Nur ein gewöhnlicher Mord

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2014, Titel: 'Nur ein gewöhnlicher Mord', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Ein Mord und kein gewöhnlicher Überfall auf Polen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2014

Hamburg 1939: Im Schröders Park wird die Leiche einer Frau gefunden, deren Schädel eingeschlagen und deren Gesicht zerschnitten wurde. Die Identität des Opfers ist schnell geklärt: Inez Reuther, Mitte 40, unverheiratet und vermögend. Kriminalkommissar Wilhelm Berger und sein Mitarbeiter Wilfried Pagels finden heraus, dass in der Wohnung der Toten regelmäßig wilde Orgien stattgefunden haben, darauf deutet zudem ein Album mit eindeutigen Fotos hin. Da die Männer offenbar öfters wechselten, gibt es zahlreiche Verdächtige. Aber auch die Töchter Luise und Ingeborg geraten in Verdacht, haben sie als Erbinnen immerhin eines der bekanntesten Motive für einen Mord. Ingeborgs Mann Waldemar Trapp war zuvor kurzzeitig mit der polnischen Jüdin Erika Dabrowski verheiratet, die angeblich 25.000 Reichsmark, die Inez gehörten, unterschlagen haben soll, womit ein weiteres, sehr beliebtes Motiv vorhanden wäre.

 

Die heutige Regierung, das sind doch alles Hungerleider. Hitler?- Nichts als ein böhmischer Gefreiter.

Nicht so laut - Der Führer stammt übrigens aus Braunau am Inn. Das liegt nicht in Böhmen.

Ist mir Wurst. Und der Reichspräsident Hindenburg hat ihn auch nicht als böhmischen Gefreiten bezeichnet, weil er von Geographie keine Ahnung hatte, sondern weil er damit das hinterwäldlerisch Primitive dieses Mannes herausstellen wollte. Und nordisch, wenn wir einmal die von den Nationalsozialisten hochgehaltenen Kriterien dieser Pseudowissenschaft anwenden wollen, also nordisch ist der Hitler nun wirklich nicht. Ein ostisch-mongolischer Mischling, würde ich sagen.

 

Da die Ermittlungen nicht von der Stelle kommen, möchte Berger die inzwischen Verdächtige Dabrowski befragen, doch da gibt es ein Problem, denn diese befindet sich wieder in ihrer polnischen Heimatstadt Bydgoszcz, dem früheren Bromberg. Trotz aller Warnungen seiner Kollegen und Vorgesetzten macht sich Berger auf die Reise und trifft am 30. August 1939 in Polen ein&

Spannender und beklemmender Mix aus Krimi und Zeitgeschichte

Nur ein gewöhnlicher Mord spielt von Juli bis Oktober 1939 und setzt die Handlung aus In Deinem schönen Leibe (spielt 1938) ausgezeichnet fort, was aber vor allem bedeutet, dass man die Romane unbedingt (!) in ihrer Reihenfolge lesen sollte. Zwar funktionieren die Romane auch eigenständig, aber dann würde man aufgrund der zahlreichen Anspielungen auf den Vorgänger nicht alle Details verstehen, was hier besonders schade wäre. Dies betrifft auch das Familienleben des Protagonisten, dessen Tochter Susanne in Amerika weilt und dessen Frau Dagmar nach wie vor verzweifelt nach einer Lösung sucht, wie sie mit ihrem Mann und Sohn Horst das Land verlassen können. Der britische Konsul soll einmal mehr helfen, doch da sich die Anzeichen auf einen möglichen Krieg und damit unter Umständen auch auf eine Auseinandersetzung zwischen Deutschland und England verdichten, gelingt es dem Konsul nur, ihr Karten für eine Schiffspassage nach Indien zu besorgen. Für Berger ist dies keine Option, zumal er die politische Lage (wie schon zuvor) völlig falsch einschätzt, was aus heutiger Sicht naiv erscheinen mag, gleichwohl das Empfinden vieler Menschen damals recht realistisch beschreibt.

 

Das ist Eris, die Göttin der Zwietracht. Die zweite von links, die den Apfel in der Hand hält. Der Zankapfel. Ja, auch damals gab es schon Streit und Hass, und es bedurfte nur eines nichtigen Anlasses, um den Krieg um Troja zu entfachen!

Wir können nur hoffen, dass die heutigen Menschen vernünftiger sind.

Hoffen können wir es. Aber wenn man die Zeitungen liest, könnte man meinen, dass die Menschheit in den dreitausend Jahren seit Troja nichts dazugelernt hat.

 

So bleibt es nicht aus, dass Berger auf seiner Dienstreise nach Polen umgehend mit der wahren politischen Situation konfrontiert wird, denn bereits am zweiten Tag seiner Ankunft befiehlt Hitler den Angriff auf Polen. Nur mit Mühe und viel Kraft gelingt es Berger zu überleben, doch dabei wird er immer wieder Zeuge der brutalen Übergriffe der vorrückenden deutschen Soldaten, wobei sich auch die polnischen Kräfte in Bromberg zunächst nicht zimperlich zeigen. Dass vorübergehend die Ermittlungen im Fall Inez Berger vollständig zum Erliegen kommen, versteht sich von selbst. Dafür gibt es eine ordentliche Dosis Zeitgeschichte über die ersten Tage vor und nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Wie schon bei In Deinem schönen Leibe greift Autor Jürgen Ehlers bei dem zu lösenden Mordfall auf zahlreiche wahre Begebenheiten zurück, die lediglich für das Funktionieren dieser Geschichte ein wenig variiert werden. Dichterische Freiheit nennt man das und im Nachwort erfährt man, wo der Autor ein wenig die Fakten verschoben hat. Fazit: Spannend erzählte Zeitgeschichte, die gerne weitere Folgen erfahren darf.

Nur ein gewöhnlicher Mord

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