Der Sommer der Freiheit

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2014, Titel: 'Der Sommer der Freiheit', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Die Welt im Umbruch – Portrait einer schwierigen Zeit

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2014

Sie sind jung – und sie sind lebenshungrig – Selma und ihre Freundin Constanze verbringen den August 1913 in Baden-Baden. Obwohl die beiden jungen Frauen aus wohlhabenden Elternhäusern stammen, könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Selma sieht ihre Bestimmung darin, gesellschaftliche Events wahrzunehmen, Constanze hingegen arbeitet im Betrieb ihres Vaters mit und ist von Technik fasziniert. Als Selma von ihrem Verlobten Gero dessen Auto zur Verfügung gestellt bekommt, machen sich die beiden Freundinnen auf den Weg, die Umgebung zu erkunden. In Belfort lernen sie den Fotografen Robert kennen – ein charmanter Franzose, der beiden Frauen den Kopf verdreht. Obwohl Selma verlobt ist, fühlt sie sich genauso zu Robert hingezogen, wie Constanze. Für einen Moment noch geben sich die drei einer unbeschwerten Freundschaft hin, doch vermögen sie sich der politischen Spannung nicht zu entziehen, die sich überall breit macht. Besonders der Umstand, dass sie aus zwei Nationen stammen, die sich alles andere als wohlwollend gegenüber stehen, belastet zunehmend die Beziehung. Dennoch ahnt keiner des Trios, dass der Krieg ihre Träume durcheinander wirbeln wird und nichts mehr so bleibt, wie sie gerade noch gesehen haben.

Starke Charaktere

Heidi Rehn gelingt mit ihrem Roman ein Spagat. Einerseits fängt sie hier eine schwierige Zeit ein und schafft es mit einer dicht gewebten Atmosphäre das Knistern in der Luft wiederzugeben und den Lesern sichtbar zu machen, wie sich alles langsam in Richtung eines grausamen Kriegs entwickelt. Andererseits gibt sie die Leichtigkeit eines Sommers wieder, in dem einige junge Leute ihre Träume leben und sich auf vielfältige Weise näher kommen. Es ist kein Liebesroman im herkömmlichen Sinn, den Heidi Rehn hier vorlegt. Vielmehr werden die Leser mit einem sehr starken und ausgereiften Gesellschaftsportrait konfrontiert, das auch Raum für die Liebe lässt. Liebe, die Grenzen oder gar Welten überwinden muss. Dass die Protagonisten auch ihre sexuelle Freiheit ausleben, mag den einen oder anderen Leser etwas irritieren. Aber mit ihrer Darstellung bleibt Heidi Rehn durchaus in Grenzen und die Szenen werden weder schlüpfrig noch plump.

Die Autorin zeigt auf, wie nah sich die Menschen sind, die durch die Politik getrennt werden. Aber sie setzt dabei bei weitem nicht nur auf die Protagonisten – der Roman lebt ebenso von den starken Nebenfiguren, insbesondere von Selmas Großmutter Meta, die unter Pseudonymen Romane schreibt. Durch die Zusammenstellung ihrer Charaktere vermag Heidi Rehn eine tiefgründige Geschichte zu erzählen und viele Themenbereiche anzuschneiden, die für die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts typisch waren. Das tut sie so geschickt, dass niemals der Eindruck aufkommt, die Geschichte sei zu überladen.

Erinnerungen werden wach

Obwohl die Handlung in eine Zeit fällt, die nun hundert Jahre zurück liegt, werden durch "Der Sommer der Freiheit" viele Erinnerungen wach – die Erinnerungen an Erzählungen der eigenen Großeltern, die man unter Umständen nicht richtig einzuordnen wusste. Heidi Rehn gelingt es, die Ereignisse mit ihren unfassbaren Folgen in Worte zu fassen und sie für die Menschen sichtbar zu machen, die vieles nur aus dem Geschichtsbuch kennen. Sie verzichtet dabei darauf, sentimental oder belehrend zu werden, macht keinerlei Schuldzuweisung, sondern erklärt lediglich, wie sich die Spirale von Gewalt zu drehen beginnt, und wie die Menschen dem Geschehen ausgeliefert sind. Wer sich näher mit der unmittelbaren Vorkriegszeit und dem Ersten Weltkrieg befassen möchte, bekommt hier eine intensive und überzeugende Grundlage geboten, die Ereignisse aus Sicht der Bevölkerung und nicht aus Sicht eines Chronisten zu erleben. Das allerdings verlangt die Bereitschaft, sich auch mit unangenehmen Wahrheiten auseinander zu setzen.

