Das Buch der Königin

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Krüger, 2014, Titel: 'Das Buch der Königin', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Der grausame Kaiser und sein huldvolles Weib ein sehr ungleiches Paar der Geschichte

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jun 2014

Sizilien im ausgehenden 12. Jahrhundert. Heinrich VI., Sohn des großen Barbarossa, ist tot.  Und Konstanze, seine um viele Jahre ältere Ehefrau, ist am Ziel ihrer Wünsche. Ihr Sohn wird zum König gekrönt und sie, die schon befürchten musste, niemals Mutter zu werden, ist mit Stolz erfüllt, als ihr junger Sohn Friedrich endlich die Krone Siziliens, ihr Erbe, tragen wird. Doch so feierlich die Zeremonie vonstattengeht, so schwer und schmerzlich war der Weg Konstanzes, dies für ihren Sohn zu erkämpfen.

Erst im Alter von 30 Jahren verheiratet Konstanzes Neffe Wilhelm II., König von Sizilien,  sie mit dem Sohn Barbarossas, Heinrich. Dieser ist um viele Jahre jünger als sie, doch Barbarossa weiß um den Wert ihres Erbes die Krone Siziliens was den kleinen Makel des Alters zur Nebensache werden lässt. Die Ehe ist nicht glücklich, aber beide bemühen sich um ein freundschaftliches Verhältnis. Als Heinrich die Kaiserkrone erbt, scheint ihm die Macht zu Kopf zu steigen. Rücksichtslos und ohne Gefühle setzt er stets seinen Willen durch, egal ob auf privater oder politischer Ebene.

Gewohnt vielschichte Erzählweise

Sabine Weigands Bücher haben alle eines gemeinsam: eine spannende Erzählung durch unterschiedliche Perspektiven. Auch in ihrem neuen Roman gewährt die Autorin wieder verschiedenen Sichtweisen in die Vergangenheit und aufgrund des doch sehr häufigen Szenenwechsels kommen nie Längen auf. Im Gegenteil, gerade im ersten Drittel des Buches geht es in einem schier rasanten Tempo durch die Geschichte, sodass beim Leser die Jahre des Geschehens nur so vorbeifliegen.

Das schöne, leicht orientalisch angehauchte Sizilien bietet den Schauplatz der ersten Zeit in Konstanzes Leben. Die familiären Verhältnisse bekommt man im Eiltempo serviert und dennoch verliert man nie den Überblick, was das Geschick der Autorin verdeutlicht. Neben Konstanze spielen aber noch Gottfried und seine Schwester Hemma, Kinder eines deutschen Ritters, eine entscheidende Rolle. Durch Zufall wird Gottfried zum Schreiber Heinrichs ernannt und lebt so eng an seiner Seite. Seine ganze Sympathie und Loyalität jedoch gebührt Konstanze und die beiden beschließen, ein großartiges Buch über Sizilien zu erschaffen, das Buch der Königin.

Mehrere Geschichten

Ob historisch alles korrekt ist, sei dahingestellt, unterhaltsam, spannend und kurzweilig ist das Buch aber auf jeden Fall. Wer Weigands Bücher kennt, weiß, dass die Autorin so manche Fakten zu Gunsten der Erzählung abändert. Allerdings sind alle Ereignisse - auch die, um die heute Historiker streiten, ob es denn wirklich so war, wie Konstanzes Niederkunft in einem Zelt - sehr stringent und glaubwürdig dargestellt.

Die Autorin hat in dieses Buch immens viel hineingepackt. So verfolgt man nicht nur das Leben Konstanzes mit Heinrich, sondern begegnet noch so manch historischen Größen wie Richard Löwenherz und Barbarossa. Geschildert wird, wie es zur Gefangennahme von Richard Löwenherz kam und warum er so lange in Dürnstein auf seine Befreiung warten musste. Auch wie Barbarossa zu Tode kam, lässt Weigand den Leser miterleben. Sind dies noch ein kleinere Exkurse von der eigentlichen Geschichte, so gibt es aber noch zwei weitere Handlungsstränge, und zwar einen um Gottfried und seinen Werdegang als Schreiber und Buchmaler und seine von ihm fern lebende Schwester Hemma und ihre Liebe zu Christian, der an eine andere gebunden ist. Dann ist da noch Aziz, der Milchbruder Konstanzes, der ihr auch nach vielen Jahren treu ergeben ist.

