Tiger Rag

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2013, Titel: 'Tiger Rag', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Die einzige Aufnahme einer Jazzlegende

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2014

Die Geschichte der Musik ist so vielfältig wie die Anzahl an Kompositionen, die es gibt. Um das Jahr 1900 entstand in New Orleans in den USA eine damals völlig neue Stilform, die heute Jazz genannt wird. Einer der damals berühmtesten Vertreter war Charles Buddy Bolden, der beste, lauteste und virtuoseste Kornettist seiner Zeit, vielgerühmt und nie kopiert.

An einem Nachmittag des Jahres 1904 trifft er sich mit seinen sechs Bandkollegen und nimmt erstmals überhaupt ein Stück auf und ist erst mit der dritten Aufnahme des nun Tiger Rag genannten Stücks zufrieden. Aufgenommen wurden diese drei Versionen auf Edison-Walzen, damals neueste Schrei und die erste Möglichkeit überhaupt, zu annehmbaren Preisen selbst Musik aufzunehmen. Die drei Walzen werden in der Band verteilt, Willie Cornish, Posaunist, bekommt die letzte und gültige Fassung, um sie für Bolden aufzubewahren.

Durch unglückliche Zufälle und Umstände kommt es nicht zu einer Veröffentlichung, und die Walzen geraten in Vergessenheit oder gehen verloren. Das einzige Tondokument von Buddy Bolden bleibt verschollen. Neunzig Jahre später bekommt die junge Jazzmusikerin Devon eine Einladung nach New York und weiss nicht, worum es geht. Gemeinsam mit ihrer Mutter Ruby, einer Ärztin, macht sie sich auf den Weg und kann nicht ahnen, auf welcher Spur sie sich bewegen wird.

Ein Stück Geschichte

Nicholas Christopher nutzt eine Lücke in der Geschichte des Jazz, um eine intensive und packende Geschichte zu erzählen. Charles Buddy Bolden galt tatsächlich seinerzeit als einer der besten Musiker seiner Zeit, der vor allem von 1900 bis 1906 in New Orleans der populärste Jazzer war. Tatsächlich hat der schwarze Kornettist nie eine Aufnahme gemacht, weshalb sein Stil nicht als Tondokument überliefert ist. Er selbst kam ab 1907 für den Rest seines Lebens in eine psychiatrische Klinik, in die er wegen einer alkoholbedingten Psychose eingeliefert wurde. Auch aus diesem Grund war er bald vergessen.

Doch Nicholas Christopher führt seine Leser mit auf die Ausnahmesession des Tiger Rag, in der man hautnah miterleben kann, wie geniale Musiker die Walzen-Maschine von Edison bedienen und Buddy Bolden erst mit der dritten Aufnahme zufrieden ist, die genau vier Minuten dauert, so lang, wie Platz ist auf einer Walze. Dabei lernt der Leser die siebenköpfige Band kennen, die sich schon bald nach der Aufnahme auflösen wird. Christopher verfolgt, soweit möglich, die Wege der Musiker und der Walzen, und beschreibt dabei intensiv eine erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, die man aus diesem Blickwinkel selten gelesen hat.

Zwei Zeitebenen

Doch es gibt einen zweiten Handlungsstrang, der kurz vor Weihnachten 2010 spielt und der sich Bolden und der dritten Walze auf andere Weise nähert. Ruby ist eine Ärztin, die ihre besten Tage gesehen hat und nach New York eingeladen wurde, um dort einen Vortrag zu halten. Zudem ist gerade ihre Mutter gestorben, zu der sie allerdings keinen Kontakt mehr hatte. Sie bittet ihre Tochter Devon, eine verkrachte Jazzmusikerin, sie nach New York zu begleiten. In den Unterlagen der verstorbenen Mutter findet die Nachricht eines New Yorker Anwalts, der die Mutter bittet, sich bei ihm zu melden. Da die Nachricht noch nicht alt ist, meldet sich Devon dort und fährt schließlich mit ihrer Mutter Ruby zusammen nach New York, um der Nachricht auf den Grund zu gehen.

Wie in den Sequenzen um die Walze werden auch in dem Teil von 2010 nach und nach die Geschichten von und um Devon, Ruby, deren Mutter und vor allem von deren Männern erzählt, die alle bereits verstorben sind und die sich teilweise sogar als flüchtige Bekanntschaften herausstellen. Da ähneln sich Lebensläufe über Generationen immer wieder, und schließlich finden sich sogar ein paar gemeinsame Punkte mit der Geschichte der Walzen, von denen Devon aber noch nichts ahnen kann. Ein "Skandal", wie auf dem Klappentext kolportiert, kommt allerdings nicht dabei heraus.

Packende Erzählungen

Nicholas Christopher ist ein intensiver Erzähler, der sich Zeit nimmt und auch scheinbar unwichtige Details anbringt, die dem Leser aber eine durchdringende Atmosphäre schaffen, so dass man sich immer vom Autor ernst genommen fühlt. Die beiden Erzählstränge wechseln sich immer wieder ab, was auch durch Datumskennzeichnungen und vor allem verschiedene Schriftarten gekennzeichnet ist.

Neben einer interessanten Musikgeschichte springt dabei vor allem ein Psychogramm von Ruby und ihrer Tochter heraus, das einiges zu bieten hat, vor allem, was Rubys Exzentrik angeht. Bei der Musikgeschichte lernt man einiges über die Verhältnisse in New Orleans zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, der Musikszene und der Techniken, die damals erst aufkamen. Wie schnell jemand in Vergessenheit geraten kann, zu einer Zeit, in der alles noch langsamer war, kann man sich heutzutage nur schwer vorstellen. Heute ist alles schneller und damit enger und kleiner geworden, die Welt ist aus Glas, das war sie damals nicht, und daher funktioniert der Roman auch auf seinen beiden Zeitebenen, die einen Kontrast zueinander bilden, den jeweils anderen Handlungsstrang ins rechte Licht rücken und zusammen ein eindrucksvolles Ganzes ergeben. 

Neben einer Danksagung und einem Literaturverzeichnis bietet der Roman auf dem Cover das einzige Foto der Band, das es gibt. Der Roman ist nicht nur für Musikfreunde geeignet, die einen lohnenswerten Zeitsprung erleben. Auch Nicht-Musiker dürften sich der Lektüre erfreuen und ein paar intensive Lesestunden geniessen. Vielleicht mit einer Jazzplatte auf dem Plattenteller. Aus Vinyl mit dem leichten Kratzen dabei Sie erinnern sich?

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