Viel vorausgesetzt

Eine kleine Schwachstelle mag sein, dass Heidi Rehn von ihren Leserinnen und Lesern ein breites Wissen über die damaligen Modetrends und Entwicklungen voraussetzt. Immer wieder fallen Begriffe, die dem modernen Menschen nicht ganz so geläufig sind und den einen oder anderen Griff zu einem Nachschlagewerk provozieren. Das Glossar ist denn auch verhältnismäßig bescheiden ausgefallen – dafür bietet der Anhang noch mal viel Wissenswertes.

Heidi Rehn legt einen der Romane über den Ersten Weltkrieg vor, der wesentlich mehr bietet, als einfach eine Aufarbeitung der geschichtlichen Ereignisse. Sie macht die Situation auf eine Art erlebbar, wie es nur ausgezeichneten Erzählern gelingt. Dabei geht die Autorin keine Kompromisse ein – und das ist gut so!

Der Sommer der Freiheit

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Letzte Kommentare:
26.07.2014 15:23:48
tinstamp

Der Schmöker ist in drei Teile aufgeteilt:
Teil 1: Aufbruch
Teil 2: Ausbruch und
Teil 3: Umbruch
Dazu kommt noch jeweils ein kurzer Prolog, der zeitlich kurz vor 1913 liegt und der Einblicke in die jährliche Sommerfrische der Familie in Baden-Baden aufzeigt, und ein Epilog, der ebenfalls im Kurort nach Kriegsende spielt und die Handlung somit abschließt.

Selma lernt während der Sommerfrische im Jahr 1913 bei einer Autopanne Constanze und ihren Vater kennen, nachdem ihr ihr Verlobter Gero sein Auto zur Verfügung gestellt hat.Constanze wird Selmas Freundin und gemeinsam machen sie Ausflüge ins Umland. Dabei lernen die beiden Mädchen den charismatischen Robert kennen, in dem sich beide verlieben......

Die Geschichte spielt in der Zeit von 1913 bis 1919....eine aufregende und eine nicht sehr einfache Zeit.
Es ist der große Umbruch mit technische Neuerungen und Erfindungen, dem Wunsch von Frauen ebenfalls in Männerdomäne einzudringen, neue Musikrichtungen und Modestile entstehen. In den beiden Romanen von Petra Durst-Benning wurde z. Bsp. diese Epoche wunderbar und sehr interessant beschrieben! ("Solange die Welt noch schläft", "Die Champagnerkönigin")
Doch hier hatte ich während der fast 700 Seiten nicht sehr oft das Gefühl über diese Zeit des Umbruches, des ersten großen Weltkrieges und des Leides zu lesen!
Den Großteil der Geschichte verbrachte unsere Hauptprotagonistin Selma auf Sommerfrische im feudalen Hotel Bellevue in Baden-Baden. Dort vergnügte sie sich- vorallem im ersten Teil - mit haufenweise Sex und wilden Partys. Der Krieg fand nur im Hintergrund statt und erreichte die Oberschicht nicht wirklich....zumindest im Buch. Ich fand es etwas befremdlich im ersten Drittel so viel über Sex zu lesen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte....aber erstens erwartete ich es nicht in dieser Geschichte, noch kann ich es mir zu dieser Zeit schwer vorstellen (eher mehr in einem Buch während der "wilden" Siebziger), was sich vielleicht komisch anhört, denn Sex gibt es schon seit Menschengedenken, sonst wären wir bereits ausgestorben ;), aber Selmas Vorehesex, die Untreue mit einem anderen Mann während ihrer Verlobungszeit, homosexuelle Liebe und auch lesbische Anzeichen...das war etwas zu viel für mich, vorallem, wo doch die eigentliche Handlung sehr auf der Strecke blieb.
Selma empfand ich nicht wirklich als sympathisch. Sie war einfach nur egoistisch, verwöhnt und ihre Gedanken kreisten immer nur um sich selbst und Sex. Sogar als sie in Constanze eine wirkliche Freundin findet, nennt sie diese nur "das Küken" und behandelt sie von oben herab. Dabei studiert Constanze das Ingenieurswesen und arbeitet in der Fabrik ihres Vaters, liebt Autos und Motoren; während Selma, wie viele aus der Oberschicht gar nichts macht, außer auf die gepante Heirat zu hoffen. In den mehr als sechshundert Seiten wandelt sich aber auch Selmas Charakter etwas, auch wenn ich ihr plötzliches "Ich muss etwas bewirken" nicht ganz abnahm.

