu lesen und dabei auch bildhaft und facettenreich. Es fällt leicht, mit Ellin mitzufiebern. Ihre Flucht ist gefährlich, aber auch spannend. Ellin erfährt sehr viel Hilfe von Menschen, die sie gar nicht kennt. Die Novizin muss einiges durchstehen und lernen sich in einer Welt zu behaupten, die nicht die ihre ist. Ist sie am Anfang noch das schüchterne Mädchen aus dem Kloster, wächst sie bald über sich hinaus und lernt nicht nur für sich selbst zu sorgen, sondern auch die Verantwortung für andere zu übernehmen. Von Seite zu Seite wird ihr Charakter gefestigter und der Leser lernt sie immer besser kennen oder besser: er erlebt mit Ellin ihre Wandlung von der schüchternen Novizin zu einer selbstbewussten Frau.

Das Leben im 13. Jahrundert

Benedikt hat diesen Lebensabschnitt gut dargestellt und glaubwürdig umgesetzt. Gleichzeitig erfährt der Leser einige Details zur Herstellung von Kerzen. Man hat irgendwie das Gefühl, den Duft von Bienenwachskerzen in der Nase zu haben. Die Menschen, die ihren Weg kreuzen, sind zwar immer hilfsbereit, aber auch sie haben ihre Probleme und Sorgen. Leider bringt ihnen die Begegnung mit Ellin nicht nur Glück, einige dieser freundlichen Helfer müssen dabei ihr Leben lassen. Aber mit Hilfe dieser Protagonisten lernt der Leser ausführlich das Leben im 13. Jahrhundert kennen.

Ein interessantes Nachwort

Fiktion und Wahrheit liegen dicht beieinander. Das Attentat ist historisch belegt, die Lauscherin Ellin leider nicht, sie ist ganz der Fantasie der Autorin entsprungen. Niemand kann wohl sagen wie es sich wirklich zugetragen hat, aber so wie Caren Benedikt es hier schildert, könnte es durchaus gewesen sein. Ihre Art zu erzählen klingt glaubwürdig und authentisch. In einem Nachwort klärt sie kurz Fiktion und Wahrheit, und ein Quellenverzeichnis gibt Anregungen, um die historischen Tatsachen vielleicht noch einmal ausführlicher nachzulesen.

Gut recherchiert, nachvollziehbar und mit einem interessanten Handwerk ausgestattet

Die Kerzenzieherin ist ein historischer Roman, der gut recherchiert ist, dies ist deutlich beim Lesen zu spüren. Das Handwerk der Kerzenzieherin ist nachvollziehbar beschrieben, die Charaktere gut ausgearbeitet und zwar beide Seiten, Gut genauso wie Böse. Einmal mit dem Lesen begonnen, kann man schwerlich wieder aufhören, die Seiten blättern sich quasi von allein. 

Die Kerzenzieherin

Caren Benedikt, Weltbild

Die Kerzenzieherin

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