Der Kaufmann und die Tempelritter

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • Waxmann, 2001, Titel: 'Der Kaufmann und die Tempelritter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

56
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Carsten Jaehner
Das Ende der Templer mit fadem Beigeschmack

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2014

Münster im Jahr 1309. Zwei zwielichtige Gestalten kommen in die Stadt, zeitgleich beginnt eine Reihe von Morden an Münsteraner Bürgern, und an Kirchenportalen werden Schmähschriften im Namen Baphomets gegen den Fürstbischof der Stadt, Konrad von Berg, angeschlagen. Natürlich geraten die beiden Fremden direkt in Verdacht, vor allem, als sich herausstellt, dass es sich um Tempelritter handelt, zumal der Orden zwei Jahre zuvor verboten wurde.

Doch Arnd Wrede, Kaufmannsgehilfe beim Kaufmann Kleyhorst, stösst durch Zufall auf Widersprüche und versucht, Licht in die Sache zu bringen. Er ist von der Unschuld der beiden Tempelritter überzeugt und versucht, sie vor der Hinrichtung zu retten.

Nicht Kehrers bester Roman

Jürgen Kehrer ist vor allem bekannt durch seine Romane um den Detektiv Georg Wilsberg, der geneigten Krimi-Fans auch aus der gleichnamigen ZDF-Serie etwas sagt. Doch hat er neben seinen Wilsberg-Krimis auch vier historische Krimis geschrieben. Als bislang letzter erschien 2001 Der Kaufmann und die Tempelritter, der im Münster des Jahres 1309 angesiedelt ist.

Der Roman beginnt mit einem Prolog, der zwei Jahre vor der Haupthandlung in Paris spielt, wo das Ende des Templerordens besiegelt wird und die letzten Templer verhaftet werden. Zwei Jahre später kommen zwei ehemalige Templer nach Münster, wo sie auf der Durchreise sind und sich möglichst unauffällig in der Stadt bewegen wollen. Doch da sie trotzdem auffälliger als normale Münsteraner Bürger sind und am selben Tag ihrer Ankunft sowohl ein Mann ermordet wird als auch ein Anschlag an eine Kirchentür gemacht wird, geraten die beiden schnell in Verdacht.

Ungereimtheiten

Kaufmannsgehilfe Arnd Wrede hat ein Stelldichein mit seiner Liebsten, als er Zeuge wird, wie ein Papier an die Kirchentür geschlagen wird, in der er sich befindet. Am anderen Tag wird er vom Richter des Bischofs, Richter von Berdel, aufgesucht und befragt, zumal zur gleichen Zeit der Kaufmann Gerwinus Rike auf grausame Art ermordet wurde.

Von der Anlage her bereitet Kehrer eigentlich das Feld für einen spannenden Krimi, doch kann man bei einem Seitenumfang von 145 Seiten nicht erwarten, zu tief in die Zeit eingesogen zu werden. So bleibt Kehrer auch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück, nicht nur was die Handlung angeht, sondern auch handwerklich. Papierne Anschläge an Kirchentüren auf weissem Papier im Jahr 1309 sind zwar nicht gänzlich unmöglich, doch wohl eher unwahrscheinlich, wenn man die historische Entwicklung von Papier betrachtet, und das ist nur eine von mehreren Ungereimtheiten, die dem Leser auffallen.

Kehrer bleibt in all seinen Beschreibungen des mittelalterlichen Münsters an der Oberfläche und versteht es nur marginal, den Leser in Stimmung für seine Geschichte zu bringen. Diese ist aufgrund der wenigen Seiten sehr knapp gehalten, es gibt wenige Überraschungen, was sich auch in der Stringenz der Erzählung wiederspiegelt. Hier geht alles recht geradaus, es gibt keine Umwege, keine Fallen, man identifiziert sich nicht mit Arnd, denn man lernt ihn zu wenig kennen. Warum Stadtrichter von Berdel nicht selbst ermittelt, wie es seine Aufgabe wäre, oder jemand anderen ermitteln lässt, bleibt ebenso offen wie die Frage, warum ausgerechnet Arnd ermittelt und man ihm am Ende auch noch glaubt. Die Auflösung der Geschichte kommt aus heiterem Himmel und wirkt daher konstruiert und unglaubwürdig.

Zwar bringt Kehrer gelegentlich geschichtliche Hintergründe zu den Templern, einiges weniges zu Münsters Stadtgeschichte und ein paar Informationen zu Baphomet unter, doch wirken diese in das Buch hinein konstruiert und nicht vorbereitet. Sie werden wenig geschickt in die Handlung integriert und machen den Anschein, aus einem Internetlexikon zusammen gesammelt worden zu sein, unreflektiert und nicht geschickt in die Handlung eingepasst worden zu sein. Dass Kehrer das besser kann, hat er in zahlreichen anderen Romanen bewiesen. Schade, dass er sich hier zu dieser Kurzfassung einer Geschichte mit mehr Potenzial hat hinreissen lassen.

Blasse Charaktere

Die Figurenzeichnung bleibt ebenso blass, was der Kürze des Romans geschuldet sein mag, doch stellt sich die Frage, warum der Roman nicht länger ist? 145 Seiten lassen dem Autor keinen Spielraum, und leider macht sich das überall bemerkbar. Die Charaktere wirken auf den Leser egal, Stimmung mag nicht so recht aufkommen, dafür gibt es zu viele Ungereimtheiten. Warum nimmt der Tempelritter an einem Turnier teil, wenn er doch unerkannt bleiben möchte? Solche Gedanken des Unverständnisses wird jeder Leser des Öfteren hegen.

Ein historisches Nachwort erklärt einiges aus dem Roman und ein Glossar ergänzt den Roman. Warum es einige Begriffe dort hineingeschafft haben, ist allerdings ebenso unerklärlich wie beispielsweise, dass es Baphomet, nach dem der Leser am ehesten nach Informationen sucht, dort nicht auftaucht. Schade, hier wäre mehr Umsicht weniger ärgerlich gewesen.

Unterm Strich ist Kehrers vierter historischer Roman zwar kein kompletter Reinfall, hinterlässt beim Leser aber ein unbefriedigtes Gefühl. Der Roman erzeugt wenig stimmungsvolle Atmosphäre, hätte auch in jeder anderen Stadt im Mittelalter spielen können und hat als einzigen interessanten Aspekt das Ende der Templer und deren Umgang damit zu bieten. Hier wäre viel mehr viel mehr gewesen, so wird der Leser auf halber Strecke mit einem Kriminalroman allein gelassen, der durch sein überraschendes und unvorbereitetes Ende unglaubwürdig und verschenkt wirkt. Schade, Cover und Thematik hätten da viel mehr hergegeben.

Der Kaufmann und die Tempelritter

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