Das letzte Experiment

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Wunderlich, 2009, Titel: 'A Quiet Flame', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Düsterer Krimi in Evitas Argentinien

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Aug 2014

Buenos Aires, 1950. Der Krieg in Europa ist seit 5 Jahre zu Ende, doch die Aufarbeitung dauert an. Zwar sind in Nürnberg einige Haupttäter zum Tod verurteilt worden, doch viele bedeutende Nazis haben sich nach Südamerika gerettet, insbesondere nach Argentinien, das unter der Regierung von Colonel Péron offen für flüchtige Deutsche war. Über Umwege verschlägt es auch Bernie Gunther als ehemaligen Angehörigen der SS dorthin. Doch statt unterzutauchen und ein ruhiges Leben zu führen, wird Bernie Gunther zurück auf seine alten Pfade geschickt die des Privatdetektivs.

Ein Mädchen ist tot, ein weiteres verschwunden. Und die Art, wie das Mädchen getötet wurde, erinnert Bernie Gunther an einen ungelösten Fall aus dem Jahr 1932. Getrieben von dem Bedürfnis, endlich Gewissheit zu erlangen, willigt Gunther ein nicht ahnend, dass er in Argentinien mit einem Schreck konfrontiert werden wird, den er hinter sich gelassen zu haben glaubte ...

Noir-Krimi in Südamerika

In seinem mittlerweile fünften Fall verschlägt es Bernie Gunther nach Argentinien. Der ehemalige Mordermittler und Privatdetektiv muss sich ebenfalls nach Südamerika absetzen und trifft dort nicht nur auf viele alte Kameraden, sondern auch auf Verbrechen. Von den Péron höchstselbst eingespannt, muss Bernie Gunther einen Mörder finden und ein verschwundenes Mädchen aufspüren. Die Suche führt ihn mitten unter die alten Nazis, die sich über den Atlantik gerettet haben.

Die Geschichte der nach Südamerika geflüchteten Nazis ist legendär, Namen wie ODESSA prägen diese Geschichte. Adolf Eichmann wurde in Argentinien verhaftet, Josef Mengele blieb noch Jahre nach seinem Tod unentdeckt. Inmitten dieser explosiven Mischung lässt Philip Kerr seinen Detektiv erneut ermitteln wie immer im klassischen Noir-Stil. Bernie Gunther ist ein Original mit all seinen Ecken und Kanten.

Spannende Darstellung zweier spannender Epochen

Die Geschichte verläuft zu einem großen Teil parallel in Südamerika im Jahr 1950 und in Berlin im Jahr 1932. Wenn auch auf den ersten Blick das Argentinien unter Evita Péron und die sterbende Weimarer Republik wenig gemein haben, offenbaren sich dem Leser jedoch schnell erschreckende Parallelen. Beide Handlungsorte weiß der Autor wie gewohnt eindringlich und lebendig darzustellen die Angst vor den Nazis ist so glaubwürdig dargestellt wie die Furcht vor Pérons Geheimpolizei. Kombiniert wird dies mit dem stets überzeugenden Stil des Autors geradeheraus, schnörkellos, direkt, aber niemals stumpf oder gefühllos. Die perfekte Sprache für einen Noir-Krimi.

Natürlich wiederholen sich im mittlerweile fünften Band gewisse Muster Gunther von Selbstzweifeln geplagt am Scheideweg der Handlung, eine meist geheimnisvolle und immer hübsche Frau und jede Menge Menschen, die sich Bernie Gunther und seinen Ermittlungen in den Weg stellen. Das wäre bei einem mittelklassigen Autor vielleicht ein Grund zur Langeweile bei Philip Kerr schafft es ein Gefühl von Vertrautheit und Wiedersehensfreude. Ein gewohnt hochwertiger Krimi mit einer gewohnt großartigen Einbindung des historischen Kontexts. Philip Kerr beweist einmal mehr, dass man sich beim historischen Kriminalroman oder Thriller nicht zwischen Historie und Krimihandlung entscheiden muss, sondern mit Beidem glänzen kann.

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