Feuer in Berlin

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 1989, Titel: 'March Violets', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Ein guter Auftakt der Reihe, der unter einem überzogenen Ende leidet

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Aug 2014

Berlin, 1936. Nazi-Deutschland gibt sich angesichts der Olympischen Spiele weltoffen und friedliebend. Der tägliche steigende Faschismus und staatliche strukturierte Rassismus soll aus dem Straßenbild verschwinden, um die ausländischen Gäste nicht zu verprellen. Dass es hinter den Kulissen so schlimm ist wie zuvor weiß auch Bernhard Bernie Gunther, ehemals Kriminaler am Alex, mittlerweile Privatdetektiv. Dennoch ahnt er das Ausmaß seines Auftrages nicht, als ihn ein reicher Großindustrieller bittet, die Mörder seiner Tochter und seines Schwiegersohnes zu finden. Bernie sieht sich bald nicht nur mit gewalttätigen Ringvereinen und mörderischen Filmstars konfrontiert, sondern muss auch feststellen, dass auch die Gestapo Interesse an dem Fall zeigt. Doch Bernie bleibt dran - nicht ahnend, dass die Auflösung des Falles ihn zu Abgründen führen wird, die er niemals ergründen wollte ...

Ein Noir-Krimi in Nazideutschland

Krimis aus der Weimarer Republik, der Zeit der Machtergreifung und der Nazizeit gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die Zeit der Umstürze, die Zeit der politischen Instabilität schafft eine Stimmung, die wie geschaffen scheint für düstere Privatermittler und Polizisten, die nicht immer die guten Jungs sein müssen. Noir-Krimis im Stile von Chandler und Hammett funktionieren auch im Berlin der 20er und 30er Jahre - wie auch hier.

Bernie Gunther ist nicht gerade das, was man als Sympathieträger bezeichnen würde. Er hat einen ungesunden Lebenswandel, betrachtet Frauen eher als gute Gelegenheit fürs Bett und scheut sich nicht, seine pragmatische Sicht auf die Dinge mit uns zu teilen. Der Ich-Erzähler, dem jegliche Ideale abhanden gekommen zu sein scheinen, zeigt uns eine Welt, in der Ideale höchstens ein frühes Grab bereiten - und man eher als Märzgefallener (den Begriff erklärt der Ich-Erzähler im Laufe der Handlung) Karriere macht.

Düstere Charaktere in düsterem Fall

Bernie Gunther befindet sich in guter Gesellschaft - sein Auftraggeber, seine ehemaligen Kollegen vom Alex, die Ermittler von der Gestapo, die Welt der Reichen und Schönen, sie alle sind zunächst auf den eigenen Vorteil bedacht. Helden sucht man in Kerrs Krimi meist vergebens, doch umso heller erscheinen dem Leser die Lichtblicke, in denen die Moral sich durchsetzt.

Kerr gelingt es, die düstere Stimmung des erstarkenden Nationalsozialismus einzufangen und Beklemmung beim Leser auszulösen. Die erzwungene Auswanderung der jüdischen Bevölkerung sehen wir ebenso durch die Augen des Ermittlers wie die korrupten Machtspiele unter den Mächtigen des Reiches. Als Gunther diese Bereiche Berlins betritt, zeigt sich, dass er zwar kein Traumschwiegersohn sein mag, jedoch eine gewisse moralische Stabilität hat, die ihn in diesem düsteren Fall etwas heller erscheinen lässt.

Ein etwas überzogenes Ende trübt den guten Gesamteindruck

Nach der Auflösung des Falles geht die Geschichte noch ein gutes Stück weiter. Wie, soll hier natürlich nicht verraten werden, doch ist das Finale Grande in seinen Ausmaßen derart extrem, dass die Geschichte erstmalig ihre Glaubwürdigkeit einbüßt und dem Leser trotz der Spannung eher ein skeptisches Stirnrunzeln entlockt. Obwohl in sich stimmig, wäre der Krimi vermutlich besser gewesen, wenn man ihn mit der Auflösung hätte enden lassen.

Dennoch ist Feuer in Berlin eine empfehlenswerte Lektüre für jene, die sich für Krimis in dieser Epoche interessieren und denen das Noir-Genre liegt. Denn trotz seiner Schwächen am Ende macht der Krimi vor allem Lust auf mehr Fälle für Bernie Gunther.

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