Mit den Großteil der Hauptcharaktere wurde ich nicht wirklich warm. Gero, ihr Verlobter, ist ein Weichei und charakterschwach. Grischa, ihr Bruder, überlebt den Krieg schwer verwundet und blieb mir trotzdem fremd. Robert, der französische Fotograf, war mir zu eingebildet und Selmas Eltern zu blass und nichtssagend. Einzig Constanze, fand ich sehr sympathisch und stark, ebenso Meta, Selmas Großmutter, eine Emanze, Autorin und Pazifistin. Der Roman hat leider etliche Längen und wird erst zum Schluss hin etwas dramatischer, bevor sich wieder alles in Wohlwollen auflöst.

Schreibstil:
Heidi Rehn schreibt sehr ausschweifend und bildhaft. Man kann ohne weiteres 2-3 Seiten nur über eine Landschaftsbeschreibung lesen oder etwa genausoo über die technischen Feinheiten des neuersten Automobils oder dem letzten Modeschrei. Die Sätze sind lang und detailreich, aber sehr bildhaft und das Kopfkino rattert nur so im Kopf ;)

Cover:
Das Cover finde ich sehr ansprechend. Man hat das Gefühl der Leser hat hier Selma vor sich, die vor dem Hotel und dem neuersten Automobild posiert, genauso wie in der Geschichte beschrieben.

Fazit:
Die Hälfte an Seiten und mehr geschichtlicher Inhalt wäre meiner Meinung nach besser gewesen. Für mich war das leider nicht das erwartete Kriegsdrama mit Familiengeschichte, sondern ein Buch mit etlichen Längen und unsympathischen Charakteren. Leider konnte mich diese Geschichte nicht wirklich überzeugen.

25.07.2014 15:32:44
Orange

Es ist der Sommer 1913. Selma macht mit ihrer Familie in Baden-Baden im noblen Hotel Bellevue Urlaub und genießt den Sommer. Seit einiger Zeit ist sie mit Gero von Sudloff verlobt. Sie nimmt sich kleine Freiheiten, trägt die neuste französische Mode und hat zudem heimlich den Führerschein gemacht. Nachdem Gero nicht wie angekündigt nach Baden-Baden kommen kann und ihr dafür sein Auto schickt, erkundet Selma zusammen mit ihren jüngeren Bruder Grischa die Umgebung. Dabei lernt sie Constanze kennen. Constanze ist das genaue Gegenteil von Selma. Sie hat großes Interesse an Technik und strebt ein Ingenieurstudium in Berlin an. Trotz der Unterschiede werden die beiden Freundinnen. Auf einen ihrer nun gemeinsam stattfindenden Ausflüge lernen die beiden den französischen Fotografen Robert kennen. Fortan spannt sich zwischen diesen dreien ein Freundschaftspakt. Im Laufe der Geschichte kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Ihre Freundschaft wird auch während des 1. Weltkriegs Bestand haben, verlangt allen aber auch viel ab.
Der Roman lässt sich leicht und flüssig lesen, obwohl er an manchen Stellen einige Längen aufweist und auch die detaillierten Beschreibungen der damaligen Mode wirkten nicht immer passend. Auch die Personen blieben seltsam fremd und farblos. Mit Selma selbst wurde ich nie so richtig warm, obwohl man ihr schon eine Veränderung und Reifung anmerkt. Das Gefühl Ich-muss-unbedingt-wissen-wie-es-weitergeht kam selten auf. Die Autorin vermittelt um die fiktiven Personen auch einen Einblick in die politischen Gegebenheiten dieser Zeit
Ausnehmend gut gefällt mir das Cover. Das Buch hebt sich damit toll aus der Masse der historischen Romane ab.