Den verschiedenen Herrscherhäusern aus anderen Ländern und Provinzen wird ebenso Raum gewährt wie der Darstellung von Konstanzes Gefühlsleben und Ehe mit Heinrich. Heinrich kommt in diesem Buch alles andere als gut weg, wird er doch als ziemlich rücksichts- und gefühllos geschildert.

Prall gefüllt ist dieses Buch, denn nicht nur sämtliche historisch relevanten Ereignisse hat Sabine Weigand fein säuberlich mit aufgenommen, sondern auch noch mit viel Detailwissen Einblick in die Buchmalerei der damaligen Zeit gewährt.

Wenngleich das Buch an Informationen und Geschichten einzelner Personen auch zu bersten droht, so hat die Autorin es dennoch geschafft, dass alles einen roten Faden hat und man diesen nie verliert. Mit diesem Buch beweist Weigand ein weiteres Mal ihre Begabung, Historie interessant und kurzweilig darzustellen.

Das Buch der Königin

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Letzte Kommentare:
05.10.2014 18:48:30
Jana68

"Das Buch der Königin" von Sabine Weigand befasst sich mit dem Leben der Konstanze von Sizilien, jener Frau, die die Mutter des Stauferkaisers Friedrich II. war, den man später das "Staunen der Welt" nannte.
Es ist eine faszinierende Geschichte, die dank der gewohnt tiefgründigen Recherche der Autorin, ihrem wunderbaren Schreibstil und der Bildhaftigkeit ihrer Sprache mich von der ersten Seite an fasziniert hat. Viel möchte ich zum Inhalt auch gar nicht sagen, um nicht zu viel zu verraten.
Geschickt wird enorm geballte Geschichte mit Fiktion verwoben. Kapitel für Kapitel überschlagen sich die Ereignisse, bei denen sich der lange, machtpolitische Konflikt zwischen Papst und Kaiser erneut zuspitzt. Das Buch ist in der Tat vollgepumpt mit historischen Ereignissen, aber gerade das hat mich so begeistert, ich mag es sehr, wenn wahre Geschichte so anschaulich verpackt vermittelt werden.
Ich war den Hauteville's in Süditalien erst kürzlich bei Ulf Schiewe begegnet und hatte somit bereits ein wenig Wissen über dieses Normannen-Geschlecht.
Erstaunt hat mich, dass es Konstanze wohl tatsächlich vergönnt war, ihre Jugend und Freiheit bis zu ihrem 30. Lebensjahr zu genießen. Erst dann mußte sie sich beugen und den machtbesessenen Heinrich, Sohn des Barbarossa, heiraten. Das war doch eher ungewöhnlich in jener Zeit und führte, wie die Autorin im Nachgang berichtet, zu einer Reihe unschöner Gerüchte und Legenden über Aussehen und Gesundheitszustand der Konstanze.

Während Barbarossa im Roman weitestgehend eine durchaus weiche und menschliche Seite als reifer Mann zeigt, stellt sein Sohn alles an Gnadenlosigkeit und berechnender Gier bisher da gewesene in den Schatten. Das wird besonders deutlich bei der Rache an den Sizilianischen Baronen. Die Art und Weise jedoch, wie er mit Konstanze umgeht ist wohl eher typisch für Machthaber wie Heinrich, die Stand und Mitgift ihrer Ehefrauen politisch ausnutzten, das war schließlich oft der einzige Zweck der Ehe. Von daher empfand ich Konstanzes Liebesbeziehung zu Azzis einen beinah gerechten Ausgleich.
Die Autorin verwebt geschickt die Geschichte des Kaiserpaares mit der Geschichte des Geschwisterpaares Hemma und Gottfried von Streitberg in der Fränkischen. Die beiden gelangen mehr oder weniger zufällig in die Dienste der Kaiserin. Ihr Schicksal ist fiktiv, paßt aber perfekt in das große Ganze hinein und läßt den Roman stets lebendig, spannend und fesselnd bleiben.
Ich habe es Gottfried sehr gewünscht, dass er am Ende "sein" Buch der Kaiserin präsentieren kann, leider war es ihm nicht vergönnt, ebenso wie seine Liebe zu Konstanze stets platonisch bleiben mußte.

