Wolgatöchter

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Wunderlich, 2014, Titel: 'Wolgatöchter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82

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Bettina Weiß
Weit ist das Land, groß ist die Hoffnung

Buch-Rezension von Bettina Weiß Jul 2014

Georg Reiche ist mit seiner Familie im Frankfurt des Jahres 1765 gestrandet. Der im Deutschen Reich gesuchte Kunstfälscher lebt mit seiner Frau und den drei Töchtern von der Hand in den Mund. So kommt ihm das Angebot eines russischen Anwerbers gerade recht: Katharina II., die Zarin mit deutschen Wurzeln, will im Wolgagebiet deutsche Bürger als Handwerker und Bauern ansiedeln. Das verlockende Angebot scheint für die heimat- und mittellose Familie der Ausweg aus Bedrängnis und Not zu sein. Mit großer Skepsis, aber mit noch größeren Hoffnungen macht sich die Familie auf den beschwerlichen Weg. Über Lübeck und St. Petersburg geht die Reise nach Saratow an der Wolga.

Harter Winter und mordende Kalmücken

Dort angekommen zeigt der russische Winter seine harte Seite und die wohlklingenden Versprechungen des Anwerbers erweisen sich als weit übertrieben. Die Reiches haben mit Gefahren aus der Natur und von Menschen zu kämpfen. In den Wäldern leben Wölfe, die in dem der Familie zugewiesenen Haus zuvor lebende Familie wurde grausam von Kalmücken ermordet und dem Land muss die Ernte unter großen Mühen abgetrotzt werden. Die Familie muss sich beweisen. Die älteste Tochter Lydia entwickelt ein ungeahntes Talent für die Landwirtschaft, die Tochter Annmarie stürzt sich in die Vergangenheit des Hauses und die Geschichte der ermordeten Tochter Marieann, während die jüngste Tochter Aurora sich nach dem schönen Leben der Reichen sehnt und eine unmögliche Liaison mit einem baltischen Adligen eingeht. Bald stehen die drei jungen Frauen vor lebensbestimmenden Entscheidungen und der Frage nach dem Verbleib in der neuen Heimat. Wie werden sie sich entscheiden?

Die neue Existenz will erkämpft sein

Der Roman greift ein sehr spannendes und bisher selten beschriebenes Kapitel der deutsch-russischen Geschichte auf. Die Familien werden mit falschen Versprechungen in die Fremde gelockt und stoßen dort auf ungeahnte Gefahren in völlig unbekanntem Terrain. Den drei Töchtern der Familie Reiche gelingt es dabei, in ihren sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten auf diese Anforderungen zu reagieren. Während Lydia in ihrer zupackenden Art die Aufgaben annimmt und bewältigt, verliert sich Annmarie zunächst in der Vergangenheit und dem Leben der getöteten Marieann. Aurora hingegen, die sich zu Höherem berufen fühlt, geht dieses Unterfangen zwar zielstrebig aber auch sehr naiv an, so dass sie tief zu fallen scheint. Die Charaktere der Mädchen sind in ihrem Handeln nachvollziehbar gezeichnet und bieten in ihrer Unterschiedlichkeit ein erhebliches Entwicklungspotenzial, welches durch die Kürze des Romans mit 380 Seiten nicht ganz ausgeschöpft worden ist. An der einen oder anderen Stelle geht die Entwicklung sehr schnell, vielleicht zu schnell vonstatten.

Drei Töchter drei Lebenswege

Durch die Frage, wie sich die Familie in der neuen Heimat zurecht finden wird und wie die einzelnen Personen die Aufgaben bewältigen werden, bleibt die Spannung auf hohem Niveau erhalten. Auch die Perspektivwechsel, durch die verschiedenen Geschehnisse um die drei Töchter der Familie, tragen zum Erhalt des Spannungsbogens bei. Der Leser wird an die Geschichte gebunden und möchte mitverfolgen, wie sich die Mädchen schlagen werden. Die Eltern als Nebenfiguren der Geschichte bilden hierbei die verbindende Klammer. Die Randfiguren, wie die Nachbarn der Familie, die Bewohner von Saratow und die Männer der drei Reiche-Töchter bleiben eher blass. Einzig ein polnischer Kaufmann, der in das Leben der Familie Reiche tritt, vermag hier eine Ausnahme zu bilden. Er ist ein sehr präsenter und tätiger Charakter.