23.07.2014 17:27:36
Mohnblume

Selma ist eine verwöhnte Tochter eines reichen Zeitungsverlegers. Der vater ein Humorvoller und Gutmütiger Mensch , Grischa ihr Bruder der sie vergöttert und Großmutter eine herzerfrischende Person mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Für Selma gibt es nur vergnügen , Bälle , Geld ausgeben und Reisen , Verantwortung kennt sie nicht. Nur das Hier und Heute. Wie immer ist man von Berlin aus in die Sommerfrische nach Baden-Baden gereist . Hier lernt sie ihre neue Freundin Costanze kennen , Tochter eines Maschinenfabrikanten , aber die ist das genaue Gegenteil von Selma, ernsthaft und Verantwortungsbewusst , sie studiert auch Maschinenbau .
Gero Selmas Verlobter und zukünftiger Ehemann , verwöhnt sie ebenfalls . Aber das hält sie nicht davon ab sich im Urlaub in den Franzosen Robert zu verlieben . Sie betrügt ihn nach Strich und Faden , auch noch nach der Ehe kann sie die Finger nicht von ihm lassen. Auch Gero hat ein dunkles Geheimnis , das Selma überraschend entdeckt , aber von dem Gero nichts weiß. Sie Jubelt ihm auch Alma , als sein Kind unter..
Doch dann bricht der 1. Weltkrieg aus und nichts ist mehr wie vorher , Grischa und Gero müssen in den Krieg , Grischa wird schwer verletzt und Gero gilt in Frankreich als vermisst.
Großmutter Meta unterstützt Selmas Vorhaben , Gero in Frankreich zu suchen . Mit Robert und Costanze macht sich Selma auf um in Frankreich Gero zu suchen.
Eine gefahrvolle und gefährliche Reise beginnt , schließlich begeben sie sich in Feindesland.
Das vorhaben gelingt zwar , Gero über die Schweiz heraus zuschaffen , aber er ist ein gebrochener Mann …..
Grischa ist in Costanze verliebt , aber auch sie hat ein Auge auf Robert geworfen , ob aus ihnen einmal ein Paar werden wird und ob Selma und Robert wieder zueinanderfinden wird ist fraglich.....
Wie die Geschichte enden wird muss der Leser selbst erfahren....

Die Autorin Heidi Rehn , hat sich mit ihrem neuen Roman auf Neuland gewagt , diesmal eine Familiensaga anstatt Mittelalter Epos. Sie beginnt im 20. Jahrhundert und erzählt facettenreich, vom Leben vor , während und nach dem 1.Weltkrieg. Eine Familiengeschichte mit vielleicht etwas Zuviel Erotik und Sexuellem Hunger gespickt. Vom Grauen des Krieges , dem Hunger , dem Leid, das Elend in den Schützengräben , die vom Trauma geplagten Soldaten ,aber auch das Leben der geplagten Bevölkerung . Ein Spannender Roman , Bildhaft und lebendig erzählt.

04.07.2014 23:04:01
-LENA-

Man schreibt das Jahr 1913 und es beginnt letzte unbeschwerte Sommerfrische in Baden-Baden für Selma und ihre Familie. Selma hat den Führerschein gemacht und kann mit dem Auto ihres Verlobten Spritztouren unternehmen.Bei einem dieser Ausflüge lernt sie Constanze kennen, zwischen beiden unterschiedlichen Frauen entwickelt sich eine Freundschaft. Eine ihrer Touren führt nach Belfort, hier treffen sie auf den Franzosen Robert und beide Frauen verlieben sich in ihn. Der Roman schildert die Zeit zwischen 1913 und 1920 des Großbürgertums, die gesellschaftlichen Bälle und ausgelassene Feiern vor Ausbruch des ersten Weltkrieges erinnern an die "goldenen zwanziger Jahre".Sehr ausführliche Beschreibungen der damaligen Mode, sowie die Innenausstattung der Wohnungen.Das Leben der Zivilbevölkerung in unmittelbarer Nachbarschaft der Front ist hart,wovon man in Berlin nichts bemerkt. Die Figuren sind manchmal zu sehr schwarzweiß gezeichnet,wie die Mutter,die ewig lamentiert. Meta,die Großmutter, äußerst tolerant,resolut und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.Selma entwickelt sich ganz langsam, Constanze ist wesentlich pragmatischer und Robert überrascht immer und steht zum "Freundschaftsbund". Die Umbrüche der Gesellschaft, der Ausbruch des Krieges, der politische Wechsel hat die Autorin in einem kompakten Roman zusammengefasst.