Sabine Weigand ist hiermit erneut ein hervorragender Roman gelungen, der so nah an den Tatsachen agiert, dass man ihn beinah ein Geschichtsbuch nennen könnte. Frau Weigand steht für hervorragende Recherchearbeit, ihre Fertigkeiten als Autorin, die Historie in eine fesselnde, vielschichtige Geschichte zu kleiden, sind großartig.
Das verwendete Präsenz hat mich nach kurzem Hineinfinden nicht gestört, ich glaube aber, dass mich der Roman - wäre er in der Vergangenheitsform geschrieben - genauso fasziniert und mitgerissen hätte. In den Kapiteln von Konstanze wird sogar die Ich-Form verwendet, so dass ich den Eindruck hatte, im Tagebuch der Kaiserin zu lesen. Dies wiederum war eine neue und in diesem Roman durchaus passende Erfahrung.
Von mir gibt es eine eineindeutige Leseempfehlung, Danke Frau Weigand!

14.07.2014 15:37:44
schoeneskatrinchen

Zum Buch:
Als ich das Buch in der Hand hielt, nachdem ich es von den Bookwives (Facebook) zur Rezension zugeschickt bekommen habe, verliebte ich mich in die einzelnen Details dieser Buchgestaltung. Die Umschlagsgestaltung ist sehr lobenswert! Dieser alte Malstil, welche die Schreiber in den jeweiligen Klöstern erlernten, ist so wundervoll zu betrachten. Das mittlere Bild, was selbst schon so viel Geschichtliches erzählt, sticht dem Betrachter direkt ins Auge. Die raukenartigen Ranken am Buchcoverrand wurden farbenprächtig im Detail aufgedruckt. Alles passt stimmig zusammen und fügt sich wunderbar zu der ansprechenden historischen Geschichte.
Auf der Innenseite des Buches zeigen sich dem Leser zwei Landkarten zur Zeit der Herrschaft von Kaiser Heinrich VI. Auf der linken Seite ist der Norden des Reiches abgebildet und auf der Rechten der Süden. Durch diese Landkartenzeichnungen fiel es mir leicht gedanklich mitzureisen und zu wissen, wo sich die historischen Städte der Geschichte befinden.

Das Buch ist in vier Bücher aufgeteilt. An jedem Buchanfang befinden sich zeichnerische Abbildungen aus dem historischen Buch „Liber ad honorem Augusti sive de rebus Siculis“ (übersetzt: Buch zu Ehren des Kaisers oder über die Begebenheit von Siziliens) von Petrus von Eboli, welcher im Mittelalter ein italienischer Schreiber und Dichter war. Er widmete den Kaiser Heinrich VI. diese Vers-Chronik. Es ist laut dem Buch das Werk, was dem Kaiser umbringen soll und Petrus von Eboli kommt in diesem Buch von Sabine Weigand menschlich nicht gut weg. Dies nur mal am Rande gesagt.

Erster Satz:
„Tausend kostbare Bienenwachskerzen, armdick und zwei Fuß hoch, tauchen den möchten Dom der Hauptstadt in goldglühendes Licht.“

Meine Meinung:
Eine Meinung zu diesem Buch zu schreiben, dass ist und war für mich nicht einfach. Irgendwie befinde ich mich gedanklich immer noch in diesem Buch und bin schwer beeindruckt von der ausdrucksvollen Schreibweise der Autorin Sabine Weigand und den einzelnen Erzählungen.

