Das klare Sommerlicht des Nordens

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2014, Titel: 'Das klare Sommerlicht des Nordens', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Malerei als Ausdruck einer weinenden Seele

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2014

Sie ist jung, reich, schön – und unglücklich. Denn die junge Ehefrau Sidonie Wartberger hat ihrem Mann noch kein Kind schenken können. Während die ganze Gesellschaft von ihr erwartet, dass sie sich aufrappelt und ihren Pflichten als Ehefrau nachkommt, beginnt sich Sidonie zu fragen, was sie wirklich will. Das umso mehr, als ihr Mann sie zu einem mehrwöchigen Malkurs anmeldet, in dessen Verlauf sie nicht nur zu den Farben in ihrem Leben zurück kehrt, sondern auch mit einer neuen Art der Freiheit konfrontiert ist.

Während sich die junge jüdische Ehefrau aus einer tiefen Depression ins Leben zurück kämpft, versucht Dora Lenau unter schwierigen Voraussetzungen zu überleben. Die junge Schneiderin bekommt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im gerade erst angebrochenen 20. Jahrhundert schmerzhaft zu spüren. Sie muss sich in einer Welt behaupten, in der alles im Umbruch ist: Sowohl die politische Situation als auch die wirtschaftliche Entwicklung lassen großes Konfliktpotential erkennen. Dazu kommt, dass Dora nicht nur in ärmlichen Verhältnissen lebt, sie muss sich auch gegen ihren heimtückischen Cousin behaupten. Die Begegnung der beiden ungleichen Frauen ist für beide eine Offenbarung: Sie öffnet Türen und die Augen für eine ganz andere Lebensweise. Sowohl Sidonie als auch Dora profitieren von der Welt der anderen. Doch vielen ist die Entwicklung der beiden Frauen ein Dorn im Auge.

Ein Buch der leisen Töne

Das klare Sommerlicht des Nordens ist ein ruhiger Roman. Für etliche Leserinnen und Leser dürfte er zu still bleiben. Zwar spinnt Petra Oelker ihre Geschichte sehr schön rund um die gesellschaftlichen Ereignisse, doch bleibt sie während des ganzen Verlaufs sehr distanziert. Damit vermag die Geschichte nicht so richtig Tempo aufzunehmen. Sie wirkt leicht schleppend und will sich nicht richtig entfalten. Zwar werden die Leser mit sehr schön gezeichneten Bildern konfrontiert, erfahren viel über die Lebensweise der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, doch bleibt es die ganze Zeit ein Blick von außen. Die Leser werden von den Ereignissen nicht so stark eingehüllt, dass sie den Eindruck bekommen könnten, sie würden mitten im Geschehen stehen. Nur wer ganz genau hinsieht wird die Geschichte hinter der Geschichte entdecken: Eine neue Entwicklung auf dem Gebiet der Psychiatrie, die mit den Kapazitäten jener Zeit ihren Anfang nimmt und die gesamte medizinische Geschichte beeinflussen wird.

Blutleere Figuren

Wohl ist es bei Sidonie Wartenberger zunächst unabdingbar, dass sie ein blutleerer und tief in sich gefangener Charakter ist. Leider aber vermag sich die junge Frau trotz ihrer Entwicklung im Laufe des Romans nicht von dieser stillen Abgeschiedenheit lösen und sich zu einer Figur zu entfalten, mit der die Leser mitleiden und mitfiebern könnten. Es fehlt Sidonie bis zuletzt an innerem Feuer und ihre erwachende Emanzipation ist nicht ganz überzeugend. Etwas leichter fällt es da, mit der tatkräftigen Dora mitzuhalten, wenn sie auch in vielen Bereichen etwas zu heldenhaft geraten ist und als Kind ihrer Zeit den Ereignissen manchmal etwas vorauszueilen scheint. Schön  ist zwar, dass Dora einen Fehler macht, den sie bereut und der sie immer mal wieder einzuholen droht. Doch so richtig entfalten mag sich auch diese Figur nicht. Das Geheimnis, das hinter Dora als Persönlichkeit steckt, kommt viel zu spät und nebensächlich ins Spiel, um das Steuer noch herum zu reißen.

Richtung nicht ganz klar

Obwohl es sich hier um einen feinfühligen Roman handelt, wird nicht ganz klar, worauf die Autorin letztlich hinaus wollte. Es sind mehrere Interpretationen möglich und genau dadurch wirkt die Geschichte nicht voll entwickelt. Vielmehr kann man das Gefühl nicht abstreifen, die Figuren würden noch nach der tatsächlichen Bestimmung in ihrem Leben suchen und müssten sich einer Zeit des Umbruchs zunächst zurecht finden, bevor sie ihren Weg gehen könnten. Die Autorin Petra Oelker, an sich bekannt für stimmungsvolle und atmosphärisch dichte Romane aus dem alten Hamburg, ist mit dem Roman über das beginnende 20. Jahrhundert einem Trend gefolgt, ohne dass sie sich mit der Epoche auch tatsächlich zu identifizieren scheint.

Das klare Sommerlicht des Nordens

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