Der Roman ist leicht und flüssig zu lesen und durch einzelne, wohl dosierte russische Ausdrücke erwächst ein wenig Flair der Zeit und Bezug zum Ort des Geschehens. Die Handlung ist eingebunden in die Besiedlung des Wolgagebietes mit deutschen Bürgern, dies bildet jedoch nur den Rahmen der Geschichte und wird nicht zum beherrschenden Thema des Romans. Dies ist die Entwicklung der Töchter der Familie Reiche und ihr sehr unterschiedlicher Kampf um einen Platz in einem lebenswerten, selbstbestimmten Leben.

Insgesamt ein sehr stimmungsvoller Roman vor dem Hintergrund einer selten erzählten Seite der deutsch-russischen Geschichte, in der man gerne etwas länger und ausführlicher hätte verweilen wollen. 

Wolgatöchter

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Letzte Kommentare:
06.10.2014 11:00:43
Slevowitsch

Mehr Schein als Sein – Rezension zu „Wolgatöchter“

Romane über das viel zu wenig beachtete Thema der Auswanderung der Deutschen nach Osten im 18. Jahrhundert hatte ich bisher kaum gesehen, daher nahm ich voller Vorfreude das neuste Werk von Ines Thorn zur Hand, da mich schon der Klappentext fesselte. Um es vorwegzunehmen: ich wurde maßlos enttäuscht. Dies hatte weniger mit dem Setting zu tun, als vielmehr mit der dürftigen Handlung, den unsympathischen Protagonisten sowie der offensichtlichen mangelhaften Recherchearbeit der Autorin.
Dies beginnt bereits mit dem Klappentext: entgegen der Angaben im Klappentext, dass der Roman im Jahre 1765 spielt, steigt die Handlung wohl knapp 30 Jahre später ein. Zwar vermeidet die Autorin konsequent irgendwelche Jahresangaben, allerdings berichten die Reiche Schwestern bei ihrem Spaziergang durch Frankfurt zu Beginn des Romans von den Ereignissen der Französischen Revolution, nennen unter anderem die Hinrichtung Ludwigs XVI. (im Januar 1793) und die Ausrufung der Republik. Selbst wenn man 1793 als Handlungszeitpunkt nimmt, reihen sich zahlreiche historische Kuriositäten aneinander: So sehen die Schwestern französische Offiziere durch Frankfurts Straßen flanieren, was angesichts des Krieges mit Frankreich von 1792-1797 durchaus fragwürdig erscheint.
Diese Art von historischen Ungereimtheiten zieht sich durch den gesamten Roman, so wird im späteren Verlauf über einen „Feldherr mit Namen Napoleon“ diskutiert, welcher sich anschickt „sein Reich auszudehnen“ (S. 316). In Zusammenhang mit der Tatsache, dass Zarin Katharina II. während der Handlung noch lebt, erscheinen diese Aussagen fragwürdig: Napoleons Aufstieg begann 1799 mit einem Staatsstreich, Katharina II. starb jedoch bereits 1796 und hat den Aufstieg Napoleons nicht miterlebt.
Der Stil und die Sprache der Autorin lassen sich leicht und flüssig lesen. Ebenfalls hervorzuheben sind die sehr anschaulich beschriebenen „neuen Situationen“ der Familie Reiche auf ihrer Reise an die Wolga: Die Märkte und die Atmosphäre der Reise ist gut eingefangen und beschrieben. Leider gilt dies nicht für die russische Sprache, die bisweilen eingestreut wird. Exemplarisch lassen sich zwei Beispiele anführen:
Zum einen konnte sich die Autorin (oder das Lektorat) nicht auf eine einheitliche Schreibweise der russischen Wörter einigen. Meiner Meinung nach gibt es dabei nur zwei Möglichkeiten. Entweder man benutzt eine Transliteration, also eine buchstabengetreue Übertragung des Wortes, oder aber man gibt das Wort phonetisch, dem Klang nach, wieder. Im Roman wechselt die Schreibweise von Seite zu Seite, wobei sogar eine gänzlich falsche Schreibweise wiedergegeben wird.
