Ein ganzes Leben

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Hanser, 2014, Titel: 'Ein ganzes Leben', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
185 Seiten für ein ganzes Leben

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2014

Wie schafft man es, ein Leben so zu beschreiben, dass es den Leser berührt und das Ganze auf nicht einmal 200 Seiten? Robert Seethaler kennt das Geheimnis. Der österreichische Autor lädt seine Leser dazu ein, ihm in ein unspektakuläres Dorf in den Alpen zu folgen. Dort lebt er, der einfache Mann namens Andreas Egger. Ein Mann, der von Schicksalsschlägen nicht verschont bleibt. Nichts vermag dem Andreas Egger das Rückgrat brechen. Nicht der Pflegevater, ein grobschlächtiger Bauer, der das aufgenommene Kind zum Krüppel schlägt. Auch nicht die russische Kriegsgefangenschaft oder die harte Arbeit am Berg. Selbst als ihm seine große Liebe Maria genommen ist, bleibt der Andreas Egger aufrecht und sich selber treu.

Ruhige, intensive Bilder

Der Leser merkt, Robert Seethaler ist als Drehbuchautor ein visueller Mensch. Er erzählt in Bildern. Das tut er auch bei seinem Roman Ein ganzes Leben. Die ruhigen Worte formen sich zu intensiven Bildern. Sie erzählen schnörkellos und gerade deshalb äußerst anziehend, ja faszinierend, wie der Protagonist sein Leben bewältigt. Ein Leben als Randständiger in einer erbarmungslosen Gesellschaft, die unter schwierigen Verhältnissen am Berg existiert. Es ist dieses Beschränken auf eine absolut einfache und gradlinige Sprache, die dem Roman ein solches Gewicht verleiht. Robert Seethaler braucht nur wenige Worte, um viel auszusagen. Er zeichnet Bilder, die sich vor dem inneren Auge des Lesers entfalten, wie ein Buch mit Popup-Bildern, das aufgeklappt wird. Um sie in ihrer Gesamtheit würdigen zu können, muss der Betrachter sich dem langsamen Tempo anpassen und genau hinschauen. Dann wird er eine solche Fülle von kleinen Details entdecken, dass es scheint, der Roman müsse mindestens 1000 Seiten haben.

Keine Überzeichnung

Die Stärke der Erzählung liegt darin, dass Robert Seethaler mit Andreas Egger im Prinzip einen Antihelden präsentiert. Egger genügt sich selber. Er zieht sich nicht in Zweifel und nimmt an, was passiert, ohne deswegen ein Schaf zu sein, das ohne eigenen Willen mit der Herde mit trottet. Hier offenbart sich auch die Liebe des Autors zu seiner Figur: Er zeichnet Egger so, dass in seiner einfachen Art dem Leser gefallen mag. Egger vollbringt auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Das macht ihn auf eine sehr spezielle Art sympathisch und lässt ihn dem "normalen" Leser sehr nahe kommen. Es ist nicht der Superheld, der die Gesellschaft rettet, der im Fokus steht. Es ist ein Mensch, dem man auch im realen Leben begegnen könnte.

Auseinandersetzung mit dem Tod

So hart wie das Leben in den Bergen ist, so rau ist auch die Erzählung. Andreas Egger muss viel Einstecken und es gibt mehr als eine Situation, da möchte man sich verstohlen eine Tränke aus dem Augenwinkel wischen beim Lesen. Ein ganzes Leben ist aber kein rührseliger Roman. Höchstens ein intensiver. Es ist auch ein Roman, der sehr viel von Tod handelt. Auch wenn mancher Tod tragisch ist, so lädt der Autor doch dazu ein, sich mit dem Thema Tod auszusöhnen und das Ende eines Menschen als Teil des Lebens als solches zu verstehen. Für Ein ganzes Leben sollte man sich Zeit nehmen. Die Bilder müssen auf den Leser wirken, sich entfalten und ihm auf diese Weise eine Geschichte erzählen, die in ihrer ruppigen Schönheit etwas ganz Außergewöhnliches bleibt.

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