Das Seelenhaus

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Burial Rites', Originalausgabe

Couch-Wertung:

93

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Carsten Jaehner
Intensive und beeindruckende Lebensbeichte

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2014

Island, 1828. Zwei Männer werden erschlagen, erstochen und verbrannt. Die drei Schuldigen, ein Mann und zwei Frauen, werden verhaftet und zum Tode verurteilt. Doch da das Urteil erst von dänischen König bestätigt werden muss, müssen die drei so lange auf den Höfen von Amtsmännern unterkommen, da es kein richtiges Gefängnis gibt, wo man sich den Gefangenen annehmen würde.

Eine der Frauen, Agnes Magnúsdóttir, kommt bei der Familie von Jón und Margrét unter. Jón ist einer der Amtsmänner und daher viel unterwegs, auch in dem Moment, als Agnes bei der Familie abgeliefert wird. Margrét und ihre beiden Töchtern nehmen Agnes in Empfang und haben Scheu vor der Mörderin, doch Margrét nimmt das Heft in die Hand und gibt ihr Arbeit, zumal Agnes Erfahrung als Magd hat und jede Hand gebraucht wird.

Als geistlichen Begleiter hat Agnes den jungen und noch recht unerfahrenen Vikar Tóti gewählt, der regelmäßig auf den Stóra-Borg-Hof kommt, wo die Familie lebt. Doch Agnes will keinen Beistand und sich auf die Hinrichtung vorbereiten, sondern sie fängt nach und nach an, Tóti und der Familie ihre Geschichte zu erzählen, und am Ende schmerzt es die Familie, Agnes gehen lassen zu müssen.

Eine Mörderin im Haus

Hannah Kent ist ein intensiver Roman gelungen, der den Lesern nicht nur einen Einblick in die Rechtsprechung auf Island zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt, sondern der auch auf wahren Begebenheiten beruht und mit Agnes Magnúsdóttir tatsächlich die Frau als Protagonistin hat, die auf Island als letzte hingerichtet wurde.

Dabei gelingt der Autorin eine filigrane und eindrückliche Personenzeichnung, und sie baut den Roman auch geschickt auf und stellt zwischendurch immer wieder Briefe und Protokolle ein, die den realen Verlauf des Prozesses aufzeigen.

Die des Mordes verurteilte Agnes kommt auf dem Stóra-Borg-Hof unter, auf dem sie als Kind einmal gelebt hat, was aber zunächst von der Familie keiner weiss. Das Regiment im Hause führt die Mutter Margrét, zudem sind noch die beiden Töchter da. Neben der älteren, ein wenig zurück gebliebenen Steina ist die jüngere und aufgewecktere Lauga da, die sich bis zuletzt gegen die Anwesenheit von Agnes wehrt. Da man im Prinzip in einem grossen Raum zusammen lebt, Badstofa genannt, kann man sich auch nicht aus dem Weg gehen, und gerade wenn Agnes sich mit dem Vikar Tóti unterhält, hört die Familie zwangsweise deren Geschichte mit.

Spannend und berührend

Agnes erweist sich als kluge und erfahrene Frau, nicht nur, was ihre Dienste auf dem Hof angeht. Vom ersten Tag an wird sie mit zur Arbeit angehalten, jede Hand wird gebraucht beim Bestellen der Felder. In Island schlägt ständig das Wetter um, da kann man mit der Arbeit nicht früh genug fertig sein. Steina kommt Agnes bekannt vor, sie haben sich vor Jahren schon einmal getroffen, und so spricht Steina auch gelegentlich mit Agnes, sehr zum Unverständnis ihrer Schwester Lauga.

Wie sich die Personen mit der Anwesenheit von Agnes entwickeln, wie sich Tóti mit seiner Aufgabe schlägt, das ist grosse Erzählkunst. Hannah Kent lässt sich Zeit und hat einen ruhigen und intensiven, dennoch aber spannenden und gleichzeitig berührenden Roman vorgelegt, der keinen Leser kalt lassen dürfte, gerade gegen Ende. Die Autorin fängt passend die Stimmung der Insel ein, der Lebensart und der Traditionen und beeindruckt den Leser mit kleinen und grossen Geschichten. Sie kennt sich aus in ihrer Materie und schafft so ein stimmungsvolles Bild der Zeit.

Knapp 380 Seiten aus dem Hause Droemer verschaffen dem Leser einen lesenswerten Roman, der mit einem Nachwort der Autorin zum tatsächlichen Fall nebst Quellenlage und einer Danksagung ergänzt wird. Wer sich für diesen Roman entscheidet, tut wahrlich keinen schlechten Griff, sondern taucht in eine Welt ein, die fernab jeglicher Klischees und historischer Massenware liegt. Unbedingt zugreifen!

Das Seelenhaus

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Letzte Kommentare:
02.03.2015 09:49:42
Lexa

Mit großer Faszination hab ich dieses Buch gelesen. Nicht nur weil ich Island-Freund bin und einige der Orte kenne, an dem dieses Buch spielt. Sondern vor allem weil es die Autorin mit Feingefühl und hervorragender Recherche schaffte, mich vollkommen in diese Zeit zu versetzen. Die Beschreibungen des harten und entbehrungsreichen Lebens und der rauen Natur sind grandios gelungen und ich als Leser mittendrin. Es war ein Leichtes für sie, mein Mitgefühl für die Protagonistin zu wecken und ich litt und fieberte mit ihr, sodass ich das Buch nicht mehr weglegen konnte. Die bildhafte, oftmals poetische Sprache waren noch das Sahnehäubchen für mich.

Ein großartiges Debüt, das mich ziemlich verstört zurückgelassen hat.