Wer mit diesem Buch anfängt zu lesen, sollte den Prolog erst zum Schluss lesen. Das Buch fängt sozusagen mit dem eigentlichen Ende an. Dies hätte man am Anfang besser lösen sollen. Ab einer gewissen Seite, am Ende des Buches, wusste ich wie die Geschichte endet. Das nahm mir die Spannung etwas raus.
Kleiner Lesertipp! Fangt die Geschichte ab Seite 13 an zu lesen und schaut Euch zum Ende des Buches den Prolog an.
Am Anfang tat ich mich etwas schwer mit den großen Zeitsprüngen in den einzelnen Kapiteln. Diese Zeitsprünge befanden sich hauptsächlich in den Erzählungen von Konstanze wieder. Man las ein Kapitel und beim nächsten Kapitel war man 10 Jahre weiter. Es könnte etwas irritierend sein.
Es wurden viele Handlungsstränge von der Autorin mit eingewoben. Als Erstes steht die Geschichte von Konstanze von Sizilien, Abstammung Dynastie Hauteville, die Frau von Kaiser Heinrich VI. (Sohn des Kaisers Barbarossa) im Vordergrund. Sie ist die Frau eines aufbrausenden, unberechenbaren, rachsüchtigen, machthungrigen und harten Mannes. Es machte mich immer wieder rasend wie Heinrich mit seiner Frau von Anfang an umging. Was er ihr zugemutet hat und zu Recht wird er in meinen Augen „der grausame Stauferkaiser“ genannt. Auf der anderen Seite ist sie die rechtmäßige Erbin des Königreiches Sizilien und somit auch für seine Vorhaben wichtig.
In den einzelnen Kapiteln, in denen es um Konstanze geht, merkt man die Verbundenheit der Königin zu ihrem Land. Sie kämpft für Ihr Land, soweit sie das kann und darf. Aber immer wieder werden ihr Steine in den Weg gestellt, wo sie aber mit Schlauheit und Intelligenz probiert aus diesen Steinen für sich und ihr Land Brücken zu bauen. Das Leben am Kaiserhof besteht hauptsächlich aus Intrigen, Verrat, Neid, Machtränke und Verschwörungen. Bei den einzelnen geschichtlichen Schilderungen kann man gut nachvollziehen, was diese Frau an so einem Kaiserhof spürte oder zu spüren bekam. An der Seite des grausamen und verhassten Kaisers ist Konstanze aber eine geliebte Königin in Sizilien. Aber im Herzen ist sie an der Seite von Heinrich unglücklich, unverstanden und nicht geliebt.
In den nächsten Handlungssträngen taucht die Geschichte von den Geschwistern Gottfried und Hemma von Streitberg auf, welche ihre Heimat Burg Streitberg aufgrund eines nächtlichen Unfalles fluchtartig verlassen müssen und sich ewig auf der Flucht befinden. Sie müssen in der Geschichte immer wieder aufpassen, dass ihre Herkunft nicht erkannt wird. In diesen Handlungssträngen wird dann auch noch Christian, der Sohn des Müllers, mit eingebunden. Zum Ende hin verknüpft sich Geschichtliches miteinander. Es ist aber das reinste Auf und Ab.
Mich hat diese Geschichte richtig gefesselt und mitgerissen. Die einzelnen Beschreibungen von der Gegend, den Handlungen und die historischen Fakten hielten mich im Geschehen fest. Meine Neugier auf jedes einzelne Kapitel wurde immer wieder geweckt und ich wollte jedes Mal (mit Hilfe des Internets) wissen, wie die Gegend in der Zeit aussah. Gleichzeitig verband mich ein Heimatgefühl mit dem Buch. Bamberg, Bischof Otto und die Wiesent (der Hauptfluss der Fränkischen Schweiz, eine schöne Gegend). Die Autorin hat mich gefesselt mit ihren detaillierten Erklärungen, wie z. B. im Kloster die Tinte hergestellt wird und welche Bedeutung die Schreiber des Jahrhunderts hatten. Genauso die Erzählung über die Reisen der Kreuzritter ins Heilige Land. Mit was diese Menschen auf der Reise oder selbst am Ort zu kämpfen hatten. Es öffnete sich für mich im Allgemeinen ein Art Wissenslexikon. Hier hat die Autorin eine gut recherchierte Vorarbeit geleistet.
Das Strafgericht von Sizilien hat mich gefühlmäßig so auffahren lassen und einerseits fand ich es zu sehr ins Detail eingehend. Diese mittelalterliche Grausamkeit traf mich sehr. Hier musste ich das Buch erst einmal weglegen um gedanklich runterzukommen.
Oder die Bestimmung des Kaisers über seinen Sohn (von Konstanze…Konstantin genannt, Heinrich ließ ihn auf Friedrich taufen). Hier kam bei mir die Frage auf „wie kannst Du einer Herzblutmutter nur sowas antun? Wie kannst Du ein Kind von der Mutter entfremden?“. Mit Wut legte ich das Buch dann erst einmal weg und atmete durch. Zu viele eigene Emotionen!
Ich empfehle dieses Buch allerdings niemanden der gerade in das Genre Historik hinein schnuppern möchte. Dieses ganze Geschichtsvolumen wäre für den Anfang abschreckend oder man verliert die Lust an zu viel genannten Fakten.
Für mich war das Buch genau das Richtige und ich bin froh, dass ich es lesen und rezensieren durfte.

