Der Himmel über Alabama

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2013, Titel: 'The Wedding Gift', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Rita Dell'Agnese
Zwei Schwestern wie Milch und Kaffee

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2014

Sarah lebt Mitte des 19. Jahrhunderts als Sklavin auf einer Plantage in Alabama. Sie genießt trotz ihrer braunen Hautfarbe einige Privilegien. Fast jeder weiß, dass der Plantagenbesitzer ihr Vater ist. Als dessen legitime Tochter Clarissa, die sozusagen gleich alt ist wie Sarah, heiratet, bekommt sie von ihrem Vater die Halbschwester als Sklavin geschenkt. Die beiden Frauen glauben an ein gütiges Schicksal, denn sie sind sich trotz ihrer unterschiedlichen Hautfarbe nahe. Nach und nach müssen Sarah und Clarissa aber erkennen, dass sie in einer sehr eingeschränkten Welt leben die Südstaaten lassen den Frauen kaum Freiheiten, erst recht nicht dann, wenn sie wie Sarah, eine dunkle Hautfarbe haben. Als Clarissas Ehe scheitert, müssen die beiden Frauen auf die heimische Plantage zurück kehren. Doch damit setzen sie Ereignisse in Gange, die in einem Chaos enden.

Konflikt gut dargestellt

Die Autorin verfügt über ein großes Fachwissen, was die Gesellschaft der Südstaaten und das Verhältnis der weißen Bevölkerung zu den schwarzen Sklaven betrifft. Das vermag sie auch hervorragend umzusetzen. Sie geht hier sehr tiefsinnig zu Werke. Fast ein wenig zu sorgsam, was zumindest zu Beginn des Romans das Tempo der Erzählung stark drosselt. Sarah wird als aufgewecktes und wissbegieriges Mädchen beschrieben, das sich sehr schnell aus den verschiedenen Ereignissen etwas zusammenzureimen vermag. Dennoch bleibt sie in einigen Dingen doch sehr naiv, was einen Widerspruch in sich selbst darstellt. Hin und hergerissen ist auch Clarissa. Sie wächst in der Rolle der Herrin auf, sieht in Sarah einerseits eine Vertraute, andererseits aber auch klar die Dienerin, die keine andere Aufgabe hat, als ihre Wünsche zu erfüllen. So sind die beiden Mädchen und später jungen Frauen als sehr zerrissene Persönlichkeiten dargestellt, die zwar durch die verschiedenen Ereignisse durchaus reifen, aber letztlich nicht ganz aus der Rolle der Identitätssuchenden heraus wachsen können. Weder Clarissa noch Sarah vermögen es ganz, in die Herzen ihres Publikums hinein zu wachsen. Sie haben beide sehr unangenehme Charakterzüge, die sich über ihre guten Seiten hinaus schwingen. Gerade das aber macht das Buch zu etwas Besonderem. Denn es ist nicht die Erzählung einer Überheldin, die alle Schwierigkeiten bewältigt und schließlich als strahlende Retterin auftritt, sondern eine junge Frau, die ihren Weg geht, viele Entscheidungen trifft, die auch dramatische Ereignisse nach sich ziehen und erst nach und nach zu einer überlegt handelnden Frau heranwächst.

Die Enge der Südstaaten

Unabhängig von den handelnden Personen vermag die Autorin Marlen Suyapa Bodden jedoch die gesellschaftliche Enge der Südstaaten darzustellen. Sie zeigt die Denkweise der Menschen des 19. Jahrhunderts auf und macht deutlich, unter welchen Zwängen sowohl die Sklaven als auch die Weißen standen. Wer sich nicht der allgemeinen Meinung zu beugen vermochte, wurde ausgegrenzt. Das galt insbesondere für jene Menschen, die sich mit den Schwarzen abgaben und in ihnen mehr sahen als nur Arbeitstiere. Hier vermag die Autorin durch ihre Schilderungen eine bedrückend realitätsnahe Welt aufzubauen. Sie nimmt die Leser auf eine ganz spezielle Art gefangen und entführt sie in eine Welt, die zwar an die ganz großen Südstaatenromane erinnert, aber es doch schafft, sich davon abzuheben und eindringlicher zu wirken.

Die Sklaverei mit ihren ganzen Auswüchsen ist das zentrale Thema des Romans. Und damit auch die Hoffnung jedes einzelnen Sklaven, irgendwann die Chance zu bekommen, zu entfliehen und in einem anderen Land ein freies Leben zu führen. Dieser Traum schwingt unterschwellig immer mit. So auch bei Sarah, die, je älter sie wird, desto mehr darunter leidet, keine freien Entscheidungen treffen zu können. Besonders verlockend ist für sie das Wissen, das sie sich in den heimlichen Schulstunden mit Clarissa und ihrer Mutter angeeignet hat und das sie dazu befähigt, sich anders zu verhalten, als dies die Sklaven üblicherweise tun.

Langsam wirken

Teilweise strapaziert Marlen Suyapa Bodden die Geduld ihrer Leser, indem sie die Geschichte sich sehr langsam entwickeln lässt. Erst, wenn die letzten Zeilen gelesen sind, das Buch weggelegt ist und die Gedanken immer wieder zu Sarah und Clarissa zurück kehren, wird dem Leser bewusst, wie nachhaltig der Roman letztlich zu wirken vermag. Da trägt die leichte Lesbarkeit bestimmt auch ihren Teil dazu bei, was vor allem der umsichtigen Übersetzerin zu verdanken ist. Der Verlag hat dem Roman Der Himmel über Alabama ein Tüpfelchen aufs i beigesteuert, indem er das Cover mit den beiden Mädchen perfekt gewählt hat und so die ganze Präsentation optimal abrundet. 

Der Himmel über Alabama

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