Zum anderen wird falsch bzw. unzureichend übersetzt. So wird der Tochter Lydia von der russischen Nachbarin berichtet, im Russischen gebe es einen entsprechenden Namen „Ljuba“, welcher „Liebe“ bedeutet. Dieses stimmt leider nur ansatzweise, da „Ljuba“ nur der Kosename des Vornamens „Ljubow“ ist, welcher tatsächlich „Liebe“ bedeutet.
Die Protagonisten Familie Reiche lässt erst zum Abschluss des Romans etwas Sympathie zu. Der Vater ist den gesamten Roman über ein selbstzweifelnder, egoistischer Verbrecher. Zwar würde er, nach eigenen Angaben, alles für seine Familie tun, tut jedoch weder vor noch während der Handlung etwas, um das Leben der Familie zu verbessern. Im Gegenteil geht es der Familie zusehends schlechter durch die Aktionen des Vaters. Daneben wird die Tätigkeit des Vaters als Maler mit zahlreichen „Fehlern“ beschrieben, der sein Atelier in Kellern und auf Dachböden errichtet. (Die Tatsache, dass zum Malen ausreichend Licht benötig wird, scheint weder den Vater noch die Autorin zu stören).
Die Mutter eignet sich ebenfalls nicht als Vorbild, einzig die Erziehung ihrer Töchter kann man ihr positiv anrechnen. Im Laufe des Romans hört man öfter den Ausspruch „Das wurde mit nicht an der Wiege gesungen“ von ihr, immer zu einem Zeitpunkt, wo ihre Familie Unterstützung benötigt. Trotzdem erhält die Familie Reiche diese Unterstützung vonseiten der Mutter nicht.
Die Reiche Töchter bleiben ebenfalls fade, Lydia, die in allen Dingen noch das Positive finden kann, findet kaum statt. Annmarie blüht erst auf den letzten 50 Seiten etwas auf und die jüngste Tochter Aurora zieht ständig eine „Schippe“ und kümmert sich nur ihre eigenen Angelegenheiten, ohne der Familie zu helfen.
Die Handlung an sich ist schnell erzählt: Die Familie Reiche lässt sich von einem besseren Leben in Russland locken und muss, nach einer langwierigen und anstrengenden Reise, feststellen, dass man sich auch in Russland Wohlstand verdienen muss. Die im Klappentext beschriebenen Liebesgeschichten der Reiche Töchter bleiben ebenso eintönig wie die Töchter selbst. Nichtsdestotrotz erhält jede Tochter ihr Happy End, wobei auch hierbei historische Hintergründe zurechtgebrochen werden (im Falle von Auroras Ehemann).
Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass mich der Roman „Wolgatöchter“ von Ines Thorn sehr enttäuscht hat. Über weite Teile des Romans hatte ich das Gefühl, dass der Handlungsort beliebig ist, die Kulisse bleibt über den Großteil des Romans austauschbar, hätte genauso gut im Wilden Westen Amerikas, in Lateinamerika oder in Afrika spielen können. Die Protagonisten können keine Sympathie erzeugen, bleiben, bis auf die beiden älteren Schwestern, bis zum Schluss unsympathisch und ihre Beweggründe abwegig. (So erhält z.B. der Vater bei seiner Ankunft in Saratow vom örtlichen Kloster eine Palette Farben geschenkt, mit denen er gleich anfängt, Ikonen zu fälschen.)
Die Inhaltsangabe verspricht „Ein Epos über das bewegte Schicksal der Wolgadeutschen“, dieses Versprechen kann die Autorin mit diesem Roman leider nicht einlösen. Die zahlreichen historischen und inhaltlichen Fehler, welche auf eine mangelhafte oder unzureichende Recherche schließen lässt, verbieten m.M.n. die Bezeichnung „historischer Roman“ und zerstören jeglichen Lesefluss.
Wer einen seichten Liebesroman mit ein wenig Russlandbezug sucht, ist mit „Wolgatöchter“ trotz allem gut bedient, wer jedoch einen historisch fundierten Roman über die Geschichte der Wolgadeutschen sucht, ist mit z.B. „Schön ist die Jugend bei frohen Zeiten“ (ISBN 978-3-86685-195-5) besser beraten.