Fazit
In diesem Buch gibt es viele geschichtliche Fakten. Hier konnte ich als Historikliebhaberin viel dazulernen. Sprachlich sowohl geschichtlich. In jedem einzelnen Kapitel passierte etwas und es baute sich Spannung auf. Der Schreibstil von der Autorin ist blumig und bildlich. Es liest sich aber in allem sehr flüssig.
~ eine packende, spannende & mitreißende Geschichte ~ schöne, opulente und ausgeprägte Sprachwahl der Autorin Sabine Weigand ~ gedankliche Reise ins Mittelalter des 12. Jahrhundert ~ einfach nur toll und im Genre Historik … ein absoluter Bestseller ~

Meine Bewertung:
5 Krönchen von 5 Krönchen

Zur Autorin:
Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans ›Das Perlenmedaillon‹, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman ›Die Königsdame‹ zugrunde. In ›Die Seelen im Feuer‹ bilden die Hexenakten von Bamberg die historische Romanvorlage, bei ihrem ersten Roman ›Die Markgräfin‹ war es die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, bei ›Die silberne Burg‹ die Bestallungsurkunde einer jüdischen Ärztin, in ›Die Tore des Himmels‹ das Leben der Hl. Elisabeth und in ›Das Buch der Königin‹ das Schicksal der Konstanze von Sizilien.

30.06.2014 16:39:49
LettersFromJuliet

Inhalt

Konstanze von Sizilien wächst behütet auf Sizilien auf und sie ist die nächste in der Thronfolge, denn ihrem Neffen scheinen keine Kinder vergönnt zu sein. Die beiden führen die Geschäfte zusammen und Konstanze ist beliebt unterm den Adelsleuten. Mit Anfang 30 geschieht das, was sie nie wollte, sie soll verheiratet werden mit dem 10 Jahre jüngeren deutschen König Heinrich VI. Dabei schlägt ihr Herz nur für Aziz, mit dem sie nicht zusammen sein darf. Erst hat sie ihren Geliebten verloren, jetzt muss sie auch noch ihrer Heimat den Rücken kehren.

Meine Meinung

Ich muss gestehen, dass der Klappentext viel zu viel verrät, auch wenn man natürlich alles nachschlagen kann, denn schließlich geht es um eine historische Figur – Konstanze von Sizilien.
So beginnt der Roman mit einer Szene, die eigentlich an den Schluss des Buchs gehören würde, dann geht es aber in Konstanzes Kindheit und in recht schnellen Zeitsprüngen erlebt der Leser wie sie älter wird. Dazu kommt aber noch ein weiterer Handlungsstrang, nämlich der der Streitbergs. Die beiden Kinder verlieren ihrer Vater und somit auch ihre Burg und ihr Zuhause durch einen Hinterhalt eines “Burgnachbarn”. Gottfried und Hemma sind auf der Flucht, allerdings kann ihr Onkel sie in einem Kloster unterbringen, bzw. Gottfried soll zum Schreiber ausgebildet werden, da der Junge großes Talent besitzt.

Die Geschichte wird im Präsens (fand ich am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig) aus verschiedenen Sichten erzählt. So begleiten wir vor allem Hemma, Gottfried und Konstanze über Jahrzehnte hinweg. Wenn das Kapitel jedoch aus Konstanzes Sicht erzählt wird, dann ist die Autorin in die Ich-Form gewechselt, wodurch man einen noch besseren Einblick in ihre Gefühlswelt bekommt.