02.07.2014 14:11:47
LettersFromJuliet

Meine Meinung

Ich habe mich sehr gefreut auf dieses Buch! Das Cover ist traumhaft, “Die Liebe der Baumeisterin” von Heidi Rehn fand ich schon toll und das Thema hat mich sehr interessiert. Gerade da ich dieses Jahr die ersten beiden Teile der Meindorff-Saga von Elisabeth Büchle gelesen habe, wollte ich mehr über die Zeit vor und während dem 1. Weltkrieg erfahren. Nicht nur im Geschichtsunterricht, sondern auch in der Bücherwelt, kommt diese Zeit leider zu kurz.
Diese Zeit ist geprägt von Veränderungen: Frauen werden selbstbewusster und wollen mitbestimmen, der Adel wird zurückgedrängt, neue Tanzstile und Musikrichtungen entstehen usw.

Eigentlich war also sehr viel los, aber leider nicht in diesem Buch. Ich weiß wirklich nicht genau woran es lag, dass es mich nicht packen konnte. Einige Passagen ziehen sich in die Länge und manche Dialoge haben die Geschichte einfach nicht voran gebracht, wodurch es etwas langatmig wurde. Vielleicht habe ich auch etwas anderes erwartet, denn ich hätte gerne noch mehr über die Menschen und ihr Leben erfahren, und natürlich auch über den 1. Weltkrieg. Allerdings drehte es sich fast nur um Selma.

Bin Selma bin ich nicht richtig warmgeworden. Gerade am Anfang fand ich sie furchtbar egoistisch, sie sucht nur nach Spaß und wie sie “das Küken” behandelt, fand ich teilweise eher herablassend, als freundschaftlich. Über “das Küken” bzw. Constanze hingegen hätte ich gerne mehr erfahren, denn sie schien für mich wesentlich interessanter zu sein. Genauso wie Grischa, Selmas Bruder, welcher als Pilot im 1. Weltkrieg kämpft. Er wird zwar etwas langweilig geschildert, da er noch sehr jungenhaft und schlaksig aussieht, aber er ist direkt Feuer und Flamme für Constanze und wirkt auf mich wesentlich anziehender als Robert oder Gero. Zwischen diesen fünf Charakteren spinnen sich die verschiedensten Beziehungsfäden – verlobt, verliebt, unerwiderte Liebe, Freundschaft. Selbst zwischen Selma und Constanze scheint es zu knistern, was zur damaligen Zeit natürlich undenkbar war, wobei die Homosexualität schon etwas offener gelebt, bzw. nicht mehr totgeschwiegen wurde.
Meta war richtig klasse!!! Ich habe sie geliebt und mal ganz ehrlich, wer möchte nicht auch so eine Oma haben? Selma und sie verstehen sich sehr gut und mir hat es gefallen, dass sie ihrer Großmutter ein wenig nacheifert. Hedda, Selmas Mutter, hingegen ist die Vorzeige-Ehefrau der damaligen Zeit, also recht zugeknöpft und immer darauf bedacht, was wohl die Leute über sie und ihre Familie sagen. Selma ist dagegen richtig draufgängerisch, sie hat den Führerschein gemacht, möchte auch solche neuartigen Damenhosen tragen und so ein Kurzhaarschnitt wäre vielleicht auch nicht verkehrt. Hedda will von all dem nichts hören – so treffen zwei komplett verschiedene Generationen aufeinander, wobei Meta eine echte Vorreiterin war.

Der Schreibstil von Heidi Rehn war wieder super! Sie schafft es Szenen so zu beschreiben, dass man meint es passiere gerade wirklich. Dafür, dass das Buch relativ dick ist, passiert aber recht wenig. In “Die Liebe der Baumeisterin” war viel mehr los und es war auch wesentlich spannender. Natürlich darf man diese beiden Bücher nicht miteinander vergleichen, da sie in völlig verschiedenen Epochen spielen, aber ich hatte eine spannendere Geschichte erwartet, die an “Die Liebe der Baumeisterin” rankommt.

Ja, ich war etwas enttäuscht, was aber auch teilweise einfach an meinen Erwartungen liegen kann. Das Buch war für meinen Geschmack zu ruhig und zu langatmig, aber durchaus nicht schlecht! Für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich auch noch weitere Bücher der Autorin lesen möchte.

Fazit

Ein eher ruhigeres Buch über die Zeit vor und während dem 1. Weltkrieg, in dem es um die Zwänge der Gesellschaft, um Liebe und Freundschaft geht. Mich konnte es leider nicht wirklich überzeugen, aber ich hoffe, dass andere ihren Spaß damit haben werden, allein schon wegen dem tollen Schreibstil von Heidi Rehn.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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