Aus reiner Barmherzigkeit

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2014, Titel: 'Aus reiner Barmherzigkeit', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Kurzweilige Einblicke in die Zeit während des Ersten Weltkrieges

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2014

Erich Wiedemann, beim letzten Angriff der Franzosen auf Verdun von einem Granatsplitter getroffen, war eigentlich auf dem Weg der Besserung, nachdem sein Unterschenkel unterhalb des Kniegelenkes amputiert werden musste. Dessen Wundränder hatten sich wenig später leicht entzündet; eigentlich ein Routineeingriff. Doch binnen weniger Tage stirbt mit Wiedemann bereits zum zweiten Mal ein Patient in der Berliner Charité. Der behandelnde Chirurg Richard Oppermann gerät unter Verdacht.

Derweil werden die Eheleute Kaminski brutal in ihrer Wohnung ermordet. Die fünfzehnjährige Enkeltochter muss alles mit ansehen und bleibt traumatisiert zurück. Kriminalkommissar Max Winter übernimmt die Ermittlungen, obwohl er eigentlich privat genug um die Ohren hat. Eine neue, eigene Wohnung will eingerichtet werden, denn der Umzug seiner jüngst angetrauten Frau Helene nach Berlin steht bevor&

Insgesamt zu oberflächlich

Aus reiner Barmherzigkeit ist der Debütroman von Jaqueline Nordhorn, der den Zeitgeist des Kriegsjahres 1916 in Teilbereichen einfängt. Die Arbeitsverhältnisse in der Berliner Charité werden ansprechend beschrieben und auch die Lebensverhältnisse der zahlreichen Figuren werden anschaulich dargestellt. Allein, zu Beginn des Romans übertreibt es die Autorin ein wenig: Zu viele Figuren strömen gleichzeitig in die Handlung, wobei deren Privatleben die Handlung stark dominiert. Hat man zunächst leichte Schwierigkeiten, die Namen und deren familiäre Zugehörigkeit zu ordnen, so stört deren ausuferndes Privatleben zusätzlich. Statt den Krimiplot voranzutreiben werden stattdessen Hochzeiten und diverse Beziehungen breitbeinig durchgekaut. Zum Verständnis der Handlung gehören diese zwar letztlich dazu, allein das Verhältnis der Seitenzahlen bezogen auf den Krimiplot (das Buch ist laut Cover immerhin ein Krimi) zur restlichen Handlung stimmt nicht ganz.

Zur Krimihandlung: Max Winter und Kollegen ermitteln recht überschaubar, was de facto der damaligen Zeit geschuldet sein mag. Die Menschen haben im Kriegsjahr 1916 andere Sorgen als mit der Polizei zu reden. Dies hätte man dann aber gerne mal darstellen können statt an einer Stelle lediglich zu erwähnen, die Befragung der Nachbarn habe nichts ergeben. So ist die Ermittlungsarbeit eher durchwachsen, immer wieder schlägt das Privatleben der Figuren durch und so wird bald erkennbar, dass hier der Schlüssel zur Lösung der Verbrechen zu finden ist, respektive zu finden sein muss. Man erahnt leider schon früh wer der vermeintliche Mörder ist, nicht zuletzt, weil die Alternativen begrenzt sind, und das Kommissar Zufall einen nicht unerheblichen Beitrag zur Auflösung beisteuert, macht es auch nicht besser.

Dafür führt die Autorin in das Denken der Menschen zur damaligen Zeit gelungen ein, wenngleich sie, wie durchgehend im gesamten Roman, häufig nur die Oberfläche touchiert. Schade, denn da gibt es doch zahlreiche Romane, die den Krieg und seine Auswirkungen deutlich direkter vor Augen führen (vgl. Der eiserne Sommer von Angelika Felenda oder Ein langer, langer Weg von Sebastian Barry, um nur zwei aktuelle Titel zu nennen). Sei es drum: Für einen Debütroman ist Aus reiner Barmherzigkeit durchaus in Ordnung. 

Aus reiner Barmherzigkeit

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