Konstanze ist eine intelligente und starke Frau, die bereit ist für ihre Überzeugung zu kämpfen, dabei aber auch sehr weise handelt. Sie war mir auf Anhieb sympathisch und ich kann gut verstehen, wieso ihr Volk ihr so treu ergeben war. Die Szene, die auf dem Klappentext angesprochen wird, war wirklich einmalig und es scheint ihr nicht an Ideen gefehlt zu haben.
Heinrich VI ist grausam, aufbrausend, rachsüchtig und willkürlich – das Gegenteil seines Vaters Friedrich Barbarossas (welcher hier sehr nett rüberkommt) und mir hat Constanze sehr leidgetan, dass sie dieses Scheusal ertragen musste.
In diesem Buch trifft man also auf einige historische Persönlichkeiten, so sind z.B. auch einige Päpste dabei, aber auch der englische König Richard Löwenherz, über den ich jetzt gerne mehr erfahren würde.
Gottfried muss ständig mit seinem Gewissen kämpfen. So ist er auf der einen Seite loyal, auf der anderen Seite ist er ein Spion und eigentlich will er nur seinen Beruf ausüben.
Hemma wächst zu einer schönen jungen Frau heran, wobei sie ihre Vergangenheit nicht loslässt. Sie und Gottfried leben in ständiger Angst, denn der neue Besitzer ihrer Burg hat Rache geschworen. Sie verliebt sich, aber diese Liebe kann ihr zum Verhängnis werden. Trotzdem ist auch sie stark und sie will die Hoffnung nicht aufgeben, eines Tages doch ein schönes Leben mit ihrem Liebsten führen zu können. Über Hemma hätte ich gerne noch mehr erfahren und eigentlich schreit das Buch nach einer Fortsetzung in diese Richtung.

Ich habe wirklich schon viele historische Romane gelesen, manche beinhalteten nur das nötigste an historischen Fakten, Ereignissen und Personen, andere haben richtiges Wissen vermittelt. Aber noch nie habe ich ein Buch gelesen, was so viel lehrreichen Input liefert. Man hätte hier nie die Chance einzelne Stellen querzulesen, weil einfach ständig etwas passiert und man mit neuen Fakten versorgt wird. Das ist auf der einen Seite super interessant, auf der anderen Seite kann man dann auch nicht so viel an einem Stück lesen, da einem sonst der Kopf brummt. Trotzdem, liebe Frau Weigand, ich begeistert, wieviel Sie recherchiert haben, wie viele Fakten Sie aufgenommen haben und wie toll Sie das alles in diesem Roman umgesetzt haben. Respekt!
Dadurch kann ich dieses Buch allerdings nicht empfehlen, wenn man Neuling in diesem Genre ist, denn das dürfte einige abschrecken. Ich fand es toll!!!

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, aber ich hatte meine Probleme mit dem Präsens. Auf der Homepage der Autorin kann dazu folgendes nachlesen: “Wenn alles in der Gegenwart spielt, ist man als Autor – und ich hoffe, auch als Leser – mittendrin im Geschehen. Das zieht einen richtiggehend in die Geschichte hinein.” Ich fand das Präsens eher ungewohnt und musste mich erst mal umgewöhnen, da es doch eher selten verwendet wird. Für mich ist der Erzählmodus egal, wenn es darum geht in die Geschichte einzutauchen. Das hängt ganz allein vom Schreibstil und den Beschreibungen ab. Gerade in den Hemma-Passagen konnte ich alles um mich herum vergessen.

Ich freue mich, dass ich noch drei weitere Bücher der Autorin zu Hause habe und die warten jetzt nur darauf von mir gelesen zu werden. Schade, dass ich die Autorin erst so spät entdeckt habe, dabei kommt sie aus meiner zweiten Heimat – Franken.

Fazit

Ein mitreißendes Buch über Konstanze von Sizilien und die Stauferdynastie. Sabine Weigand hat sehr ausführlich recherchiert und sie überzeugt mit einem tollen Schreibstil.