Caiman und Drache

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • , 2014, Titel: 'Caiman und Drache', Originalausgabe

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Annette Gloser
Eine oberschlesische Quetsche

Buch-Rezension von Annette Gloser Aug 2014

Braschowitz in Oberschlesien ist ein verschlafenes Kaff, eine Quetsche, wie man dort sagt. Es gibt wenig Arbeit und viele Menschen fahren über die tschechische Grenze um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oder nach Leobschütz. Das liegt zwar auf der deutschen Seite, aber es ist auch nicht näher dran als das tschechische Krnov. Nur einen entfernten Abglanz wirft die große Politik auf das Leben der Dörfler, die mit ihren eigenen Problemen genug zu tun haben. Hier wachsen Karl und Alois auf, die den Nachnamen Storch tragen und darum im ganzen Ort als Die Störche bekannt sind. Unzertrennlich scheinen die beiden. Und doch gehen sie in ihrem Leben sehr unterschiedliche Wege. Die schöne Malwina spielt die beiden gegeneinander aus, liebt mal den einen, mal den anderen. Malwina, die im Unhaus wohnt, bei den Polen. Aber in Braschowitz ist man deutsch, auch die Störche sind deutsch. Und Karl geht weg aus dem Dorf, geht nach Krakow, das eigentlich auch deutsch ist, aber auch schon ziemlich polnisch. Alois dagegen versucht sein Glück auf der tschechischen Seite und arbeitet dort in einer Wurstfabrik.

Das Leben in diesem Dreiländereck ist karg und einfach. Aber auch an diesem Landstrich gehen die großen Veränderungen nicht vorbei. Und alle drei, Alois, Karl und Malwina werden mit hinein gezogen, haben ihren Anteil daran.

Oberschlesien als Genrebild

Caiman und Drache ist der Debütroman des Autors Roman Israel. Der Plot konzentriert sich stark auf die Zwillinge Alois und Karl. Allerdings gibt es auch immer wieder Abschweifungen und es werden die Schicksale anderer Protagonisten geschildert. Wer allerdings nach Lektüre des Klappentextes glaubt, hier einen informativen Roman zur Geschichte Oberschlesiens in den Händen zu haben, der wird möglicherweise enttäuscht. Viel Privates und ab und zu ein Hauch von Politik, viel Situationskomik, dörfliche Atmosphäre. Roman Israel erwartet von seinen Lesern, dass sie das notwendige Geschichtswissen mitbringen und steuert selbst recht wenige allgemeine Fakten bei. Wer also ganz und gar ahnungslos zu diesem Roman greift könnte Probleme bekommen, sich in der Handlung zurecht zu finden. Dabei bewegt sich der Autor jedoch sicher in der Zeit, in welcher sein Roman spielt und fügt Handlung sowie Protagonisten auf realistische Art ein.

So entsteht ein Genrebild mit aufwändig charakterisierten Protagonisten, welches zum Schmunzeln und Nachdenken anregen kann und der Phantasie des Lesers Futter gibt. Man kann sich das Leben der Menschen damals, in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, recht gut vorstellen. Politische Ereignisse schwappen immer mal wieder in den Roman hinein, aber man spürt deutlich, dass sie im Leben und Denken der Dorfbewohner eigentlich keine Rolle spielen, dass die Menschen von ihnen regelrecht überrollt werden.

Ein wenig behäbig und eher unspannend

Die Handlung kommt allerdings nur langsam und behäbig in Gang, bleibt es letztendlich auch über den gesamten Roman. Dazu kommt, dass zwar mit der Dreieckskonstellation Alois, Karl und Malwina ein roter Faden vorhanden ist, jedoch ist der Handlungsverlauf so lose darum herum drapiert, dass man gelegentlich Schwierigkeiten hat, diesen roten Faden wieder zu finden. Es entsteht eigentlich kaum Spannung und somit beim Leser auch nur begrenzt Neugier auf den Fortgang der Geschichte. Leider gibt es auch einige sprachliche Malessen. Zwar spricht der Autor seine Leser direkt an (Glauben Sie mir! Oder: Können Sie sich vorstellen daß...?), allerdings hilft diese direkte Anrede nicht über die verbalen Anachronismen hinweg, die gelegentlich im Text auftauchen. Selbst wenn man sich als Leser um die Vorstellung bemüht, dass hier ein Mensch aus dem Jahre 2014 die Geschichte erzählt, so reißen Worte wie "verbraucherfreundlich" einen doch wieder aus dem Lesefluss. Über den Versuch, Berliner Dialekt zu schreiben, sei lieber der Mantel des Schweigens gebreitet, denn was man da zu lesen bekommt ist alles Mögliche, nur kein Berliner Dialekt.                                                                                                                              

Auch was den im Klappentext angekündigten Mordfall nebst Kriminalkommissar angeht, so hat der Klappentext einfach zu viel versprochen. Dies ist kein Histo-Krimi, wie man es nach dem Studium des Klappentextes vermuten könnte, schon gar nicht eingebettet in atemberaubende Veränderungen oder gewaltsame politische Auseinandersetzungen.

Beachtenswertes Debut

Alles in allem bietet Caiman und Drache ruhige und eher besinnliche Unterhaltung. Das Buch ist vom Luftschacht Verlag mit einem Hardcover und einer eindrucksvollen Covergestaltung ausgestattet worden, inhaltlich wunderbar zum Roman passend. Nur der Klappentext, wie bereits erwähnt, verspricht etwas anderes als der Roman letztendlich hält. Der Leser hat hier ein beachtenswertes Debut in der Hand und wer sich für die Geschichte Schlesiens interessiert, liegt mit diesem Roman ganz sicher richtig. 

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