Die Augen der Heather Grace

  • Lübbe
  • Erschienen: Januar 2014
  • Lübbe, 2001, Titel: 'The Patient's Eye', Originalausgabe
Die Augen der Heather Grace
Die Augen der Heather Grace
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Jörg Kijanski
75

Histo-Couch Rezension vonAug 2014

Arthur Conan Doyle als Dr. Watson

1878: Arthur Conan Doyle ist gewillt, angesichts der finanziellen Lage seiner Familie sein Medizinstudium hinzuschmeißen, doch da er für eine Vorlesung von Dr. Joseph Bell bereits bezahlt hat, besucht er dessen Vortrag. Der exzentrische Arzt kommt ihm alsbald wie ein übler Aufschneider vor, der seine Zuhörer mit leicht durchschaubaren Tricks unterhält. Da er dies in einem unbedachten Moment lautstark äußert, bietet im Bell zu seiner Überraschung an, sein Assistent zu werden.

 

"Ein Mann stiehlt ein Pferd, nachdem er seinem Besitzer die Kehle durchgeschnitten hat. Eine Frau will ihren Mann vergiften und nimmt so viel Arsen, dass sie selbst fast daran stirbt. Das ist die Sorte Mord, die die Behörden bevorzugen. Das beruhigt die Ahnungslosen, während es zulässt, dass auch weiterhin die schlimmsten Verbrechen unbemerkt verübt werden können."

 

1882: Doyle hat sich als Arzt an der Südküste Englands niedergelassen. Eine seiner ersten Patientinnen ist die ebenso schöne wie geheimnisvolle Heather Grace, die heftige Albträume hat, in denen sie von einer gesichtslosen Gestalt auf einem Fahrrad verfolgt wird. Zunächst geschieht jedoch ein mysteriöser Mordfall, in dem Doyle selbst in das Visier der Polizei gerät, so dass er kurzzeitig abgelenkt wird. In seiner Verzweiflung bittet er seinen früheren Mentor Bell um Hilfe. Gemeinsam finden sie heraus, dass Grace in Kürze ihren 25. Geburtstag vollzieht und, nach dem tragischen Tod ihrer Eltern, ein beträchtliches Erbe erhalten wird. Sowohl ihr Onkel wie auch ihr größter Verehrer geraten in Verdacht, Grace einen Schrecken einjagen zu wollen, um sich ihr Erbe zu sichern. Aber auch der Geist von Ian Coatley, dem Mörder ihrer Eltern, scheint aktiv zu sein&

Doyle lernt Dr. Bell, das Vorbild für Sherlock Holmes, kennen

David Pirie verfasste die Drehbücher für die BBC-Serie MURDER ROOMS The Dark Beginnings of Sherlock Holmes, auf deren Grundlage die Romane mit Dr. Bell und Arthur Conan Doyle basieren. Die Augen der Heather Grace ist der erste Teil dieser Reihe und daher dauert es ein gutes Drittel, bis Doyle die Augen seiner Patientin erstmals zu sehen bekommt. Zunächst lernt Doyle als Student den seltsamen Dr. Bell und dessen noch seltsamere Methoden der Deduktion kennen und gemeinsam lösen sie erste kleinere Fälle.

 

"Wie schon zuvor, ja, wie fast immer bei meinen Fällen mit Bell,  dachte ich, ich wüsste alles. Aber das stimmte nicht. In Wirklichkeit wusste ich rein gar nichts."

 

Da Bell die lebende Vorlage für den berühmtesten Detektiv der Welt ist, verwundert es nicht, dass dessen Methoden jenen des Sherlock Holmes sehr stark ähneln und dass beide Figuren vergleichbare Charaktereigenschaften haben. Bell ist egozentrisch und arrogant, bei Bedarf allerdings auch charmant und lässt sich kaum in die Karten schauen. Folglich bleibt Doyle nur die Rolle des Dr. Watson übrig, der voreilig seine (falschen) Schlüsse zieht und wiederholt über die Heimlichtuerei seines Mentors verärgert ist.  

 

"Ich möchte Sie wirklich nicht enttäuschen. Aber der Radfahrer hat bislang kein Verbrechen begangen und könnte einfach nur ein schüchterner Verehrer sein. Ich habe schon selbst Nachforschungen angestellt."

"Ja", sagte Bell, stand auf und zog sich den Mantel über, "aber alle Ihre Bemühungen waren nutzlos und alle Ihre Schlussfolgerungen falsch."

 

Neben dem eigentlichen Fall werden noch einige andere Rätsel gelöst, einige Verdächtige aufgebaut, bevor dann der große Meister (Bell) seine Lösung aus dem Hut zaubert. Einige Wendungen sind überraschend und wie bei Sherlock hat man keine Chance, durch eigenes Raten den Fall in Gänze zu lösen. Fans von Sherlock dürfen angesichts des gleichen und vertrauten Lese- und Rätselspaßes also zugreifen, müssen sich allerdings die Frage stellen, warum sie sich an Stelle des Originals mit Dr. Bell begnügen sollen?

Die Augen der Heather Grace

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