30.08.2014 15:43:27
Mohnblume

Die Familie Reiche gerät im Jahr 1765 in Frankfurt , mal wieder durch ihren Vater Georg einen Künstler in große Not. Er fälscht gekonnt Bilder von großen Meistern. Mal wieder droht es ihm erwischt zu werden. Wieder muss die Familie fliehen . Sie leben von der Hand in den Mund,
Geld ist so gut wie keines da. Da begegnet Georg beim Besuch eines Kaffeehauses einem Werber
der für Katharina die Große in Russland Leute aus Deutschland anwirbt. Er verspricht , Geld,
Land , Haus Vieh und noch vieles Meer , ein Eldorado das Wohlstand und Reichtum verspricht...
Georg ist so fasziniert von den Versprechungen , wäre er doch alle Sorgen auf einmal los, das er einschlägt und den Vertrag unterschreibt.....
Die Familie ist mehr entsetzt als sie davon hört , aber ihnen bleibt wohl nichts anderes übrig als sich dem Schicksal zufügen...
In einem großen Tross machen sie sich auf einen Entbehrungsreichen und beschwerlichen und strapaziösen Weg.
Auf dem Schiff verheiratet Georg seine Tochter Lydia gegen Geld an Anton einen Lehrer. Lydia
zeigt Anton die Kalte Schulter zu sehr ist sie verletzt , Anton liebt Lydia und gibt ihr Zeit....
Auch bei der Ankunft in Russland ist nichts wie es sein soll. Die Menschen ihre Kultur, Sitten und Gebräuche sind ihnen Fremd. Das Klima ist Kalt im Winter und im Sommer brütend heiß....
Man weißt ihnen nach langem hin und her das Haus einer ermordeten Familie zu. Annemarie plagen Schuldgefühle und Alpträume. Sie findet Arbeit in einem Kramladen....
Aurora die Jüngste spielt mit dem Leichtsinnig Feuer , in dem sie sich mit dem jungen Grafen Roman einlässt und begibt sich damit in große Gefahr..
Die Frauen der Familie Mutter Ilse , Lydia und Annemarie , kämpfen für ein besseres Leben.
Von Früh bist Spät Arbeiten sie bis zum Umfallen, außer Aurora die in den Tag hineinlebt ….
Nur harte Arbeit wenig Lohn , ob sich ihr unendliches bemühen für eine bessere Zukunft und ihr Verzicht auf viele sich lohnen wird . Aber auch wird Lydia , Annemarie und Aurora ihr Glück noch finden........


Die Autorin Ines Thorn erzählt in ihren neuen Roman , in flüssigen Sätzen von den Wolgadeutschen. Die sich im Namen der Zarin Katharina der Großen und ihrer Versprechungen aufmachten nach dem großen Reich Russland . Ihrer Naivität , der Glaube an Wohlstand und Reichtum. Von den Strapazen während der hinreise , dem Hunger , Krankheit und Tod , den großen Enttäuschungen bei ihrer Ankunft. Von der Hitze und der Kälte dieses fremden Landes, den Sitten und Gebräuchen, von den Tödlichen Gefahren durch die Angriffe der Kalmückenstämme. Von dem harten Kampf der Familien auf ein besseres Leben. Das hat sie alles Spannend und üppig verpackt.

„ Ein interessantes und Geschichtliches Epos von den Wolgadeutschen „